Hilfe aus dem Münsterland noch sichtbar
Zehn Jahre nach dem Erdbeben auf Haiti: Helfer sind noch immer vor Ort

Münsterland -

Als vor zehn Jahren ein besonders schweres Erdbeben Haiti erschütterte, gab es eine weltweite Solidarität. Auch an dem Münsterland eilten Helfer ins Einsatzgebiet – und sind dort zum Teil bis heute aktiv.

Freitag, 10.01.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2020, 00:43 Uhr
Im Fußballstadion richtete das DRK seinerzeit das größte Hospital ein – ein riesiges Zeltkrankenhaus. Foto: DRK

Zehn Jahre ist es nun her: Am 12. Januar 2010 wurde Haiti von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Die exakten Opferzahlen konnten bis heute nicht ermittelt werden. In den Monaten nach dem Beben bewegten sich die Schätzungen der verschiedenen Organisationen zwischen 220 000 und einer halben Million Todesopfern. Was folgte war eine weltweite Welle der Solidarität, auch in Münster und Umgebung. So spendeten die Leser unserer Zeitung in einer kurzfristig gestarteten Spendenaktion 860 000 Euro

Einer, der damals direkt vor Ort war, ist Joachim Gardemann, Professor für Humanbiologie sowie humanitäre Hilfe am Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe der Fachhochschule Münster. „Es sind oft nicht die hohen Opferzahlen, die den stärksten Eindruck hinterlassen, es sind einzelne Gesichter und Bilder“, erinnert er sich an seinen Einsatz vor zehn Jahren. „So die unmäßig großen Ratten, die besonders abends überall zu sehen waren“, schreibt er unter anderem in seinem „Büchlein zur humanitären Hilfe“, wie er selbst sagt. „Oder die große Glocke der Kathedrale, die heruntergestürzt war und sich fast zur Hälfte in den Asphalt der Straße gebohrt hatte. Besonders aber die absurde Ruine des Präsidentenpalastes mit seinen zwei Kuppeln, die nicht zerfallen waren, sondern wie zwei geköpfte Eier nun schräg auf den Resten des einst prächtigsten Gebäudes der Hauptstadt Port-au-Prince ruhten.“

Fehlende medizinische Grundversorgung

Gardemann hat als Teil eines DRK-Teams das größte Hospital, ein Zeltkrankenhaus im Fußballstadium in Haiti, mit aufgebaut. „Neben der Versorgung der zahllosen Erdbebenopfer stellten für uns die Auswirkungen der fehlenden medizinischen Grundversorgung vor der Katastrophe eine Herausforderung dar. Sofort nach unserer Ankunft wurden wir bestürmt von Menschen, die schon seit Monaten und Jahren an chronischen Erkrankungen, Infektionen und den Folgen der Mangel- und Fehlernährung litten und sich endlich Hilfe erhofften.“

Auch ein deutsches Nothilfe-Team der Malteser war im Januar 2010 schon 48 Stunden nach der apokalyptischen Katastrophe über Santo Domingo nach Port-au-Prince aufgebrochen und nahm im teilweise zerstörten Krankenhaus Hl. Franz von Sales die Arbeit auf. Über der Stadt lag Leichengeruch. Teilweise blieb als Hilfsmaßnahme nur die Amputation von Gliedmaßen.

 Lichtblicke nach der Katastrophe

Es gibt aber auch Lichtblicke. So konnte der Verein „Help a Child“, der sich sehr intensiv und auf mehreren Ebenen in Haiti, bis hin zur Auslandsadoption von Kindern, engagiert, gemeinsam mit einem Schweizer Förderverein erreichen, dass das Kinderheim „Maison des ­Anges“ vom öffentlichen Stromnetz und seinem Dieselgenerator unabhängig wurde. „Vor allem in Zeiten wie in den vergangenen Wochen, in denen teilweise über Wochen kein Diesel in Haiti verfügbar war beziehungsweise die Schwarzmarktpreise in die Höhe schnellen, erschien uns dies enorm wichtig. Denn ohne Strom ist die Versorgung der rund 100 Kinder und rund 70 Angestellten im Kinderheim kaum möglich“, berichtet der Verein.

Im November erhielten die Organisatoren in Deutschland die tolle Nachricht, dass das Kinderheim erstmals vollständig vom öffentlichen Stromnetz genommen werden konnte und eigenständig und ausschließlich durch eine Solaranlage betrieben wurde. Um langfristig eine geplante, komplett autarke Versorgung gewährleisten zu können, müssten allerdings noch zwei weitere Akkus besorgt werden.

Politisch wie wirtschaftlich muss in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre noch viel passieren, bis so etwas Ähnliches wie Normalität eintreten kann. Bis heute sind die Malteser sowie das DRK in Haiti aktiv. Nicht zuletzt, weil politische Unruhen und Wirbelstürme das Land immer wieder aufs Neue zurückwerfen.

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