Familie Pöpping versorgt und vermittelt (Wind-)Hunde
Tierisches Vertrauen

Seppenrade -

Bei Carsten und Alex Pöpping aus Seppenrade leben Menschen und Tiere unter einem Dach. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch die Konstellation ändert sich stetig, weil das Haus der Familie als Pflegestelle für gerettete Windhunde dient.

Donnerstag, 09.01.2020, 15:00 Uhr
Wenn Carsten Pöpping mit den aktuellen Pflegehunden (v. l.) Jasper, Puppi, Giselle, Sebas und Bogart Gassi geht, fällt das tierisch-menschliche Sextett schon mal auf. Foto: awi

Es war Liebe auf den ersten Blick: Als Carsten Pöpping vor einigen Jahren auf einer Messe Windhunde der Rassen Magyar Agár und Galgo Español erlebte, war es um ihn geschehen. „Ihre Bewegungen, ihr Wesen – das alles hat mich sofort fasziniert“, schwärmt der 51-Jährige, der seit 2014 mit seiner Frau Alex (47) sowie Fynn (20), Levin (18) und Nyla (12) in Seppenrade lebt. Hinzu kommen ständig wechselnde tierische Mitbewohner, denn die Familie agiert als Pflegestelle für (Wind-)Hunde, die die Aktiven der Galgo-Hilfe vor dem Tod bewahren. Aktuell tummeln sich fünf Fellnasen in der Doppelhaushälfte samt Garten: Neben den Galgo Españols Sebas (13), Giselle (5) und Jasper (2) kümmern sich Pöppings derzeit um den Magyar-Agár-Rüden Bogart (6) und die Mischlingshündin Puppi (6 Monate). Was die Tiere gemeinsam haben? Eine grausame Vergangenheit. Die Fellnasen sind aus Spanien gerettet worden. Dort werden insbesondere Windhunde massenweise für die Jagd – eine Art Volkssport in dem Land – gezüchtet. In großen Rudeln gehalten, leben die Vierbeiner teilweise „unter miserabelsten Bedingungen“, berichtet Alex Pöpping. „Und nach der Saison lassen viele Züchter die Tiere einfach verhungern oder töten sie.“ Um dann mit jüngeren Hunden wieder auf die Jagd gehen zu können. Den Tieren, die zu Pöppings kommen, ist dieses Schicksal erspart geblieben, weil sie in der Auffangstation San Anton in Villamartin gelandet sind. Dort päppelt das Team der Galgo-Hilfe die Hunde wieder auf, um sie weiterzuvermitteln – zunächst an eine ihrer Pflegestellen, dann an erfahrene Herrchen, die ihnen ein langfristiges Zuhause bieten können.

„Dog on Road“

Den Transport der Tiere übernimmt „Dog on Road“ und damit „ein erfahrenes, professionelles Team, das sich ganz toll um die Hunde kümmert“, schildern Carsten und Alex Pöpping ihre Erfahrungen. Sie selbst holen ihre Pflegetiere dann in der Nähe von Ratingen ab. „Das sind immer Überraschungspakete“, erklärt die gelernte Altenpflegerin. Aber bislang hätten sie noch nie Probleme mit einem Hund gehabt. „Wenn ein völlig traumatisiertes Tier sich plötzlich neben dich legt, mit dir schmust und dir sein Vertrauen schenkt, obwohl ihm so viel Leid widerfahren ist – das ist klasse. Für solche Momente machen wir das“, schwärmt die Seppenraderin mit Tränen in den Augen.

Liebe Tiere

Kürzlich war sie mit ihrem Mann und einigen Hunden in der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ zu Gast. „Das war super. Die Resonanz war richtig groß“, freut sich das Paar, das sich darüber aber nicht wundert: „Windhunde sind ganz liebe, ruhige und sozialverträgliche Tiere.“ Entgegen vieler Vorstellungen müssen sie „nur ein- oder zweimal die Woche richtig Gas geben können“, erklärt Carsten Pöpping und fügt grinsend hinzu: „Das sind halt Sprinter, keine Marathonläufer.“ Sie bräuchten weder öfter noch länger Auslauf als Hunde anderer Rassen. Dennoch suchen Pöppings eine eingezäunte Wiese in der Nähe, um ihre Pflegehunde ab und zu von der Leine lassen zu können. Aktuell müssen sie zu solchen Plätzen weit fahren. Wer eine Idee hat, wo Herrchen und Frauchen ihre Vierbeiner ungestört toben lassen können, kann an carsten.poepping@ yahoo.de eine E-Mail schicken. Was sonst noch fehlt? „Kotbeutel-Spender und Mülleimer gibt es hier viel zu wenig“, finden Pöppings. Dass sich darüber alle Hundebesitzer freuen würden, davon sind sie überzeugt.

Die Galgo-Hilfe

Carsten und Alex Pöpping engagieren sich im und für den Verein Galgo-Hilfe. Ihr Haus ist eine von vielen Pflegestellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Damit fungieren die Seppenrader als Vermittler: Sie nehmen Hunde – in erster Linie der Windhundrasse Galgo Español – aus Spanien auf, bis für sie ein langfristiges Zuhause gefunden wird. Weitere Infos rund um den Verein gibt’s online. 

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