Nach Corona-Zwangspause
Wildfreigehege am Nöttler Berg öffnet wieder

Saerbeck -

Christoph Behring wuchtet eine schwere Schubkarre über den trockenen Waldboden. Sein Tierpark ist dicht, doch an Kurzarbeit braucht er nicht zu denken. „Die Arbeit ist ja da“, sagt er, auch wenn wochenlang keine Besucher kommen durften. Die meiste Arbeit machen halt die Tiere, also schuftet Behring weiter, Tag für Tag. Aber klagen? Das ist nicht sein Ding. Und seine Standhaftigkeit wurde belohnt: Am Mittwoch öffnet er wieder.

Dienstag, 05.05.2020, 08:50 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 08:52 Uhr
Christoph Behring klagt nicht über seinen leeren Tierpark. Er hat auch wenig Zeit. Die Tiere muss er ja trotz Corona versorgen. Foto: Wilfried Gerharz

Seit 15 Jahren betreibt der bärtige Mann aus dem benachbarten Westladbergen zusammen mit seinem Bruder das Wildfreigehege Nöttler Berg im Niemandsland zwischen Saerbeck, Ladbergen und Flughafen Münster/Osnabrück. Ein uriger Tierpark mit Bisons, Hirschen, Wölfen, Ponyreiten, Rehen, Wildschweinen auf 22 Hektar. An guten Sonntagen spazieren 700 Besucher durch den kühlen Wald. Erwachsene zahlen 4,50 Euro, Kinder 2,50 Euro, eine Wildfutter-Tüte gibt’s für einen Euro.

Doch seit Wochen gibt es keine Einnahmen. „Das hat uns zu einer schlechten Zeit erwischt“, gesteht Behring. Nach dem verregneten Februar herrschte Traumwetter. Aber eben auch Corona.

Alles fast wie immer

Behring ist trotzdem jeden Tag hier. Er macht das eh für die Tiere, die hier leben, sagt er – nicht für die Menschen, die mal vorbeischauen. Zwei Leute kümmern sich jeden Vormittag um die erste Fütterung, mittags ist etwas Zeit für andere Arbeiten, kleinere Reparaturen etwa, bevor am Nachmittag wieder Tiere versorgt werden müssen. Beinahe spöttisch erklärt er: „Das ist hier nicht wie im Fernsehen“, wo die Pfleger vermeintlich viel Zeit haben, um „Elefant, Tiger & Co.“ zu beschäftigen. „Unsere Hirsche“, sagt er als Beispiel, „leben in einer Gruppe. Die brauchen wir nicht zu beschäftigen. Die beschäftigen sich schon selbst. Die meiste Zeit geht drauf fürs Saubermachen.“

Und so sieht es fast so aus, als sei auch in der Corona-Zeit am Nöttler Berg alles fast wie immer, nur durch die ausbleibenden Besucher noch etwas idyllischer. Wären da nicht die Kosten. „Unsere Ausgaben sind ja die selben“, sagt der Chef nüchtern. Futter – „aber der größte Posten ist das Personal.“

Existenz nicht bedroht

Zwei Vollzeitkräfte unterstützen die Familie Behring, dazu kommen geringfügig Beschäftigte, die in guten Zeiten im Kassenhäuschen sitzen oder beim Ponyreiten für leuchtende Kinderaugen sorgen. Nach Hause geschickt hat er noch niemanden. Nichtmal jene, die sonst die Besucher betreuen. Denn Behring freut sich, dass er gute Leute hat – und die möchte er nicht verlieren. Wer sagt ihm, dass sie nach der Krise wiederkommen und nicht einen anderen Job gefunden haben.

Außerdem scheint den Tierpark-Chef, der so gar nicht nach Zoo-Direktor aussieht, die Situation auch gar nicht so zu beunruhigen. Existenzbedrohend? „Nee,“, sagt er ruhig. Als im vergangenen Jahr ein Sturm durch seinen Wald fegte, musste er auch sechs Wochen schließen. Und wenn der Februar verregnet ist, muss er auch füttern, ohne zu Eintritt kassieren. Das müsse ein Unternehmen eine Zeit lang aushalten, ist er sicher. „Es kommen auch wieder bessere Zeiten“, sagt er – und ist dankbar für Spenden, die zwischenzeitlich auf seinem Konto eingegangen sind.

Die guten Zeiten kommen jetzt. In NRW dürfen Tierparks unter Auflagen öffnen. Am Nöttler Berg werden am Mittwoch wieder Menschen durch den Tann schlendern.

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