Außergewöhnliches Jahr für die Feuerwehr Senden
Retter gehen an ihre Limits

Senden -

Die Feuerwehr Senden ist einige Herausforderungen ihres „Jobs“ gewöhnt. Dennoch stellte das Jahr 2019 in mancherlei Hinsicht eine Besonderheit dar: Viele Großeinsätze, bei denen es um Leib und Leben von Bewohnern ging, und ein Einsatz, bei dem n eun Kameraden selbst nach einem Säurealarm behandelt wurden.

Donnerstag, 09.01.2020, 18:24 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 20:08 Uhr
Beim Brand auf dem Hof in Ottmarsbocholt kam es zu einem Schwefelsäure-Alarm, in dessen Folge neun Feuerwehrleute medizinisch behandelt werden mussten. Foto: sff

Es sind Amateure, die eine anspruchsvolle Aufgabe professionell erledigen – zum Wohl aller. Die Feuerwehr Senden gehört deshalb zu denjenigen Ehrenamtlichen, die für ihren Einsatz besondere Anerkennung bekommen. Was sich immer wieder beispielsweise am Applaus beim Neujahrsempfang des Bürgermeisters ablesen lässt. Sebastian Täger nutzte gerade auch schon vor diesem Anlass die Gelegenheit, der Wehr zu danken. Sie blickt auf ein „außergewöhnliches Jahr“ zurück, wie Manfred Overbeck, Leiter der Feuerwehr Senden, das Einsatzgeschehen in den vergangenen zwölf Monaten zusammenfasst.

Denn nicht nur die Fülle der Einsätze, sondern ihre Schwere, das Kämpfen gegen Flammen und um das Leben von Bewohnern sowie das Ausmaß von Risiken für die Wehrmänner und -frauen selbst – in dieser Hinsicht fiel 2019 aus dem Rahmen, wenn auch nicht als einziges Jahr in der Geschichte der Sendener Feuerwehr, wie Overbeck gegenüber den WN schildert.

„Außergewöhnlich“ verlief nicht zuletzt der Brand auf dem Hof mit einer Biogasanlage in Ottmarsbocholt , zu dem am 2. Dezember insgesamt 85 Kräfte ausrückten. Ein bislang einmaliger Fall für die Wehr in Senden, dass gleich neun Einsatzkräfte in Mitleidenschaft gezogen wurden und in Kliniken gebracht werden mussten. Zwar sind die Kameraden nach einem Schwefelsäure-Alarm alle schnell wieder als gesund entlassen worden und die Feuerwehr hat den Einsatz „abgehakt“. Doch die Akten in diesem Fall sind noch nicht geschlossen. Die bisherigen Ermittlungen der Polizei seien beispielsweise auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft Münster, bestätigte Polizeisprecher Rolf Werenbeck-Ueding auf WN-Anfrage. Die Justiz muss dann entscheiden, ob weitere Verfahren eingeleitet werden.

124 Aktive in drei Löschzügen

Der Feuerwehr gehören 124 Aktive an (Senden: 54; Ottmarsbocholt 33; Bösensell 37) plus die 16-köpfige Jugendfeuerwehr. Im Gemeindegebiet zählte die Wehr 2019 insgesamt 239 Einsätze (2018: 201), davon in Senden 133, in Ottmarsbocholt 38 und in Bösensell 68. Da einige Einsätze aber von mehreren Löschzügen gefahren wurden, ergeben sich für diese folgende Einsatzzahlen: (2018/2017) LZ Senden 161 (142/115); LZ Ottmarsbocholt 49 (51/35) und LZ Bösensell 77 (55/40).

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Zu den Einsätzen, die mit einem ähnlich hohen Personalaufwand verbunden waren wie in der Dorfbauerschaft, zählte am 20. April der Brand beim landwirtschaftlichen Lohnunternehmen Große Holz in Bösensell , der erst nach 21 Stunden abgeschlossen war.

Leib und Leben der Bewohner, die durch das verqualmte Treppenhaus des Hochhochkomplexes in Sicherheit gebracht werden mussten, wurden von den Löschzügen am 22. September an der Schulze-Bremer-Straße gerettet. Ein Schauplatz, bei dem die Angehörigen der Wehren aus Senden, Ottmarsbocholt und Bösensell wiederholt bewiesen haben, wie sie auch höchst heikle Lagen bewältigen.

Bericht: Kein hauptamtliche Wehr nötig

Alle fünf bis sechs Jahre muss der Brandschutzbedarfsplan fortgeschrieben werden. Seine neueste Fassung liegt bereits im Rathaus vor und soll in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 19. März den Kommunalpolitikern vorgestellt werden. Die zentrale Aussage: In Senden brennt, was die Feuerwehr-Strukturen angeht, nichts an. Eine hauptamtliche Wehr ist nicht erforderlich.Dies gilt sowohl für die Ausstattung und Gerätehäuser (in die viel investiert wurde) als auch für die Personalstärke. Doch in Senden – wie andernorts auch – stellt es eine Herausforderung dar, die Tagesverfügbarkeit sicherzustellen. Denn längst nicht alle Angehörigen der freiwilligen Feuerwehren können an ihren Arbeitsplätzen die Griffel oder Werkzeuge fallen lassen, um ihrem Job als ehrenamtlicher Retter nachzugehen. Die Gemeinde Senden hat deshalb sechs Bedienstete, die neben ihren kommunalen Aufgaben gleichzeitig als quasi Profi-Wehrleute fungieren und bei Alarmierungen die „Hausmeisterschleife“ bilden. Doch auch hier zeichnet sich ab, dass Lücken entstehen, die durch jüngere Kollegen geschlossen werden müssen.Bürgermeister Sebastian Täger sieht keinen Grund, sich auf der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr auszuruhen: „Man muss an dem Thema immer dranbleiben.“ Deshalb werden bei Bewerbungen bei der Gemeinde beispielsweise Angehörige der Wehren bevorzugt berücksichtigt. -di-

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Ein Feuer der Kategorie vier mit Menschenleben in Gefahr – so hieß es ebenfalls am 21. November beim Brand in einem Mehrfamilienhaus am Kalverkamp.

Gute Noten bei der Auswertung durch Profis

Das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Leistungen, die die Sendener Feuerwehr erbringt, ist ausgeprägt hoch, zeigt sich immer wieder nach solchen Einsätzen. Doch auch Profis schauen den Ehrenamtlichen auf die „Finger“: Der Kreis Coesfeld überwacht, wie schnell, mit wieviel Personal und Fahrzeugen die freiwillige Feuerwehr zur Stelle ist. In maximal acht bis zehn Minuten sollen erste Kräfte am Einsatzort sein. Das Fazit: „Senden liegt ganz weit vorne im Kreis“, fasst Overbeck die Auswertung zusammen.

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