Student aus Münster macht Krankenhäuser neugierig
Tauchermaske taugt auch zur Therapie

Münster/Nordhorn -

Der Student Jan Schulte-Austum aus Münster hat ein Verfahren entwickelt, mit dem handelsübliche Schnorchelmasken bei der Beatmung von Corona-Patienten helfen könnten. Ein Krankenhaus aus Nordhorn findet die Idee so gut, dass Ärzte dort die Idee schon mal im Selbstversuch getestet haben. Und auch zwei Kliniken in den USA zeigen Interesse.

Sonntag, 03.05.2020, 18:58 Uhr
Entwickelt hat Jan Schulte-Austum nur den Adapter, der in der Maske steckt und in den Ärzte Filter und Schläuche anschließen können. Foto: CoViVent

Neu ist eigentlich nur ein Adapter, der das Loch, in dem normalerweise der Schnorchel steckt, mit einem Luftfilter und dem Beatmungsgerät verbindet – und das für verschiedene Marken von Tauchermasken. Das dafür nötige Zubehör sei in jedem Krankenhaus vorhanden und erfülle alle DIN-Normen, sagt der 27-jährige Student der Politikwissenschaft und Anglistik.

Die 3-D-Druckdateien, die Schulze-Austum unter anderem mit seinem Cousin Kai Echelmeyer entwickelt hat, bekommen alle interessierten Krankenhäuser geschenkt. So könne jede Klinik weltweit ihren eigenen Bedarf decken. Geld verdienen will er damit nicht. Schön wäre nur, wenn er Spender fände, die ihm helfen würden, die 1600 Euro wieder zurückzubekommen, die er von seinem knappen Studierenden-Geld abgezwackt hat. Darum bittet auf seiner Homepage um finanzielle Zuschüsse.

In Italien sind schon länger umfunktionierte Tauchermasken im Einsatz. Ein Sporthändler hat dort 10 000 Masken gespendet. Anders als die Tauchermasken dort haben die von Schulte-Austum und Echelmeyer entwickelten Adapter einen Vorteil: Sie filtern die Viren, die die Patienten ausatmen, aus der Atemluft heraus. „Beim italienischen Modell gerät die ausgeatmete Luft durch den offenen Rohrstutzen an die Luft“, erklärt Jan Schulte-Austum. Das Personal könnte so mit ihnen in Kontakt kommen. „Bei unserer Idee handelt es sich meines Wissens nach um die erste nicht-invasive Beatmung, bei der keine Erreger in die Atemluft geraten“, sagt Schulte-Austum.

Deutlich bequemer als Medizinprodukte

Die Tauchermasken sind für Patienten gedacht, die noch so fit sind, dass sie nicht mit einem Schlauch beatmet werden müssen, der in die Luftröhre eingeführt werden muss. Sie liegen auf dem kompletten Gesicht, und nicht nur auf Mund und Nase.

Dr. Konrad Schoppmeyers erster Eindruck: „Das scheint gut zu funktionieren.“ Der Chefarzt der Inneren Abteilung der Euregio-Klinik in Nordhorn bezeichnet gegenüber unserer Zeitung das Filtern der verbrauchten Atemluft als „Pfiff an der Sache“. Die Ärzte der Klinik haben die Masken selbst getestet. An Patienten seien sie noch nicht ausprobiert worden. Festgestellt haben die Mediziner aber schon mal: Die umgebauten Tauchermasken sitzen deutlich bequemer als bei Medizinprodukte, die einen wunden Nasenrücken verursachen können.

Bei unserer Idee handelt es sich meines Wissens nach um die erste nicht-invasive Beatmung, bei der keine Erreger in die Atemluft geraten.

Jan Schulte-Austum

Das Krankenhaus in Nordhorn hat mittlerweile zehn Masken bestellt, die dem Krankenhaus als Notfall-Reserve dienen, „wenn wir mit den Medizin-Produkte-Masken nicht mehr hinkommen sollten.

Der Haken an der Sache

Einziger Haken: Auch Tauchermasken sind zurzeit schwer zu bekommen. Angeblich haben die Hersteller große Teile ihrer Bestände nach Italien geschickt. Zudem überlegen überall in Europa gerade Tüftler, wie sie die Masken in der Corona-Krise verwenden können. „Das Einsatzgebiet von Tauchermasken ist viel größer als vorher für möglich gehalten“, sagt Schulte-Austum. Während sich die meisten Stofflappen vors Gesicht hängen, nutzen ganz Vorsichtige das Schwimm-Utensil zum Schutz vor dem Virus. Deren Wirkung sei so wie die einer FFP-3-Maske. Deren Verfügbarkeit allerdings auch.

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