Kritik an Politik
Zahnärzte fühlen sich "links liegen gelassen"

Münsterland -

Die Zahnärzte im Münsterland fühlen sich in Zeiten der Corona-Krise im Stich gelassen und üben scharfe Kritik an der Politik und der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe.

Sonntag, 05.04.2020, 16:24 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 17:05 Uhr
Die Zahnärzte im Münsterland fühlen sich in Zeiten der Corona-Krise im Stich gelassen und üben scharfe Kritik an der Politik und der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Foto: dpa

Kaum ein Arzt arbeitet so nah am Patienten, wie der Zahnarzt. Das Infektionsrisiko ist groß. „Wenn einer unserer Patienten im Verdacht steht mit Covid-19 angesteckt zu sein, dann können wir unseren Laden direkt dicht machen“, klagen gleich mehrere Zahnärzte aus dem Münsterland unserer Zeitung ihr Leid. Der Betrieb musste ohnehin schon runtergefahren werden, es werden fast nur noch Schmerzpatienten behandelt.

Schutzkleidung fehlt

Das Problem: Es fehlt an Schutzkleidung. „Wir haben nur eine Brille, sowie einfache Masken und Handschuhe“, berichtet ein Zahnarzt aus dem Kreis Warendorf. „Wir bekommen keinen Nachschub mehr“, macht er sich Sorgen um seine Gesundheit und die seiner Mitarbeiter. Mit diesem Problem habe er sich an die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe gewandt. „Dort wird man aber nur vertröstet und hingehalten“, sagt er verärgert. „Es wird dort echt langsam gearbeitet“, berichtet ein anderer Zahnarzt.

Auf Nachfrage unserer Zeitung weist die Zahnärztekammer diese Vorwürfe aber zurück. „Grundsätzlich ist das Beschaffen von Schutzkleidung nicht unsere Aufgabe“, heißt es dort. Dennoch habe man am „komplett zusammengebrochenen Markt“ versucht, Schutzkleidung zu ordern. Diese soll den Zahnärzten zugestellt werden, sobald diese eingetroffen sei. Doch Hoffnung machen sich viele Zahnärzte im Münsterland dort nicht. An Schutzkleidung komme man nur durch eigene Vorräte oder gute Beziehungen.

Einige Zahnärzte fühlen sich deshalb in der Krisensituation nicht gut vertreten, einer spricht sogar von „Zensur“ seitens der Kammer. Denn in einem Schreiben, das auch unserer Redaktion vorliegt, bittet die Kammer die Zahnärzte, nicht mehr mit der Presse zu sprechen und alle Anfragen direkt an sie weiterzuleiten. Der Zahnarzt, der sich mit diesem Rundbrief an unsere Zeitung wandte und aus Angst vor Repressalien seitens der Kammer anonym bleiben möchte, ist darüber schockiert. Die Kammer wiederum versteht die Aufregung nicht: „Dieses Schreiben wurde (..) versendet, jedoch keinesfalls, um zu zensieren oder Zahnärzte mundtot zu machen. Vielmehr wurde eine Hilfestellung bei der Beantwortung dieser Anfragen angeboten.“

Zahnärzte nicht berücksichtigt

Andere Zahnärzte im Münsterland sehen die Probleme ohnehin weniger bei der Kammer als in der Politik. Zahnärzte würden in der aktuellen Situation schlicht „links liegen gelassen“. Klare Ansagen, wie und in welchem Umfang weiterbehandelt werden soll, würden fehlen. Auch im neuen „Covid-19 Krankenhausentlastungsgesetz“ seien fast alle Mediziner berücksichtigt - nur eben Zahnärzte nicht. Das kritisiert auch die Kammer, die laut eigener Aussage „mit vollem Einsatz“ Forderungen an die Politik stelle, „damit die Versorgung der Patienten auf dem erforderlichen Niveau fortgesetzt werden kann und Arbeitsplätze erhalten werden können.“

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