Prozess wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung
Beckumer steht vor Gericht: Freundin in Wohnung festgehalten?

Ahlen -

Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Vergewaltigung lauten die Anklagepunkte, für die sich seit Dienstag ein 33-jähriger Beckumer vor dem Ahlener Schöffengericht verantworten muss.

Dienstag, 03.03.2020, 15:56 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 16:44 Uhr
Ein 33-jähriger Beckumer muss sich seit Dienstag vor dem Ahlener Schöffengericht verantworten. Er soll eine 20-jährige frühere Freundin misshandelt haben. Foto: Peter Schniederjürgen

Schweren Vorwürfen steht seit Dienstag ein 33-jähriger Beckumer vor dem Schöffengericht in Ahlen gegenüber. Die Anklage lautet auf Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Vergewaltigung.

Der Mann soll seine damalige Freundin im Januar 2018 in seiner Ahlener Wohnung gegen ihren Willen über längere Zeit festgehalten und mehrfach körperlich angegriffen zu haben. Dabei zog sich die junge Frau laut Anklageschrift des Staatsanwaltes ein defektes Trommelfell und mehrere Prellungen im Gesicht, an der Brust und auf dem Rücken sowie an den Beinen zu. „Außerdem haben Sie gegen den erkennbaren Willen den Beischlaf ausgeführt und Ihr Opfer mehrfach bis zur Ohnmacht gewürgt“, trug der Staatsanwalt vor.

Bereits im Februar 2019 verhandelte das Ahlener Schöffengericht gegen den arbeitslosen Beckumer. Der wollte sich diesmal zu den Vorwürfen nicht äußern. Die 20-jährige Geschädigte und Nebenklägerin wurde gleich zum Prozessbeginn vernommen. „Es werden sehr intime Details besprochen, darum bitte ich um den Ausschluss der Öffentlichkeit“, beantrage der Verteidiger.

Mehrere tätliche Angriffe

Erst mit der Befragung der ersten Zeugin durften die Zuhörer wieder den Gerichtssaal betreten. Die Ex-Freundin des Angeklagten machte allerdings nur verworrene Aussagen. Sie haben ihn als Freund ihrer Mutter kennengelernt. „Später hat er meine Mutter verlassen und ist zu mir gekommen“, erklärte die heute 21-Jährige. Über Jahre hinweg habe sich ein unterschiedlich intensives Verhältnis mit dem Angeklagten entwickelt. „Dabei ist es auch bei mir zu mehren tätlichen Angriffen gekommen“, berichtete die Verkäuferin.

Der Mann neige zum Ausrasten und damit zu Schlägen – manchmal aus Eifersucht, oft aber auch „einfach so“. Mit der Geschädigten habe sie nach der ersten Verhandlung gegen den 33-Jährigen im Februar 2019 Kontakt bekommen. Daraus habe sich eine sehr vertrauensvolle Bekanntschaft entwickelt. „Sie sagte mit Dinge, die sie hier nicht sagen will. Aber die will ich natürlich auch nicht verraten“, erklärte die junge Frau. Daraufhin wurde sie auf ihre Aussagepflicht hingewiesen. Schließlich sprach sie von den Würgeattacken und Schlägen.

Auf Chatkontakt positiv reagiert

„Er wusste genau, wie lange er würgen konnte, ohne sein Opfer zu gefährden“, machte die Zeugin deutlich. Der Verteidiger hakte nach: „Woher soll mein Mandant das denn wissen?“ Spontan kam der Satz: „Der weiß alles, der ist voll krank“, so die Zeugin.

So wollte das Gericht Näheres über das Verhältnis der Zeugin zur Geschädigten wissen. Die gab an, die Geschädigte habe auf den ersten Chatkontakt positiv reagiert. In vielen Gesprächen und Chats sei die Beziehung zu dem Angeklagten thematisiert worden. Dabei sei immer wieder von gewalttätigen Übergriffen die Rede gewesen. „Sie ist ohnehin der Ansicht, dass ich die Einzige hier bin, die ihr glaubt.“

Das Gericht rechnet mit mehreren Verhandlungstagen. Der Prozess am 19. März fortgesetzt.

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