Bewährungsstrafe für Unfallverursacher
Folgenschwerer Unfall unter Drogen

Nottuln -

Der schwere Unfall, der sich Anfang April 2019 auf der Umgehungsstraße ereignete, war für das Opfer, eine 54-jährige Frau aus Gescher, mit einem Martyrium verbunden. Der Unfallverursacher aus Coesfeld wurde jetzt verurteilt.

Dienstag, 11.02.2020, 19:06 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 19:24 Uhr
Vor dem Amtsgericht Coesfeld wurde der schwere Unfall verhandelt. Foto: Dieter Klein

Noch heute leidet die 54-Jährige aus Gescher unter den Folgen des schweren Verkehrsunfalls, der sich am frühen Morgen des 3. April 2019 auf der Ortsumgehung Nottuln (B 525) im Bereich zwischen den Kreuzungen Havixbecker Straße (L 874) und Schapdettener Straße (L 843) ereignet hat.

Der Unfallverursacher, ein 39-jähriger Coesfelder, ist am Dienstag wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung, Führerscheinentzug für zwei Jahre und einer Geldstrafe von 1300 Euro verurteilt worden. Die Bewährungszeit ist auf drei Jahre festgesetzt worden.

Der Angeklagte war damals unter erheblichem Drogeneinfluss auf der B 525 in Richtung Darup unterwegs, als er mit seinem Auto auf die Gegenfahrbahn geriet und mit dem entgegenkommenden Wagen der Frau aus Gescher kollidierte. Der leichtere Wagen der Frau wurde auf die Leitplanke geschleudert, der Wagen des Mannes kam auf der Fahrbahn zum Stillstand. Die Frau wurde mit schweren Verletzungen – mehreren Knochenbrüchen und einer Bauchverletzung – mit ei­nem Rettungshubschrauber in die Uniklinik Münster gebracht, wo sie innerhalb von zwei Wochen sieben Mal operiert werden musste. Die 54-Jährige ist seit dem Unfall arbeitsunfähig.

Der Angeklagte entschuldigte sich in der Verhandlung beim Unfallopfer für dessen erlittenes Martyrium. Die Frau selbst hatte an den Unfall keine Erinnerung. Sie konnte sich nur noch den Moment ins Gedächtnis rufen, in dem ihr zwei Scheinwerfer auf ihrer Fahrbahn entgegenkamen. „Das war‘s jetzt“, habe sie gedacht. Eine Autofahrerin, die unmittelbar vor ihr unterwegs war, konnte dem Falschfahrer noch ausweichen.

Der Angeklagte sei in Schlangenlinien gefahren, sagte ein anderer Zeuge, der vor dem Unfallverursacher fuhr, in der Verhandlung aus. „Es war vorhersehbar, dass es scheppern würde.“

Der Beschuldigte, der sich von Beginn an geständig zeigte, sagte aus, dass er sich vor Antritt der Fahrt von Münster nach Coesfeld „fit“ gefühlt habe. Er habe immerhin auch noch einen defekten Reifen am Auto gewechselt. Tags zuvor habe er Drogen konsumiert, räumte er ein. Der Richter hielt ihm vor, dass das Blutbild eine deutliche Sprache gesprochen habe. Der toxikologische Bericht weise Kokain, Amphetamine, Methadon und Schlafmittel aus.

Der Angeklagte räumte ein, ein Drogenproblem gehabt zu haben. Nach dem Verkehrsunfall habe er aber eine Entzugstherapie erfolgreich absolviert und arbeite auch wieder auf dem Bau. An die Autofahrt unmittelbar vor dem Unfall habe er keine Erinnerung. Sein Verteidiger plädierte für eine milde Strafe. Er führte auch ins Feld, dass es dem Unfallopfer nicht helfen würde, welche Strafe sein Mandant bekomme. Dieser könne die Unfallfolgen leider nicht mehr rückgängig machen.

Die Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Nebenklage hatten eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung gefordert.

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