Konjunkturumfrage der IHK Nord Westfalen
„Der feste Boden ist erreicht“

Münster -

Die Wirtschaft schwächelt – auch im Münsterland. Doch der Boden ist erreicht. Die IHK Nord-Westfalen hat die Lage von 500 Unternehmen der Region bewerten lassen.

Freitag, 07.02.2020, 15:20 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 15:31 Uhr
Der Export der münsterländischen Unternehmen schwächelt. Foto: Roland Weihrauch

Keine schwere Wirtschaftskrise zu befürchten, aber eine zweigeteilte Konjunktur mit einem starken Binnenmarkt und einer Flaute im Industrie- und Exportsektor – so hat Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, die aktuelle Lage in der Region am Freitag charakterisiert. „Konjunkturelle Bodenbildung“ nannte Jaeckel das, was sich in der Umfrage der IHK bei 500 Unternehmen als stabiler Konjunkturklima-Indikator zeigt.

Während sich in der Industrie die positiven und negativen Meldungen zur Geschäftslage gerade einmal die Waage halten, hat sich die Stimmung in der Baubranche sogar noch verbessert. Allerdings richtete sich die Erwartungshaltung in vielen Wirtschaftszweigen wieder aufwärts. „Der feste Boden ist erreicht“, sagte Jaeckel, betonte aber dennoch: „Für die nächsten Monate rechnen zwar mehr als zwei Drittel der Unternehmen mit einem gleichbleibenden Konjunkturverlauf – der Anteil der Optimisten sinkt aber auf ein langjähriges Tief.“

Eine gute Nachricht: Der IHK-Hauptgeschäftsführer kann die Corona-Panik mancher Wirtschaftsexperten – zumindest für die Region – relativieren. Im IHK-Bezirk, also im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region, seien die Corona-Folgen deutlich geringer als in anderen Teilen Deutschlands: Nur 280 Unternehmen aus der Region stünden mit China in Import- oder Exportbeziehungen und nur 25 hätten dort Tochterfirmen, berichtete der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Die Region ist dort unterrepräsentiert“, so Jaeckel weiter. Insgesamt ist China seit einigen Jahren Deutschlands größter Handelspartner.

Doch Jaeckel sieht, ebenso wie viele Unternehmen aus dem Münsterland, andere Risiken für die wirtschaftliche Zukunft: Größte Sorge der Betriebe ist nach wie vor der extreme Fachkräftemangel. Doch kaum weniger beängstigend sind aus Firmensicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Die hohe Bürokratiekosten, die Klimapolitik der Bundesregierung, aber auch der unberechenbare Kurs des amerikanischen Präsidenten wurden von den Unternehmen als größte Belastungsfaktoren genannt. Vor allem die Industrie hat Probleme. „Dass sich hier die Sorgen kurzfristig verflüchtigen, erwarte ich nicht“, malte Jaeckel ein düsteres Zukunftsbild.

Den zurzeit positiven Trend an den Börsen kann der IHK-Hauptgeschäftsführer nicht nachvollziehen. „Mich hat die letzte Rede Donald Trumps aufgeschreckt“, so Jaeckel. Der US-Präsident weise immer wieder auf das hohe Handelsdefizit mit China und Europa hin. „Der könnte sich schon bald Europa vorknöpfen.“

Nachrichten-Ticker