Belastung des Grundwassers – Thema nicht nur für Landwirte
„Tatsächliche Ursachen benennen“

Senden -

Mit den Herausforderungen durch die Wasserrahmenrichtlinie beschäftigten sich Angehörige aller drei landwirtschaftlichen Ortsverbände. Als Experte von der Kammer betonte Werner Schmitz, dass – entgegen der Schlagzeilen – nicht Nitrat Probleme bereitet, sondern Phosphor.

Donnerstag, 06.02.2020, 14:12 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 18:44 Uhr
Mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie setzten sich am Dienstagabend die drei Landwirtschaftlichen Ortsverbände Senden, Bösensell und Ottmarsbocholt auseinander. Foto: Ulrich Reismann

„Ein Messwert und die Beurteilung durch den Menschen – das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Und darin liegt das Problem.“ So stellte Landwirt Josef Schulze Mönking seine Sicht der Dinge dar, als sich die drei Landwirtschaftlichen Ortsverbände Senden, Bösensell und Ottmarsbocholt bei „Niemeyers 1886“ auf einer Informationsveranstaltung mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie auseinandersetzten.

Für Werner Schmitz, der sich bei der Landwirtschaftskammer NRW als ein Spezialist für Fragen der Gewässerbelastung einen Namen gemacht hat und aus Köln angereist war, liegt das Problem gar nicht beim Nitrat – auch wenn das momentan die Schlagzeilen beherrscht – sondern vielmehr beim Phosphor. Und dabei drohten der Landwirtschaft langfristig noch weitaus einschneidendere Konsequenzen als nur eine Reduzierung der Düngung. Nämlich ein generelles Ackerbauverbot. „Deshalb ist es so wichtig, die tatsächlichen Ursachen genau herauszuarbeiten und zu benennen“, sagte Schmitz.

Das Gros kommt aus den kommunalen Klärwerken und den vielen Kleinkläranlagen.

Werner Schmitz über die Grundwasserbelastung

Bei extrem starken Regenfällen könne es „kurzzeitig“ einen Ablauf von Nährstoffen vom Acker in angrenzende Bäche geben, das sei gar nicht von der Hand zu weisen. Aber: „Das Gros kommt – übers ganze Jahr gesehen – aus den kommunalen Klärwerken und insbesondere den vielen Kleinkläranlagen in den Außenbereichen. Und nicht aus der landwirtschaftlichen Düngung.“ Hierfür typisch sei, dass die Phosphor-Konzentration an den amtlichen Messstellen „eine fast gleichbleibende Höhe aufweist, und das auch dann, als es längere Zeit überhaupt nicht geregnet hat“, berichtete der Referent. Die Messergebnisse müssten also hinterfragt und diskutiert werden. „Stickstoff und Phosphor herauszuholen, das hat eine Kleinkläranlage noch nie gekonnt“, gab er zu bedenken. Und jeder Mensch gebe jeden Tag 2,4 Gramm Phosphor über die Toilette ab. Deshalb sei es für eine objektive Betrachtung erforderlich, „diese Ursache in den Fokus zu rücken“. Finde man Koffein oder Zuckerersatzstoffe wie in Cola-Light in einer Wasserprobe, so sei das „immer ein Hinweis darauf, dass hier Abwasser mit drin ist“.

Spartasten an Toilettenspülungen würden das Problem noch verschärfen, weil sie die Wassermenge um mehr als die Hälfte reduziert hätten, der Input jedoch gleich geblieben sei. „Was passiert? Ich habe die Phosphor-Konzentration um 100 Prozent erhöht.“ Und gemessen werde immer die Konzentration. So sei es zu erklären, „dass der Messwert an einigen Stellen alleine wegen des Wassersparens über den Grenzwert gekommen ist.“ Aus der Versammlung heraus kam dann die Schlussfolgerung: „Also die Toilettenspülung lieber zweimal drücken“.

Nitratwerte in Senden „als gut bewertet“

Beim Nitrat werde das Wasser in Senden „als gut bewertet“, was sich im Rahmen einer aktuellen Neubewertung bestätigt habe. Diese Ergebnisse werden nach Angaben von Schmitz in den nächsten Wochen an „runden Tischen“ diskutiert, welche die Bezirksregierung im Zuge der Fortschreibung der Wasserrahmenrichtlinie einberuft. Auch wenn beim Nitrat alles „im grünen Bereich“ sei, so werde aber trotzdem unentwegt nach Wegen gesucht, den Ackerbau „weiter zu optimieren“, betonte der Fachmann abschließend.

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