Rastplätze sind oft geschlossen
Auswirkungen der Corona-Krise auf Lkw-Fahrer

Ladbergen -

Toiletten gesperrt. Duschen sowieso. Selbst Händewaschen ist für viele Lkw-Fahrer gerade ein Problem. Ein Spediteur aus Ladbergen will den Fahren aus der Patsche helfen.

Mittwoch, 01.04.2020, 06:45 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 06:49 Uhr
Joachim Fehrenkötter hält die Sanitäranlagen auf seinem Betriebsgelände auch für unternehmensfremde Fernfahrer offen. Foto: privat

Was tun, wenn die Situation im Wortsinn zu eskalieren droht? Wohin, wenn die Not groß, aber eine Lösung des Problems lange nicht in Sicht ist? Vielleicht ist gerade in Krisenzeiten der Hinweis auf die zweifellos vorhandenen Missstände geboten. Das glaubt jedenfalls Joachim Fehrenkötter – von Berufs wegen und aus seiner moralischen Überzeugung heraus.

Der Speditionskaufmann mit Firmensitz in Ladbergen weiß aus eigener Erfahrung und aus der Schilderung zahlreicher Berufskolleginnen und Kollegen über die zunehmende Not – nicht nur in Zeiten der Corona: „Das ist nicht mehr menschenwürdig“, sagt Fehrenkötter und meint die pandemiebedingte Schließung zahlreicher sanitärer Einrichtungen an Autobahnen und Bundesstraßen. Die Angst vor dem Virus auf der einen lässt mitunter die Not größer werden auf der anderen Seite.

Fehlende Stellplätze

„Hygiene, insbesondere regelmäßiges Händewaschen, ist das Gebot der Stunde“, sagt Fehrenkötter. Doch weil einige Autohöfe und Verlader ihre sanitären Einrichtungen schließen, hätten Lkw-Fahrerinnen und Fahrer derzeit unterwegs oftmals keinen Zugang mehr zu den einfachsten Hygienemaßnahmen. Experten weisen einen nahezu konstanten Anteil von Frauen im Berufskraftfahrer-Gewerbe in Höhe von 1,8 Prozent aus. Fehrenkötter: „Männer haben es ja ohnehin etwas leichter.“

Das droht bei Verstößen gegen die Corona-Verordnungen

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  • Bei Zusammenkünften von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit, die nicht direkt verwandt sind, werden 200 Euro von jedem Beteiligten fällig.

    Bei Zusammenkünften von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit, die nicht direkt verwandt sind, werden 200 Euro von jedem Beteiligten fällig.

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  • Der Verzehr von Außer-Haus-Speisen näher als 50 Meter am Restaurant oder Imbiss kostet 200 Euro.

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  • Verstöße gegen das Besuchsverbot in Krankenhäusern und Altenheimen kosten 200 Euro.

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  • Wer die Hygiene-Vorkehrungen bei einer Beerdigung nicht einhält oder den Mindestabstand von 1,5 Meter bricht, zahlt 200 Euro.

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  • Verbotenes Picknicken oder Grillen kostet 250 Euro pro Teilnehmer.

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  • Wer trotz Verbots Sportveranstaltungen organisiert, zahlt 1000 Euro.

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  • Wer ein Restaurant weiterhin betreibt, muss 4000 Euro zahlen.

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  • Für das Betreiben einer Bar, Diskothek oder eines Fitnessstudios werden 5000 Euro fällig.

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  • Öffentliche Ansammlungen von mehr als zehn Menschen werden als Straftat angesehen und mit Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet.

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  • Für die Teilnahme an einer nicht gestatteten Veranstaltung werden 400 Euro verhängt.

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Erschwert wird die Problematik auch durch die ohnehin fehlenden Stellplätze: „Nicht jeder Rastplatz hat eine Toilette, geschweige denn einen Duschraum. Und: Sie brauchen zu den weniger vorhandenen und geöffneten sanitären Anlagen natürlich auch einen Stellplatz für die Lkw“, betont Fehrenkötter.

Der Inhaber einer Spedition hat nun selbst die Initiative ergriffen und hält seine Sanitäranlagen auf dem Betriebsgelände in Ladbergen für die eigenen Mitarbeiter auch für fremde Fernfahrer nicht nur offen, sondern informiert darüber auch im Netzwerk DocStop.eu .

Dixi-Klos keine Lösung

„Mitunter haben die Gesundheitsämter Sanitäranlagen aus Hygienegründen geschlossen“, schildert Fehrenkötter: „Zudem haben viele Firmen Bedenken, in Zeiten der Corona-Krise, ihre eigenen Anlagen geöffnet zu halten. Viele wollen oder dürfen das nicht.“

Die Situation sei inakzeptabel. „Wir hören vermehrt Klagen, dass Fahrer an Autohöfen und Raststätten während ihrer Pause weder Toiletten noch Duschen nutzen oder auch nur ihre Hände waschen können.“ Dixi-Klos stattdessen aufzustellen, sei keine Lösung. Fehrenkötter: „Was früher schon schwierig war, wird jetzt zunehmend unmöglich“. Dabei sei noch nicht einmal der Mega-Stau kurz vor Polen nach Wiedereinführung der Grenzkon­trollen vor einigen Tagen das einzige Worst-Case-Szenario, die Alltäglichkeit des grundlegenden Mangels macht dem 52-Jährigen zu schaffen.

Mittlerweile hat sich die die Initiative „DocStop“, dessen Vorsitzender Fehrenkötter ist, des Problems angenommen“. Nun gebe es mehr als 50 Stellen, die mitwirken wollen und ihre sanitäre Anlagen öffnen, sagt Fehrenkötter. Die Initiative soll auch nach der Krise ihre Arbeit fortsetzen – um die Not zu lindern.

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