Unternehmen sind kontrollierpflichtig
Wie sauber ist‘s im Lieblingsrestaurant?

Warendorf -

Wie sauber ist es hier überhaupt? Kann man hier essen? Fragen die bei der anhaltenden Welle von Produktrückrufen aufgrund von Verunreinigungen immer häufiger thematisiert werden.

Donnerstag, 02.01.2020, 09:00 Uhr
Gerade Restaurants müssen viele lebensmittelrechtliche Auflagen erfüllen, denn sie sind die letzte Station, bevor der Endverbraucher das Gericht verzehrt. Foto: Dietmar Jeschke

In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung, sondern die Bundesländer sind für die Durchführung der amtlichen Lebensmittelüberwachung zuständig. In Warendorf kümmert sich das Kreisveterinäramt um die Durchführung dieser Kontrollen.

In regelmäßigen Abständen werden der bauliche Zustand, die Produktions- und Mitarbeiterhygiene sowie deren Dokumentation bei allen Lebensmittelbetrieben überprüft. Wichtige Punkte sind hier die Mitarbeiterschulungen gemäß dem Infektionsschutzgesetz, die Reinigungspläne und auch die Schädlingsbekämpfung. „Die Unternehmen müssen mindestens alle drei Jahre überprüft werden. Wir versuchen aber, einen engmaschigeren Zeitrahmen hinzubekommen“, verrät Kerstin Butz, stellvertretende Pressesprecherin der Kreisverwaltung.

Der hygienische Zustand der Sanitäranlagen in Restaurants ist für viele Gäste ein Indikator, wie es hinter den Kulissen des Betriebes um die Sauberkeit bestellt ist. Doch wie können sie sich sicher sein? Am 14. März stimmte der Bundestag dem Gesetzesentwurf des Bundesernährungsministeriums zu, um das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) zu ändern. Kontrollergebnisse sollen demnach unverzüglich und zwingend öffentlich einsehbar sein. Mit der Gesetzesvorlage kommt ein Thema wieder in die Diskussion, das bereits jahrelang im Raum schwebt.

Schon jetzt ermöglicht es das Landesinformationsfreiheitsgesetz Verbrauchern, sich über die Ergebnisse der Kontrollen zu informieren. Die Organisation „Foodwatch“ hat das Onlineportal „Topf Secret“ ins Leben gerufen, auf dem die Bürger die Möglichkeit haben, die Ergebnisse von Hygienekontrollen abzufragen. Der Nachteil: Nur die Person, die die Anfrage auch durchgeführt hat, hat die Möglichkeit das Ergebnis einzusehen. „Über die Website haben wir bis jetzt 60 Anfragen erhalten“, verrät Butz.

Die Verantwortung der Lebensmittelkontrolleure umfasst weit mehr als nur Restaurants. Jeder sogenannte „Lebensmittelunternehmer“ muss sich Kontrollen unterziehen. Dazu zählen nach EG-Verordnung „alle Unternehmen, die eine mit der Produktion, der Verarbeitung und dem Vertrieb von Lebensmitteln zusammenhängende Tätigkeit ausführen“. In Summe kommt Warendorf auf 412 kontrollpflichtige Einrichtungen.

In den letzten Jahren hatte die Kreisverwaltung – genau wie alle anderen – mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Im Jahr 2018 konnten daher nur 117 Kontrollen durchgeführt werden. Um den Nachwuchs zu fördern, bietet der Kreis mittlerweile selber die Ausbildung zum Lebensmittelkontrolleur an, mit deutlicher Ergebnissteigerung: Bis Anfang Dezember wurden bereits 258 Kontrollen in Warendorf durchgeführt.

Mängel, die auffallen können, sind dabei vielfältig. Im Regelfall erhalten die Unternehmen eine Frist, um den Mangel zu beseitigen. Nur im absoluten Worst-Case kommt es zur Schließung, aber auch das komme vor, betont Butz.

Zu den Fristen, die gesetzt werden, kann keine konkreten Aussagen getroffen werden. Hier ist alles fallabhängig zu betrachten. „Gibt es zum Beispiel hygienische Mängel, kann es sein, dass eine kurze Frist von nur einem Tag gesetzt wird. Es gibt aber auch bauliche Mängel, bei denen ein Umbau vorgenommen werden muss. Dabei wird eine längere Frist gesetzt, denn der Betriebsinhaber muss ja auch die realistische Möglichkeit haben, den Mangel zu beheben“, erläutert Butz.

Für Restaurant- und Imbissbesuche rät sie, auf das persönliche Empfinden zu vertrauen: „Man sollte sich auf die eigenen Sinne verlassen“. Ein gutes Indiz seien jedoch immer Salate und Kühltheken. Ansonsten sollten sich Verbraucher auf staatliche und öffentliche Urteile verlassen. Eine Möglichkeit ist die lebensmittelwarnung.de aber auch das LANUV bietet auf seiner Website einen Dienst an.

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