Bon-Pflicht – erster Tag
Die Rolle lief schon am Mittag auf Rot

Ahlen -

Eine Kiste Bon-Müll: Bilanz des ersten Pflichttags in der Ahlener Bäckerei Zimmermeier. Bisher ließen sich die gewünschten Belege an einer Hand abzählen. Neu im neuen Jahr auch: die Kommentare zum Kassenzettel.

Samstag, 04.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 10:54 Uhr
Rechts frische Brötchen von Freitag, links alte Bons von Donnerstag, die keiner will. Karina Pawlak hat sie gesammelt, um zu zeigen, was in den Müll kommt. Foto: Ulrich Gösmann

Rollentausch – sonst alle zwei Wochen. „Am Donnerstag schon mittags“, sagt Karina Pawlak. Da lief am ersten Arbeitstag des neuen Jahres schon die erste Rolle rot durch die Kasse der Bäckerei Zimmermeier an der Schlütingstraße. Der Bon zum Brötchen – ab sofort Pflicht, Ärgernis, Amüsement und Anlass, mit Kunden zwischen Brötchenzählen und Brotschneiden über die große Politik zu diskutieren.

„Schwachsinn“, schießt es kurz nach neun Uhr aus Jan Siebrecht. Lars Kohlmann kommentiert frei aus der Schlange heraus: „Es gab ja schon die tolle Idee, die alle zu sammeln und dann zum Finanzamt zu geben.“

Sammeln? Längst geschehen. Karina Pawlak hat den Wunsch unserer Redaktion gleich in die Tat umgesetzt und präsentiert am Freitagmorgen die Bonbeute des ersten Tages: 200 Kassenzettel, die keiner haben wollte, obwohl zum Preis immer wieder der freundlich formulierte Hinweis kam: „Und hier ihr Kassenbon.“

Die meisten schütteln mit dem Kopf. Andere lachen.

Karina Pawlak

„Die meisten schütteln mit dem Kopf. Andere lachen“, bilanziert Karina Pawlak ihren ersten Bon-Marathon.

„Affig!“ „Lächerlich!“ Von der schnellen Kommentierung geht‘s gleich in die tiefer Diskussion über Sinn und Unsinn, den Klimaschutz und die große Politik in Berlin, die zum Jahreswechsel ums Brötchen kreist. „Sonst haben über den Tag vier bis fünf Kunden einen Kassenzettel mitgenommen“, erzählt die Angestellte. Entsprechend sparsam der Rollenverbrauch. In der Filiale an der Kapellenstraße ist der Auswurf deutlich höher. 600 Kunden am Donnerstag – die hätten drei Kisten gefüllt.

Bernhard Zimmermeier blickt nach Italien: Da müssten Kunden ihre Bons noch die ersten 500 Meter aufbewahren. Sohn Stefan legt nach: In Österreich gebe es gar eine Bon-Annahmepflicht. „Da stehen die Beamten zur Kontrolle vor den Läden.“ Das hätte ihm hier jetzt auch noch gefehlt. . . 

Von der Rolle ist Karina Pawlak nach dem ersten Bon-Tag nicht. Dass sie gebetsmühlenartig immer wieder den gleichen Satz gesagt habe, sei ihr zum Schichtende gar nicht mehr bewusst gewesen. „Das schleift sich halt ein.“ Ihre Kunden werden sich erst noch dran gewöhnen müssen. Obwohl es nach dem medialen Vorab-Feuerwerk alle gewusst haben dürften: Verwunderte Reaktionen gab‘s zum Start zu nahezu jedem Bon. . . 

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