Sozialausschuss empfiehlt 10 000 Euro Investitionskostenzuschuss
Ärzte auch mit Geld anlocken

Gronau -

In ihren Bemühungen, die hausärztliche Versorgung der Bürger zu verbessern oder zumindest stabil zu halten, ist die Stadt Gronau einen Schritt vorangekommen. Am Mittwoch passierte die „Richtlinie der Stadt Gronau über die Stärkung der ambulanten medizinischen Versorgung“ den ersten Fachausschuss.

Freitag, 07.02.2020, 07:46 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 07:50 Uhr
Die Zeiten, in denen der Landarzt noch großflächig Hausbesuche machte, sind wohl weitestgehend vorbei. Wie man im ländlichen Raum trotzdem eine hausärztliche Versorgung aufrecht erhalten kann, darüber macht sich zurzeit die Gronauer Politik so ihre Gedanken. Foto: dpa

In ihren Bemühungen, die hausärztliche Versorgung der Bürger zu verbessern oder zumindest stabil zu halten, ist die Stadt Gronau einen Schritt vorangekommen. Am Mittwoch passierte die „Richtlinie der Stadt Gronau über die Stärkung der ambulanten medizinischen Versorgung“ den ersten Fachausschuss. Dabei packten die Mitglieder des Sozialausschusses noch mal 25 Prozent auf den ursprünglich vorgesehenen Betrag drauf, die Ärzte bekommen sollen, wenn sie sich in Gronau niederlassen.

Der ursprüngliche Betrag, das sind 7500 Euro. Diesen Investitionszuschuss sollen Ärztinnen und Ärzte von der Stadt bekommen, wenn sie in der Stadt eine Praxis eröffnen und mindestens fünf Jahre lang vor Ort praktizieren. Brechen die Mediziner ihre Zelte früher wieder ab, müssen sie das Geld (anteilig) zurückzahlen.

Matthias Wittland (SPD) merkte an, dass ein Arzt mit 7500 Euro nicht mal die EDV-Ausstattung einer Praxis bezahlen könnte. Auch andere Ausschussmitglieder – darunter Burkhard John (CDU) und Erich Schwartze (FDP) – pflichteten ihm bei, dass die Summe doch recht niedrig angesetzt sei. Schwartze beantragte denn auch eine Erhöhung auf 10 000 Euro, die später einstimmig beschlossen wurde. Wittland zählte eine Reihe weiterer Unterstützungsmaßnahmen für ansiedlungswillige Ärzte auf, darunter städtische Hilfe bei der Suche nach einer Immobilie, einem Arbeitsplatz für den Partner und der Organisation einer Kinderbetreuung.

Erste Beigeordnete Sandra Cichon betonte, dass man sich auch bei der Stadtverwaltung darüber im Klaren sei, dass die Fördersumme nicht gerade üppig ist. Das sei aber auch bewusst so geschehen, denn aus anderen Kommunen wisse man, dass eine hohe ausgelobte Summe auch dazu führen kann, dass Ärzte nur für den Mindestzeitraum in die Stadt kommen. „Aber wir wollen ja langfristige Lösungen“, sagte Cichon. Auch betonte sie, dass der Investitionszuschuss nur ein Baustein von vielen sei.

Öffentlich-rechtlicher Vertrag

Die Stadt Gronau kann auch jetzt schon Ärztinnen und Ärzten einen Zuschuss gewähren, wenn sie in Gronau eine Praxis eröffnen. Dieser muss aber jeweils erst beim Haupt- und Finanzausschuss beantragt werden. Durch die neue Richtlinie kann der Bürgermeister über die Förderung entscheiden und mit den Ärzten einen öffentlich-rechtlichen Vertrag abschließen. Der Arzt erhält die Fördersumme, wenn er in Gronau eine Praxis eröffnet und mindestens fünf Jahre lang betreibt. Der Vertragsentwurf sieht vor, dass die Tätigkeit in Vollzeit zu erbringen ist. Teilzeitarbeit wäre für die Ärztin/den Arzt nur möglich, wenn aus sozialen, gesundheitlichen oder familiären Gründen eine besondere Härte vorläge. Würde der Arzt die Praxis vor dem Ablauf der fünf Jahre wieder schließen, müsste er für jeden fehlenden Monat rund 167 Euro (ein Sechzigstel der Fördersumme) zurückzahlen.

...

Cichon skizzierte, dass die Stadtverwaltung seit dem vergangenen Jahr mit der Unternehmensberatung Valetudo GmbH zusammenarbeite. Gemeinsam mit den Beratern und den in Gronau ansässigen Ärzten, darunter auch die Chefärzte der beiden Krankenhäuser, fänden regelmäßige Treffen statt. In diesen Arbeitstreffen gehe es unter anderem darum, einen Weiterbildungsverbund für Ärzte zu organisieren. Außerdem suche man nach einem Konzept, „wie auch immer geartete, größere Arztpraxen“ in Gronau einzurichten. Auch die Wirtschaftsförderung sei in die Verwaltungsarbeit eingebunden. Cichon erwähnte auch, dass sich jüngst eine neue Ärztin in Gronau angesiedelt habe, die bereits einen Investitionszuschuss erhalten habe.

Daraufhin monierte Matthias Wittland, dass die Verwaltung in der Sitzungsvorlage nicht ausreichend über die weiteren Bausteine informiert habe. In Zukunft wünsche er sich hier mehr Informationen, nicht zuletzt als Grundlage für die Vorbereitung der Ausschusssitzungen.

Angesichts der Erhöhung der Fördersumme von 7500 auf 10 000 Euro flammte noch eine kurze Diskussion auf, ob man deshalb auch das Jahresbudget von derzeit 100 000 Euro erhöhen müsse. Das wurde in den Haushalt für die konzeptionelle Arbeit und die Förderung neuer Arztpraxen eingestellt. Mit dieser Summe werde man aber trotz der erhöhten Fördersumme auskommen, so die Einschätzung von Sandra Cichon. Es sei ja nicht damit zu rechnen, dass sich nun scharenweise neue Ärzte in Gronau melden würden.

Nachrichten-Ticker