Trimm-dich-Pfad erlebt eine Renaissance
Muckibude in Mutter Natur

Brochterbeck -

Mit dem eigenen Nachwuchs kann Fitness im Freien auch in der Corona-Krise großen Spaß machen. Der Bewegungspark in Brochterbeck bietet auf 2050 Metern viele robust und modern gestaltete Trainingsstationen. Unser Redakteur André Fischer hat mit seinen Söhnen den Test gemacht.

Sonntag, 10.05.2020, 15:00 Uhr
Die Übung macht Davi im Schlaf – während sich Jonah konzentriert Foto: Wilfried Gerharz

"Digger, ich bin lost!“ Jonahs Worte reißen mich aus dem Halbschlaf von der Couch. „Alles okay?“, frage ich gedankenlos – und nehme den Zwölfjährigen beim Blick über die Schulter daddelnd mit Kopfhörern im Ohr vor der Konsole wahr. „Papa, ich meinte Leon.“ Alles klar! Gut, ich hab’s ihm erlaubt zu spielen. Aber dieser befremdliche Anflug von Anglizismus in seiner Sprache, der ist mir neu. Kann doch nicht wahr sein. Das gesprochene Wort der Jugend von heute ist für viele Erwachsene inzwischen ein Irrgarten, ich weiß.

Ein ex­trem gewöhnungsbedürftiger, mit dem ich mich persönlich so nicht wirklich anfreunden kann. Also höchste Eisenbahn, gegenzusteuern, den Jungen von der Elektronik loszueisen. In Zeiten digitalen Unterrichts, exzessiver Zockerei und der Tatsache, in der Corona-Krise kaum mehr vor die Tür zu kommen, muss ich handeln. „Jonah“, sage ich, „morgen gehen wir auf den Trimm-dich-Pfad.“ „Hä, wohin?“, fragt er. Oh Mann! Kein Kind der 70er.

Schwitzen an 20 Stationen

Gegenwehr: zwecklos! Am nächsten Tag starten wir nach dem Frühstück. Und weil Sport so schön ist, verfrachte ich den Jüngsten, Davi, gleich mit ins Auto. Das Ziel: der Bewegungspark in Brochterbeck. Mitten im Wald im beschaulichen Bocketal. Ein Schild auf dem Wanderparkplatz gegenüber dem Campingplatz heißt uns willkommen – und drückt gleich auf die Stimmung der sonst so harten Jungs: „Benutzen auf eigene Gefahr“, heißt es da. Gezeichnet: Wilfried Brönstrup, Bürgermeister der Stadt Tecklenburg.

Trimm-dich-Pfad – Muckibude in der Natur

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  • Unser Redakteur André Fischer und seine Söhne haben den Trimm-dich-Pfad getestet.

    Unser Redakteur André Fischer und seine Söhne haben den Trimm-dich-Pfad getestet.

    Foto: Wilfried Gerharz
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    Foto: Wilfried Gerharz
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    Foto: Wilfried Gerharz
  • Unser Redakteur André Fischer und seine Söhne haben den Trimm-dich-Pfad getestet.

    Foto: Wilfried Gerharz
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  • Unser Redakteur André Fischer und seine Söhne haben den Trimm-dich-Pfad getestet.

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  • Unser Redakteur André Fischer und seine Söhne haben den Trimm-dich-Pfad getestet.

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    Foto: Wilfried Gerharz
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  • Unser Redakteur André Fischer und seine Söhne haben den Trimm-dich-Pfad getestet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Unser Redakteur André Fischer und seine Söhne haben den Trimm-dich-Pfad getestet.

    Foto: Wilfried Gerharz

Eine gefühlte Ewigkeit scheint das her. Seit 2009 regiert Stefan Streit in der alten Burgenstadt. Und der hat den 2050 Meter langen Pfad auf dem Teutoschleifchen Dreikaiserstuhl nicht sperren lassen. Kein Flatterband, das wie auf Spielplätzen signalisiert: Betreten verboten. Nein, hier darf nach Lust und Laune an 20 Stationen geschwitzt werden.

Armkreisen, Kniebeugen, Rumpfdrehen

Dann das: „Vorsicht! Eichenprozessionsspinner“. Und wieder dieser Zusatz: „Betreten auf eigene Gefahr!“ „Bäh, ich warte hier“, sagt der Sechsjährige. Es dauert, bis ich meinem Nachwuchs klargemacht habe, dass der Hinweis ein Relikt aus 2019 ist. Noch verbreiten die gefürchteten Raupen keinen Schrecken. Die ganze Kraft der gefährlichen Brennhaare dürfte Nordrhein-Westfalen Mitte Mai und sicher im Juni zu spüren bekommen. Können wir jetzt endlich?

Armkreisen – der Auftakt stellt selbst den „Alten“ vor keine großen Probleme. Geht doch. Kniebeugen, Rumpfdrehen, in den Stütz springen, die Arme gegengleich schwingen, Liegestütze, läuft bei uns! Zwischen den einzelnen Übungen joggen wir in einem angenehmen Tempo. Nehmen gar etwas von der Natur wahr. Ich zumindest.

Am Klimmzug gescheitert

Großartig, wie sich das Sonnenlicht seinen Weg durch die vielen Bäume bricht. Hier scheint die Welt trotz Corona in Ordnung. Das machen wir jetzt öfter, denke ich. Es ist so leicht, läuferisches Konditionstraining mit Kraft- und Koordinationsübungen in gesundheitsfördernder Trainingskulisse zu verknüpfen – wer geht da noch in die Muckibude?

Zu früh gefreut. Beim Klimmzug gehe ich schnaufend und mit rotem Kopf an der Stange ein. Hallo, ich habe Sport studiert – warum scheitere ich jetzt kläglich? Ein Armutszeugnis. Jonah, das Leichtgewicht, schafft die Herausforderung zumindest dreimal. Verräter. Auch beim Wanderhangeln an den Holmen verende ich. Mit gerade 46! Die Jungs machen’s vor. Selbst Davi nimmt zwei, drei Eisenstangen wie im Schlaf.

Söhne führen den Vater vor

Station 19 – gut, dass wir fast durch sind. Zum Abschluss dürfen wir alle balancieren. Das Gleichgewicht halten. Was kann ich besser? So vieles. Die Jungs sind fitter, führen mich vor. Ich bin bedient. Hau mich erst mal ins Bett. Und doch komme ich wieder. Allein. Ich muss trainieren. Und dann werde ich es den Jungs beim nächsten Mal zeigen. „Digger, ich bin noch lange nicht lost!“

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