Kampf gegen Eichenprozessionsspinner
„Arbeiten sind schon weit fortgeschritten“

Gronau -

Die Scheinwerfer Flammen auf. Dann wird die Eiche mit Wassertröpfchen eingenebelt. Doch dieser Nebel hat es in sich: Er enthält Fadenwürmer, die in junge Eichenprozessionsspinner eindringen und ihnen dann den Garaus machen.

Mittwoch, 06.05.2020, 19:05 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 18:04 Uhr
Jürgen Busch im Einsatz: Mit einem Sprühnebelkopf setzt er Fadenwürmer im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner ein. Foto: Rupert Joemann

Jürgen Busch hat derzeit Hochsaison. Der gelernte Gärtner, der sich zum European Tree Worker fortgebildet hat und in Alstätte ein Baumpflegeunternehmen betreibt, kämpft derzeit an vielen Fronten. Sein Feind: Der Eichenprozessionsspinner.

„Die Arbeiten sind schon weit fortgeschritten“, sagt Busch. Notgedrungen. Denn das Zeitfenster, um die EPS zu schlagen, ist nur noch klein. „Höchstens noch 14 Tage“, kann Busch die Bäume mit einer biologischen Nematoden-Lösung besprühen, um die EPS-Gelege in einem bestimmten Entwicklungsstadium zu erwischen. Im Detail ist das aber auch davon abhängig, in welcher Austriebphase die jeweiligen Eichen sind. „Es gab Eichen, die waren schon vor sechs Wochen grün, andere zeigen erst jetzt Knospen“, so Busch.

Dass die Gronauer ihn und sein Team selten bei der Arbeit zu sehen bekommen, hängt mit der Besonderheit seiner „Kampfmethode“ zusammen. In der Sonnenhitze überleben die wirbellosen Fadenwürmer (Nematoden) nämlich nicht lange. Dann haben sie zu wenig Zeit, um in die jungen Eichenprozessionsspinner einzudringen und diesen den Garaus zu bereiten. Deshalb ist Busch oft in den frühen Morgenstunden und bis gegen Mitternacht im Einsatz. In diesem Jahr übrigens erstmals mit einer professionellen Maschine. Die Niederdruckspritze besteht vor allem aus einem um 360 Grad drehbaren Sprühnebelkopf. Darüber sind drei Strahler montiert, die auch nachts für genügend Licht sorgen, und eine Kamera. So kann Jürgen Busch aus dem Fahrerhaus seines Treckers die Eichen gezielt besprühen. Das nötige Wasser kommt aus mehreren Behältern, die zusammen 800 Liter fassen. Dem Wasser werden die wirbellosen Fadenwürmer beigemischt, sodass eine 1,6 prozentige Lösung entsteht. Rund 20 Liter Wasser-Nematoden-Lösung benötigt Busch pro Baum.

 

Aktuell ist Jürgen Busch in Gronau dabei, die Eichen-Standorte abzuarbeiten, die mit der Stadt vereinbart worden sind. Dass dabei nicht jeder Baum „behandelt“ wird, steht für Rainer Hoff, Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung, außer Frage: „Eine flächendeckende Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ist nicht leistbar“, sagt er. Die neuralgischen Punkt aber werde Jürgen Busch im Auftrag der Stadt ins Visier nehmen: Schulhöfe und Kita-Freiflächen, beide Stadtparks, den Badesee im Erholungsgebiet Dreiländersee listet er auf. Aber auch die Kaiserstiege zwischen Heerweg und Urenco, wo der Befall im vergangenen Jahr besonders heftig war. Tätig wird Busch auch in der Innenstadt, auf dem Laga-Gelände, auf der „Oase“, auf den Spielplätzen der Stadt, an den städtischen Sportanlagen. „Und überhaupt an Stellen, die stark frequentiert sind“, wie Rainer Hoff es umschreibt. „Außerdem reagieren wir auf weitere Meldungen“, macht er deutlich. Und Nester, die den Nematoden entgehen, würden – soweit sie entdeckt werden – natürlich auch abgesaugt.

Für die EPS-Bekämpfung auf Privatgrundstücken sei die Stadt aber grundsätzlich nicht zuständig, grenzt Hoff öffentliche von privaten Flächen ab, um die sich die Eigentümer selbst kümmern müssen.

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