Nager werden nicht nur in Ostbevern zur Plage
„Nutrias sind eine Gefahr“

Ostbevern -

Früher gab es Nutrias nur in Südamerika. Doch die Nager sind auch in Deutschland heimisch geworden. Und sie vermehren sehr schnell. Inzwischen sind die Tiere zu einer Plage geworden, weil sie insbesondere an Uferböschungen für Zerstörungen sorgen.

Sonntag, 05.01.2020, 20:00 Uhr
Heiner Stadtmann an einem Bever-Arm, in dem jüngst rund 50 Nutrias gefangen wurden. Foto: Bernd Pohlkamp

In der Bevergemeinde hat sich mit den Nutrias eine Tierart angesiedelt, die es vor einigen Jahrzehnten nur in Südamerika gab. Dort lebten die Tiere in den subtropischen und gemäßigten Klimazonen an Flüssen, Seen, Teichen und Sümpfen. Auch als Sumpfbiber oder Biberratte sind sie bekannt. Wegen ihres Felles wurde sie in Deutschland auf Pelztierfarmen gezüchtet. Als der Pelztiermarkt zusammenbrach und zahlreiche Tiere ausgesetzt wurden, fanden sich diese verstärkt auch an den Gewässern in Ostbevern wieder.

„Insbesondere seitdem die Winter immer milder geworden sind, vermehren sich die Tiere sehr schnell“, berichtet Heiner Stadtmann, verantwortlich für den Wasser- und Bodenverband Ostbevern. Er zeigt an einem Beverarm die Problematik: „Die Tiere fressen sich in das Erdreich hinein, bauen Höhlen und dann bricht die Uferböschung ein, Bäume fallen und die Wiederherstellung ist sehr zeit- und kostenaufwendig.“

Heiner Stadtmann kennt nur wenige Mittel, die enorme Population zu stoppen. Seine Aufgabe ist es, die Zerstörung von Flussufern durch die Nutrias einzudämmen. „Es ist hoffnungslos, denn die Tiere vermehren sich sehr stark. Innerhalb des Ortskerns habe ich im Bereich der Schulen keine Chance, sie zu bekämpfen.“

Zudem muss Heiner Stadtmann immer wieder beobachten, dass die Tiere von Menschen gefüttert werden. „Ich bitte ausdrücklich darum, diese Tiere nicht zu füttern.“ Auch sollen sie nicht geärgert werden: „Die haben scharfe Zähne und wehren sich.“

Die Plagegeister graben an Bever, Aa sowie Eltingmühlenbach und bauen sich in den Uferböschungen ein Höhlensystem. Das bricht dann zusammen, wenn es viel geregnet hat. Dann wird der Schaden offensichtlich. „Jedes Jahr muss der Wasser- und Bodenverband bis zu 10 000 Euro in die Schadensregulierung investieren“, erläutert Heiner Stadtmann.

Zehn ehrenamtlich bestellte Bisamfänger sind täglich mit Fallen unterwegs, um die nachtaktiven Nutrias zu fangen. Zweimal täglich besuchen die Ostbeverner die Fallen. 500 Sumpfbiber wurden bis Ende 2019 gefangen, berichtet Heiner Stadtmann: „Nutrias werden zur Gefahr.“

Sie graben sich tiefe Löcher und bringen dort ihre Jungen – mehrmals im Jahr und jeweils bis zu sechs Nachkömmlingen. In den beiden zurückliegenden, trockenen Sommermonaten hielt das Höhlensystem. Doch als es wieder anfing zu regnen und der Boden weich wurde, brachen die Höhlen und damit Teile der Ufer zusammen.

„Die Schäden müssen wir beheben, denn tun wir es nicht, haben wir ein Problem: Das Wasser, wenn es kommt, fließt kaum noch ab und dann könnte es passieren, dass Keller in Ostbevern überlaufen.“

Auch die Ernteerträge in der Nähe von Flüssen leiden darunter. Die Nager, die keine natürlichen Feinde haben, mögen auch Mais, Gras und Getreide. So sei es schon vorgekommen, dass größere Flächen einfach weggefressen wurden.

„Die Jagd auf Nutrias ist im eigentlichen Sinne gar keine, denn das Ganze fällt unter die Schädlingsbekämpfung“, erklärt Moritz Hillebrand, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes für den Kreis Warendorf.

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