Birgit Neyer will Landrätin werden
Chefin der Kreis-Wirtschaftsförderungsgesellschaft tritt für die Grünen an, bleibt aber parteilos

Kreis Steinfurt -

Auch wenn es in den vergangenen Tagen schon ein wenig durch die Diskretion gesickert war, dürfte diese Nachricht für einiges Aufsehen sorgen: Die Grünen werden – vorbehaltlich der Zustimmung auf ihrer Kreisversammlung am 29. Januar – mit Birgit Neyer (53), der obersten Wirtschaftsförderin im Kreis Steinfurt, als Kandidatin für den Landratsposten in den Kommunalwahlkampf ziehen. Eine Personalie, die der Partei womöglich neue Perspektiven eröffnet.

Donnerstag, 09.01.2020, 18:59 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 19:06 Uhr
Der Geschäftsführerin der WESt bescheinigen auch viele Unternehmer, dass sie etwas von Wirtschaft versteht: Nun möchte Birgit Neyer beweisen, dass sie Landrätin kann. Foto: WESt

Donnerstagabend stellten die Grünen Birgit Neyer offiziell vor. „Ich habe intensive Gespräche geführt; mit den Grünen, aber auch mit anderen Parteien“, sagt die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (WESt). Dem Vernehmen nach auch mit der CDU, am Ende aber gab es mit den Grünen wohl die größte Schnittmenge. „Wir haben viele Einzelpositionen abgeklopft, haben überlegt, wie wir den Kreis effektiv stärken können und wie wir möglichst viel für den Klima- und Umweltschutz bewirken können“, so Neyer.
 
Die gebürtige Ibbenbürenerin ist parteilos und will das auch bleiben, in diesen Zeiten sicherlich eher ein Vor- als ein Nachteil. Das wissen auch die beiden Vorständler der Kreisgrünen, Dr. Michael Kösters-Kraft und Ines Brehe. „Wir haben insgesamt mit vier Persönlichkeiten gesprochen, aber uns war dann relativ schnell klar, dass Birgit Neyer die richtige Person für die Landratskandidatur ist“, sagt Kösters-Kraft. „Es hat einfach gepasst!“

Diese Berufsbiografie zeigt, wie gut aufgestellt Birgit Neyer in Wirtschaftsthemen ist.

Michael Kösters-Kraft

 
Überzeugt hat die Grünen-Kreisspitze nach eigenen Angaben „die große Wirtschaftkompetenz von Birgit Neyer, ihre Kenntnisse der aktuell wichtigsten Politikfelder sowie ihre Erfahrung bei der Personalführung“, sagt Ines Brehe. „Sie möchte mit uns in eine neue Richtung starten.“
 
Birgit Neyer hat drei Kinder und lebt in Münster – würde aber im Falle eines Wahlsieges in den Kreis Steinfurt ziehen. Nach ihrem Abitur in Ibbenbüren und einem Au-pair-Jahr in Paris studierte sie BWL in Münster, arbeitete als Abteilungsleiterin bei Karstadt in Hamburg, war in Recklinghausen als selbstständige Unternehmens- und Personalberaterin tätig, ging zurück nach Ibbenbüren und war später in Münster als Wirtschaftförderin und Wirtschaftsmediatorin beschäftigt, ehe sie 2014 WESt-Chefin wurde.
 
„Diese Berufsbiografie zeigt, wie gut aufgestellt Birgit Neyer in Wirtschaftsthemen ist“, sagt Michael Kösters-Kraft. Er glaubt, dass sie auch für konservative Kreise wählbar ist. Birgit Neyer selbst will einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Digitalisierung des Kreises legen, „da müssen wir die Chancen und Innovationen konsequent nutzen.“

Wir haben hier im Kreis eine Machermentalität.

Birgit Neyer

 
Ebenfalls enorm wichtig findet sie eine kreisweite Angleichung der Infrastruktur und eine zeitnahe Lösung von Problemen. Dazu schwebt ihr eine weitgehende Standardisierung von Aufgaben vor. Umweltgeschäftsmodelle hält Birgit Neyer für zukunftsträchtig, Unternehmergeist für fördernswert, Gründungen will sie kreisweit anschieben: „Wir haben hier im Kreis eine Machermentalität, lasst uns das nutzen und die Schwierigkeiten unserer Zeit überwinden!“
 
Michael Kösters-Kraft und Ines Brehe wollen nun kurzfristig auch mit den anderen Gruppierungen im Kreis sprechen, vor allem mit der SPD. Deren Kreisvorsitzender Jürgen Coße zeigte sich am Donnerstag etwas irritiert darüber, dass die Grünen sich jetzt auf eine Kandidatin festgelegt haben, obwohl eigentlich vereinbart worden war, dass man im Vorfeld miteinander rede. Es sei, so Coße, sehr wahrscheinlich, dass man ebenfalls einen eigenen Kandidaten aufstellen werde. Dem Vernehmen nach hat die Kreispartei auch schon jemanden im Auge. Er soll aus der Kreispolitik und dem östlichen Kreisgebiet stammen. Darauf angesprochen, wollte Coße dazu allerdings keinen Kommentar abgeben.

Kommentar: Diese Personalie hat Charme

Ohne Zweifel: Mit der Chefin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (WEst), Birgit Neyer, als potenzieller Landratskandidatin ist den Grünen ein echter Coup gelungen. Neyer führt die WEst nach allem was man hört auf moderne Art und Weise und weiß, welche (Wirtschafts-)Politikfelder zukunftsrelevant sind.
 
Aber nicht nur deshalb hat diese Personalie Charme: Birgit Neyer hat als oberste Wirtschaftsförderin des Kreises hinlänglich bewiesen, dass sie innovative Ideen entwickeln und Personalführung kann. Dass sie qua Job bestens mit der Wirtschaft im Kreis vernetzt ist, könnte ihr auch als grüne Kandidatin ein Wählerpotenzial erschließen, das der Ökopartei traditionell eher skeptisch gegenübersteht. Zumal Birgit Neyer parteilos ist und das auch bleiben will. Und dass mit ihr eine Frau zur Wahl steht, darf in unserer heutigen Zeit ebenfalls als Positivum verbucht werden.
 
Spannend dürfte auch die Frage sein, wie die anderen politischen Gruppierungen mit der Kandidatin Neyer umgehen werden. Ob sich etwa die SPD im Falle einer Stichwahl zwischen dem CDU-Kandidaten und Neyer auf Neyers Seite schlägt.
 
Interessanter Nebenaspekt: Sollte Kreisdirektor Dr. Martin Sommer sich doch noch im unionsinternen Rennen um die Kandidatur gegen Mathias Krümpel durchsetzen, würde es zwischen ihm und Neyer quasi ein hausinternes Duell geben (rechnet man die WEst mal großzügig zur Kreisverwaltung hinzu). Gut denkbar, dass es in diesem Fall einen zugespitzten Wahlkampf geben wird. Martin Sommer wird während des Wahlkampfs nach Klaus Effings Weggang nach Köln vermutlich kommissarischer Landrat sein – und in dieser Zeit sicher professionell und fair mit Birgit Neyer zusammenarbeiten.
 
Fest steht: Mit Birgit Neyer erwächst dem CDU-Kandidaten, wer auch immer das sein wird, eine ernstzunehmende Konkurrentin. Freuen wir uns auf einen spannenden Wahlkampf! | (Michael Hagel)

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