Betrieb am Flughafen ruht seit Wochen
FMO in der Corona-Krise: Leere auf dem Vorfeld

Greven -

Das Licht ist aus, das Vorfeld leer: Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass der Flughafen Münster/Osnabrück den Betrieb nahezu komplett eingestellt hat. Doch was ist da los, wenn nichts los ist? Ein Besuch,

Freitag, 08.05.2020, 09:00 Uhr
Die Gangway geparkt, das Vorfeld leer: Der Flughafen Münster/Osnabrück hat den Betrieb wegen der Corona-Pandemie nahezu eingestellt. Foto: Gunnar A. Pier

Der Monitor mit den Ankünften und Abflügen gehört zu den wenigen, die am Flughafen Münster/Osnabrück noch arbeiten. Er meldet am Donnerstag reichlich Flüge, aber die angezeigten Ziele machen klar, dass hier nichts normal ist. Nach Kiel, Saarbrücken und Gütersloh fliegen keine Großraumjets. 186 Passagiere zählte der FMO im gesamten April – das würde gerade reichen, um einen einzigen Urlaubsflieger wirtschaftlich Richtung Mallorca starten zu lassen. Das Licht ist aus, das Vorfeld leer: Das Coronavirus hat den Flughafen zur Bauchlandung gezwungen.

Der Tourismus gehört zu den Branchen, die ganz besonders in die Corona-Krise geschlittert sind. Die Leute bleiben zu Hause, die Hotels sind dicht, in Reisebüros wird nur noch storniert, nicht gebucht: Da stehen Existenzen auf dem Spiel. Und die Flieger bleiben am Boden: Seit Wochen gibt es am Grevener Flughafen keinen regulären Betrieb mehr. Keine Charterflüge, keine Linienflüge. Sechs Lufthansa-Maschinen, sonst auf der Frankfurt-Linie am Himmel, stehen geparkt am Rollfeld-Rand. Ein Zeichen für den neuen Stillstand.

Kurzarbeit

„90 Prozent unserer 480 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit“, sagt Flughafensprecher Andrés Heinemann. Die Leute vom Check-in, das Service-Personal, die Angestellten in der eigenen Autowerkstatt, die kräftigen Männer, die sonst die Koffer verladen: Sie werden nicht gebraucht. Viele Bereiche sind komplett stillgelegt, in anderen Abteilungen kommen die Mitarbeiter tageweise.

Passagiere nutzen Seiteneingang

Das große Terminal ist schon lange dicht. Die Türen verrammelt, das Licht ist aus. Die wenigen Passagiere, die in diesen Zeiten noch starten und landen, gehen durch einen Seiteneingang des Nebengebäudes, und es verhindern wohl nur die Abstandsvorschriften, dass hier jeder einzeln per Handschlag begrüßt wird. Es sind oft Geschäftsreisende in Privatjets, die für das Grundrauschen sorgen. Manche landen in Maschinen, die kleiner sind als der schwarz-gelbe „Follow-me“-Bulli, der sie zur Parkposition geleitet. Zwölf Stunden im Voraus muss sich anmelden, wer hier starten oder landen will. Dienst nach Bedarf, nicht rund um die Uhr. Manchmal kommen Ambulanzflüge, Luftfracht gibt es auch noch.

Auf Sparkurs

Kein Publikumsverkehr, kein Tagesgeschäft – eine gute Gelegenheit, fällige Wartungsarbeiten oder Renovierungen in Ruhe zu erledigen? Andrés Heinemann winkt ab, investiert wird hier nichts: „Unsere oberste Maxime lautet: Liquidität gewährleisten!“ Die FMO-Gesellschaft will um jeden Preis verhindern, dass ihr finanziell die Luft ausgeht. Deshalb wird gespart, wo es nur geht. Jeder, der nicht dringend gebraucht wird, soll zu Hause in der Kurzarbeit bleiben. Doch trotz aller „liquiditätserhaltenden Maßnahmen“ gilt: „Wir verlieren pro Monat eine Million Euro.“

Banger Blick in die Zukunft

Mit bangem Blick schaut der Flughafen deshalb in die Zukunft. „Die Gretchenfrage“, sagt Heinemann, „ist: Überleben unsere Partner?“ Die Fluggesellschaften etwa, die schon vor der Corona-Zeit nie so recht vor Pleiten gefeit schienen – man denke nur an die Insolvenzen von Air Berlin und Germania, die auch den FMO hart trafen. Sie nehmen derzeit nichts ein – bei bleibenden Fix­kosten wie etwa den Leasingraten für die Flugzeuge. Die Lufthansa, heißt es, mache eine Million Euro Verlust – pro Stunde! Kriegen also jene, die jetzt am Boden sind, nach der Krise wieder Aufwind? „Es hilft denen nichts, wenn die Maschinen wegen der Abstandsregeln zunächst nur halb voll sind“, erklärt Heinemann. Denn noch teurer als eine ungenutzt geparkte Maschine ist ein fliegendes Flugzeug, das nicht ausgelastet ist.

Es wird also wohl noch eine Weile dauern, bis Frankfurt, München, Mallorca und Thessaloniki auf dem Monitor erscheinen. Bis die Normalität zurück ist – und auch alle anderen wieder arbeiten.

Flughäfen machen Millionenverluste

Die deutschen Flughäfen verlieren nach Angaben ihres Verbandes ADV in der Corona-Flaute jeden Monat eine halbe Milliarde Euro Umsatz. Anders als die Fluggesellschaften können die meist in öffentlicher Hand befindlichen Betreibergesellschaften bislang nicht auf Staatshilfen hoffen. Der ADV-Präsident und Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte hat daher am Donnerstag erneut gefordert, dass mindestens die Kosten zur Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft von monatlich rund 170 Millionen Euro erstattet werden. Darüber hinaus bräuchten die Flughäfen Zugang zu den Sonderkreditprogrammen der KfW-Bank und der Länder. Laut Verband sind den Flughäfen wegen des nahezu eingestellten Flugverkehrs 95 Prozent der Einnahmen weggebrochen.  (dpa)

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