Langsam entspannt sich die Lage im Tierheim
Vermittlung läuft langsam an

Lengerich/Tecklenburg -

Es war keine leichte Zeit für das Tierheim am Setteler Damm. Ein Besuchsverbot verhinderte, dass die Fundtiere – überwiegend Hunde und Katzen – ein neues Frauchen oder Herrchen kennenlernen konnten. Jetzt ändert sich die Situation, freut sich Leiterin Cornelia Backhaus.

Samstag, 09.05.2020, 06:22 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 19:13 Uhr
Kommen bislang gut durch die Corona-Zeit: Tierheimleiterin Cornelia Backhaus mit ihrem Hund Jule. Foto: Carolin Hlawatsch

Wochenlang galt zuletzt für das Tierheim am Setteler Damm ein Besuchsverbot. Für eine Einrichtung, die darauf angewiesen, dass sich neue Frauchen und Herrchen für Katze und Hund finden, eine schwierige Situation. Die aber, so wie es derzeit aussieht, gut gemeistert werden konnte.

Leiterin Cornelia Backhaus erzählt, dass es keine Platzprobleme gebe und auch nicht gegeben habe. Zehn Hunde würden aktuell versorgt. Und bei den Katzen habe es bislang ein eher geringes Aufkommen gegeben. „Zum Glück.“ Das habe sich zuletzt wieder geändert. Doch nun laufe auch die Vermittlung wieder an.

Überfüllt sind hingegen zahlreiche Hundeauffangstationen, vor allem im Ausland. Deutsche Tierschutzvereine können ihnen aufgrund des aktuellen Reiseverbots und der geschlossenen Grenzen keine Tiere mehr abnehmen. So warten Hunde, die sonst vielleicht schon längst in Deutschland ein neues Zuhause gefunden hätten, in Tierheimen in Italien, Spanien oder Rumänien.

Keine Platzprobleme bei der Unterbringung der Tiere

„Für die Tierschützer dort ist es ein Fiasko. Sie sehen das Elend von ausgesetzten Hunden, können ihnen aber nicht helfen, da ihre Auffangstationen zum Bersten voll sind“, sagt Christine Jeske, zweite Vorsitzende von Podencorosa. Der Verein mit Sitz in Tecklenburg arbeitet seit knapp 13 Jahren mit Tierschützern aus dem Ausland Hand in Hand.

„Auf Sizilien ist es so, dass Hunde in den öffentlichen Tierheimen eine Frist von vier Wochen haben. Werden sie bis dahin nicht vermittelt, folgt nach Kastration erneutes Aussetzen. In Rumänien und teilweise auch in Portugal und Spanien werden Hunde nach Fristablauf sogar getötet“, berichtet Christine Jeske.

Deswegen versucht Podencorosa e. V., mit Hilfe von Spenden die Tierheimhunde zunächst in privaten Pensionen oder bei Privatpersonen unterzubringen, bis sie nach Deutschland reisen dürfen. „Einige Familien warten hier schon sehnsüchtig auf ihren Hund, den sie sich schon vor Corona ausgesucht haben“, so Christine Jeske.

Einige Familien warten schon sehnsüchtig auf ihren Hund, den sie sich vor Corona ausgesucht haben.

Christine Jeske, zweite Vorsitzende des Vereins Podencorosa

Die Vermittlung der 30 Hunde, die aktuell auf dem Podencorosa-Tierschutzhof in Tecklenburg leben, sei nun auch erschwert, weil die Besucher-Samstage aufgrund der vorgeschriebenen Kontaktsperre nicht stattfinden können und ein Kennenlernen von potenziellen Interessenten kaum möglich ist.

An Anfragen für Hunde mangele es auch im Tierheim nicht, betont Cornelia Backhaus. Viele Leute argumentieren, dass sie jetzt besonders viel Zeit hätten, zu Hause seien und sich der neue tierische Freund somit ideal eingewöhnen könne. Problem sei die so wichtige Kennenlernphase zwischen der vermittelnden Instanz und den Interessenten. „Wir können den Hund ja nicht einfach aus dem Zwei-Meter-Sicherheitsabstand in die Hände seiner neuen Besitzer laufen lassen. Bei schwierigen Hunden muss man da manchmal eingreifen, man muss länger beobachten, gemeinsam Gassi gehen, viel reden, alles kompliziert in Zeiten von Corona“, sagt Cornelia Backhaus. Unter dem Strich freut sie sich, dass nach sorgfältiger Planung die Vermittlung von Hunden wieder anlaufen kann.

Wir können den Hund ja nicht einfach aus Zwei-Meter-Sicherheitsabstand in die Hände seiner neuen Besitzer laufen lassen.

Cornelia Backhaus, Leiterin Tierheim Lengerich

Wer sich für einen Hund oder eine Katze interessiere, der solle sich zunächst telefonisch im Tierheim melden, damit erste Schritte wie der obligatorische Interessenten-Fragebogen in die Wege geleitet werden können. Inzwischen sei es auch gelungen, so denn alle Voraussetzungen erfüllt seien, eine kontaktlose Vermittlung von Katzen im Tierheim zu ermöglichen. „Das funktioniert extrem gut“, freut sich Cornelia Backhaus.

Eine weitere gute Nachricht: Zwei bis drei Mal pro Tag kommen Menschen vorbei, um Futter- oder auch Sachspenden wie beispielsweise Kratzbäume zu bringen. „Manche rufen sogar vorher extra an und fragen, was wir brauchen.“

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