Pandemie
Coronavirus in Alten- und Pflegeeinrichtungen

Kreis Steinfurt -

Die Nachrichten der vergangenen Tage waren nicht gut: Auch im Kreis Steinfurt sind seit einigen Tagen vermehrt Alten- und Pflegeheime von der Corona-Pandemie betroffen. Das wollte man eigentlich verhindern, doch scheint nun klar zu sein: Es ließ und lässt sich trotz rechtzeitig ausgesprochener Besuchsverbote nicht verhindern.

Montag, 06.04.2020, 16:42 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 18:14 Uhr
Desinfektionsspender sind schon lange obligatorisch in den Pflegeheimen nicht nur im Kreisgebiet. Dass sich Corona-Infektionen trotz aller Sicherheitsmaßnahmen und -vorkehrungen dennoch nicht vermeiden lassen, gehört zuden bitteren Erkenntnissen in diesen Tagen und Wochen. Foto: picture alliance

Der Krisenstab des Kreises hat bereits am Wochenende reagiert: Der neue Schwerpunkt seiner Arbeit, so ließ er wissen, liege jetzt „auf dem Schutz und dem Erhalt der Arbeitsfähigkeit der Alten- und Pflegeeinrichtungen im Kreis Steinfurt und der Unterbrechung ansteigender Infektionsketten.“ Krisenstabs-Leiter und Kreisdirektor Dr. Martin Sommer sagt: „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es leider nicht, denn auch Personen, die keine Symptome zeigen, können das Virus weitertragen.“ Dennoch sei es wichtig, alle Verhaltensregeln extrem ernst zu nehmen.

Derzeit hat der Kreis mit dem St.-Josef-Stift sowie dem Haus Widum in Lengerich zwei Altenpflege-Einrichtungen isoliert, das Haus St. Benedikt in Recke sowie das haus Ida in Metelen stehen unter Quarantäne und die Pflegewohngemeinschaft „ALTERnatives Wohnen“ in Lotte-Büren wurde vorübergehend evakuiert.

Einrichtungen betriebsfähig halten

Im Krisenstab, so Martin Sommer weiter, gelte die Devise: „Wir müssen die Alten- und Pflegeheime unbedingt betriebsfähig halten.“ Deshalb hätten zuletzt auch gut 100 solcher Einrichtungen die sogenannten „Care-Pakete“ des Kreises mit Schutzutensilien aller Art erhalten. Sommer: „Wir ertüchtigen das Gesundheitswesen mit Hochdruck. Höchste Priorität besitzt die Aufrechterhaltung einer qualitätsvollen Altenpflege und der dazugehörigen Infrastruktur.“

In Lotte sei am Wochenende das Problem aufgetreten, dass man nicht mehr genug Pflegekräfte gehabt habe, um die Pflege gewährleisten zu können. Deshalb sei die Verlegung der Pflegewohngemeinschaft veranlasst worden. Von den zehn Bewohnerinnen und Bewohnern seien vier nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, drei weitere hätten Symptome. „Von den elf Pflegekräften konnten lediglich drei weiterarbeiten, die anderen sind infiziert, Kontaktperson oder haben Symptome“, so der Kreis in seiner Pressemitteilung. „Da greift dann die Gefahrenabwehr“, sagt Sommer.

Maßnahmen für 14 Tage

Die Bewohner seien nach Beratung mit Dr. Karl-Heinz Fuchs, medizinischer Einsatzleiter „Corona“ für den Kreis Steinfurt, ins Fieberlazarett nach Laer gebracht worden. Hier wurde erstmals der Betrieb „hochgefahren“, auch um für weitere Verlegungen gewappnet zu sein. „Das ist für die Bewohner nicht schön“, weiß Martin Sommer, „aber die Maßnahme geht höchstens über 14 Tage.“ Danach seien die Pfleger vermutlich genesen und die Bewohner könnten in ihre angestammte Umgebung zurückkehren.

In der Isolierung befindet sich seit Samstag das Haus St. Benedikt in Recke. Eine Mitarbeiterin sowie zehn Bewohnerinnen und Bewohner seien dort trotz sorgfältig eingehaltener Vorsichtsmaßnahmen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wie zuvor bereits im St.-Josef-Stift in Emsdetten werden auch in Recke die infizierten getrennt von den symptomlosen Bewohnerinnen und Bewohner versorgt. Zudem wurden vier Teams von Mitarbeitern gegründet, die mit den Bewohnern in die Isolation gingen und auch isoliert untergebracht sind.

Freiwillige gesucht

Wo besonders viele gefährdete Menschen leben, werden auch mehr Pfleger krank und es kommt zwangsläufig zu Ausfällen durch Quarantänemaßnahmen. Das wiederum führt zu Problemen bei der Versorgung. Der Kreis sucht deshalb dringend weitere Freiwillige mit und ohne Ausbildung in Pflegeberufen zur Unterstützung in Altenpflegeeinrichtungen im Kreisgebiet, im Fieberlazarett Laer und im Pflegelazarett Lengerich.

In Laer arbeitet man bereits mit einigen Freiwilligen, die vom Fachpersonal entsprechend angelernt und unterstützt werden. Weitere Freiwillige können sich beim Kreis unter hilfeangebot@kreis-steinfurt.de melden. Sie werden vom Krisenstab zeitnah kontaktiert.

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