Professor Jürgen Bouillon über den Garten der Zukunft
Dem Klimawandel anpassen

Lengerich -

„Pflegeleicht wird der Garten der Zukunft sein“, prognostiziert Jürgen Bouillon, Professor an der Hochschule in Osnabrück. Das stehe angesichts des Klimawandels bei vielen Gartenplanungen jetzt schon im Vordergrund.

Mittwoch, 08.04.2020, 20:55 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 18:20 Uhr
Die Eichenblatt-Hortensie kommt auch mit dem Klimawandel zurecht, sagt Professor Jürgen Bouillon. Foto: Jessica von den Benken

Die vergangenen Sommer waren heiß und trocken, die Winter feucht und sehr mild. Der Klimawandel macht auch vor den heimischen Gärten nicht halt. Der Lengericher Jürgen Bouillon, Professor an der Hochschule in Osnabrück, erklärt, wie man seinen Garten fit für die Zukunft macht. Bouillon ist Studiendekan im Bereich Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur mit dem Fachgebiet Gehölzverwendung und Vegetationstechnik und hat eine klare Vorstellung vom Garten der Zukunft.

„Pflegeleicht wird der Garten der Zukunft sein“, prognostiziert der Fachmann. Das stehe bei vielen Gartenplanungen jetzt schon im Vordergrund. „Man möchte nicht viel nachdenken müssen und nicht viel tun“, sagt er. Der Garten der Zukunft wird ein Ort sein, der wesentlich weniger Zeit für die Pflege in Anspruch nimmt als noch vor Jahren. Wer einen Garten möchte, der ansprechend, wenig arbeitsintensiv und der Klimaveränderung angepasst ist, der sollte intelligent seinen Boden nutzen und die richtigen Pflanzen wählen.

„Ich kann nur zu einer Abkehr von der Sauberkeit raten, denn sauber machen bedeutet viel Arbeit.“ Einen modernen Garten zu gestalten gelinge, wenn man die Ruhe habe, die Entwicklung der Pflanzen zu begleiten, und in der Lage sei, seinen Garten auch eine Zeit lang sich selber zu überlassen. Die Natur mache vieles alleine. „Wir werden in Zukunft viel mehr Blüten in unseren Gärten brauchen, schon allein für die Insektenpopulationen“, so Bouillon.

Vom Trend der Vergangenheit, Folien in den Boden zu ziehen, um das Unkraut aus seinen Beeten fernzuhalten, sollte man sich nach Bouillons Meinung verabschieden. „Ein solcher Garten ist nicht unbedingt pflegeleicht. Im ersten Jahr sieht er noch sehr ansprechend aus, aber sobald sich Unkraut zwischen den Steinen bildet, hat man richtig viel zu tun. Das bekommt man nämlich nur schwer wieder raus.“ Bouillon empfiehlt für den Garten von morgen eine Kombination von Beeten, Hecken, Rasenflächen und Blühwiesen.

„Rasen braucht man, wenn man Kinder hat, die darauf spielen. Sonst macht Rasen einfach nur Arbeit“, sagt er. 20-mal oder mehr im Jahr müsse man im Schnitt solche Grünflächen mähen. Lasse man sich einen Teil als Wiese entwickeln, dann habe man ein Blütenreich „in dem es von März bis November brummt und summt“. Für Beetbepflanzungen empfiehlt der Fachmann Brandkraut, Palmlilien oder Halbsträucher wie Lavendel, Salbei, Bohnenkraut oder die russischen Perowskien. „Diese Pflanzen kommen mit der Klimaveränderung gut zurecht“, so Bouillon.

Wer auf seinen Steingarten nicht verzichten wolle, der sollte Kies in verschiedenen Größe mischen. Bis vier Zentimeter im Durchmesser sollten die Steinchen sein und mindestens 25 Zentimeter stark aufgetragen werden. Dann könne auch ein attraktiver Garten entstehen. Grundsätzlich sollte man mit der Dynamik der Pflanzen spielen und Pflanzen wählen, die trockenheitsverträglich sind oder der Trockenheit ausweichen. Problemlos seien beispielsweise die Königskerzen aus der Familie der Braunwurzgewächse (Verbascum). „Das sind Gewächse, die mit trockenen und heißen Situationen gut zurechtkommen und sich im Garten aussäen.“

Die Gartengestaltung mit dickblättrigen Stauden liege ebenfalls im Trend, und Bouillon empfiehlt Einsteigern, sich von Staudengärtnern beraten zu lassen. Im Internet über den Bund deutscher Staudengärtner könne man Ansprechpartner in seiner Region finden. Auch würde er mit starken Kontrasten von wilderen und formalen Elementen und einer Vielfalt von Farben im Garten der Zukunft arbeiten. Wenn es etwas ruhiger und anspruchsvoller und vom Standort her feuchter sein dürfe, würde er große Stauden in großen Gruppen setzen. „Wer braucht schon viel Rasen?“, so Bouillon.

Wer auf seine Rasenfläche jedoch nicht verzichten möchte, dem rät der Fachmann: „Nutzen sie keine billigen Mischungen. Die vertragen oft die Trockenheit nicht. Gut ist eine Regelsaatgutmischung für Gebrauchsrasen in Trockenlagen.“ Als Saatgut für eine Blühwiese empfiehlt er die Osnabrücker Blumenmischung. „Daraus entwickelt sich über lange Zeit eine wunderschöne Wiese.“

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