Coronavirus trifft Unternehmen vor Ort
Boss aus China kommt nicht

WArendorf / Westkirchen -

„Das Coronavirus ist bei uns jeden Tag Gesprächsthema. Wir haben zurzeit ein Küchen-Großprojekt in Hongkong“, berichtet Stefan Hofmeier, Geschäftsführer von Warendorf, die Küche. Noch sei die Produktion in Warendorf durch das Coronavirus nicht ins Stocken geraten. Doch Hofmeier blickt mit unguten Gefühlen nach Hongkong. Das größte Problem: Arbeiter für das Großprojekt in Hongkong zu bekommen.

Donnerstag, 06.02.2020, 00:00 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 09:58 Uhr
Das Coronavirus beschäftigt sowohl die Küche Warendorf Küchenfabrik GmbH wie auch Ursula Farmulaks Unternehmen NordEmaille (kl. Bild). Foto:  Warendorf, die Küche; Joke Brocker

Warendorf, die Küche GmbH reagiert auf die weltweite Ausbreitung des Coronavirus und hat ihre Reisen nach China und Hongkong eingestellt. Für kommende Woche war ein Besuch des Investors aus Hongkong im Warendorfer Werk geplant. Der Besuch wurde gestrichen. Zu groß sei die Gefahr einer möglichen Ansteckung. „Das Coronavirus ist bei uns jeden Tag Gesprächsthema. Wir haben zurzeit ein Küchen-Großprojekt in Hongkong“, berichtet Geschäftsführer Stefan Hofmeier. Noch sei die Produktion in Warendorf durch das Coronavirus nicht ins Stocken geraten. Doch Hofmeier blickt mit unguten Gefühlen nach Hongkong. Das größte Problem: Arbeiter für das Großprojekt in Hongkong zu bekommen.

Denn die Finanzmetropole riegelt einen Großteil der Grenzübergänge zum chinesischen Festland ab, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

In der Auslieferung sieht der Geschäftsführer zurzeit noch keine Probleme. „Das ist ja Material.“ Von erkrankten Mitarbeitern weiß Hofmeier nichts. Und die Produktion in Warendorf laufe (noch) nach Plan.

Das könne sich jedoch ändern, je länger die Sicherheitsmaßnahmen in Hongkong andauerten. Dann würde es auch zu Verzögerungen in der Projektabwicklung kommen. „Wir alle hoffen, dass die Maßnahmen nur vorübergehend sind. Sollten sie sich über Monate hinziehen, ist unser operatives Geschäft betroffen.“

 

 

 

 

Szenenwechsel: Das Chinesische Neujahrsfest hat Ursula Hak-Farmulak, Inhaberin der Firma NordEmaille in Westkirchen, stets im Blick, wenn sie Vereine berät, die bei ihr (Karnevals-)Orden, Medaillen, Krawattennadeln, Manschettenknöpfe, Schlüsselanhänger, Chips für Waschstraßen oder Pins bestellen. Zu den aus ganz Deutschland stammenden Kunden der Westkirchenerin gehören unter anderem die WSU, die Mitglieder der Freckenhorster Karnevalsgesellschaft Silber-Blau und der Krüßing-Arbeitskreis, der die begehrten Krüßing-Pins von Uschi Farmulak entwerfen lässt. Vor allem die Karnevalsvereine wissen, dass sie mit Blick auf das Neujahrsfest, das in China mit einem 14-tägigen Urlaub einhergeht, rechtzeitig Orden und Pins bestellen müssen, wenn die Tollitäten während der närrischen Sitzung nicht mit leeren Händen dastehen sollen.

Bisher sei es allerdings nie ein Problem gewesen, auch Spätzünder noch rechtzeitig mit Orden und Pins made in China zu versorgen, erzählt Farmulak. Sie arbeite mit FedEx, dem amerikanischen Kurier- und Logistikunternehmen. Da sei die bestellte Ware normalerweise nach zwei bis drei Tagen in Westkirchen. Doch seit der rasanten Ausbreitung des Coronavirus hat sich das schlagartig geändert. Die Firma, die Farmulaks Entwürfe umsetzt, hat ihren Sitz in der südlich von Shanghai gelegenen Provinz Guangdong und die Arbeit vorübergehend eingestellt. Lediglich die Damen der Verwaltung arbeiteten von Zuhause aus. Über E-Mails hat Farmulak erfahren, dass alle Mitarbeiter des Unternehmens gesund sind.

Gleichwohl werde die Produktion erst am kommenden Montag wieder aufgenommen. Zu spät für einen Karnevalsverein, der auf den letzten Drücker Pins bestellt hatte und diese normalerweise am Weiberfastnachtstag, 17. Februar, bekommen hätte. Doch dann lief alles schief. Beim Hersteller in China ging erst der Auftrag verschütt, und dann herrschte der Corona-bedingte Ausnahmezustand. „In vier Tagen ist das nicht zu schaffen“, bedauert Farmulak, dass die Karnevalisten nun ohne Pins dastehen werden.

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