Die Distanz überwinden
Muttertag in Zeiten von Corona

Münster -

"Mama, ich hab Dich lieb" - eine herzliche Umarmung oder ein Kuss - all das muss dieses Jahr am Muttertag wohl bei vielen ausfallen. Aber wie können Kindern ihren Müttern auf Distanz zeigen, dass sie an sie denken?

Sonntag, 10.05.2020, 13:00 Uhr
Foto: dpa (Symbolbild)

Vielen erwachsenen "Kindern" ist es ein Anliegen, ihren Müttern am Muttertag einen Besuch abzustatten. Doch die coronabedingten Kontakteinschränkungen dauern trotz erster Lockerungen an, zumal gerade alte Eltern zu den Hochrisikogruppen gehören. Wie also können Kinder trotz des gebotenen Abstands ihre Nähe und Dankbarkeit zeigen?

Ein Blumenstrauß, ein persönlicher Brief oder eine Schachtel Lieblingspralinen sind schnell auf den Weg gebracht. Viele Familien sind inzwischen auch erprobt darin, via Skype oder anderen Videotelefonie-Techniken miteinander in Kontakt zu bleiben. Aber je älter, gebrechlicher und auch schwerhöriger die Mütter werden, desto schwieriger wird dieser rein technische Kontakt. Persönliche Besuche und körperliche Nähe wären da das Gebot der Stunde. Die sollten aber zum Schutz betagter Menschen möglichst vermieden werden.

Blumen, Brief oder ein gemaltes Bild

In vielen Altenheimen sind Angehörigenbesuche nur unter strengen Auflagen möglich.Die Frage, wie man - nicht nur zum Muttertag - den Kontakt gut halten kann, sei "fast täglich ein Thema am Beratungstelefon", sagt Daniel Ruprecht vom Alzheimer-Telefon. Ob ein Anruf, Brief oder ein Präsent von der Mutter im Seniorenheim überhaupt wahrgenommen werde, hänge vom jeweiligen Krankheitsstadium ab. "Der Gruß muss angepasst werden", erklärt Ruprecht. Ansonsten sei "alles denkbar, was technisch und personell in einer Einrichtung möglich" sei - "ein lieber Brief, ein von den Enkeln gemaltes Bild, eine selbst gemachte Foto-Collage".

Wenn es der alte Mensch kognitiv noch erfassen könne, sei auch Videotelefonie oder der Kontakt über Messenger-Dienste eine gute Wahl, um wenigstens das Gesicht der Angehörigen beim Gespräch zu sehen. Ruprecht kann sich auch vorstellen, dass sich musikalische Angehörige von Heimbewohnern zusammentun und im Garten der Einrichtung ein kleines Muttertagskonzert veranstalten. So könne man sicherlich der ein oder anderen Mutter auf dem Balkon "eine große Freude machen".

Auch zu Hause an die Mutter denken

Manche Angehörige "leiden schrecklich, dass sie ihre Mütter oder Schwiegermütter nicht sehen können", berichtet Gaby Hübner, Vorsitzende des Bundesverbandes katholischer Lebensberater. Besonders belastend sei die Situation, wenn der geliebte Senior pflegebedürftig oder verwirrt sei. Dann sei meist auch kein Videoanruf mehr möglich.

In solchen Fällen empfiehlt die Beraterin, "für sich selbst Rituale zu entwickeln, die man bei sich zu Hause pflegen kann, um eine mentale Verbindung aufzubauen". Ähnlich wie bei anderen Gedenktagen könne man ein Foto der alten Mutter aufstellen, eine Kerze für sie anzünden, das Bild mit einer Blume schmücken und so "vom Herzen her mit ihr in Verbindung gehen". Ein weiterer Tipp: Gerade bei dementen Menschen sorge Musik für Wohlbefinden und gute Laune. Warum also nicht einem Mitarbeiter im Altenheim das Lieblingslied der Mutter per MP3-Aufnahme schicken?

So viel Kontakt wie möglich, aber so geschützt wie notwendig.

Ute Timm

Egal, ob die Angehörigen wollen oder nicht - in diesem Jahr fallen viele Muttertagsbesuche im Altenheim wohl aus. Eine Herausforderung für die Einrichtungen. "Wir können die Familie nicht ersetzen", das weiß Ute Timm, Heimleiterin im Altenpflegeheim Marienkloster in Heinsberg.Die Mitarbeiter unterstützen die Bewohner, mit ihren Angehörigen via Whatsapp, Videotelefonie oder Skype Kontakt zu halten. Sie gehen auch weiterhin mit Bewohnern "einzeln und entzerrt" in den Garten und begleiten diese, damit sie "am Gartentor mit Sicherheitsabstand" ihre Familie sehen können. Nicht nur am Muttertag lautet die Devise: "So viel Kontakt wie möglich, aber so geschützt wie notwendig."

"Egal, ob Corona oder nicht - am Muttertag werden bei uns die Mütter geehrt", sagt Timm. 2018 habe jede ein liebevoll gestaltetes Schokoladenherz bekommen, im vergangenen Jahr wurden Rosen verteilt. In diesem Jahr und besonders mit Blick auf Corona hat Timm zum Mutter- und Vatertag kleine Schutzengel für alle Senioren bestellt. Aber nicht nur für sie. Weil zwei Tage nach dem Muttertag am 12. Mai der "Tag der Pflege" begangen wird, bekommen nun auch alle Mitarbeiter des Marienklosters einen solchen Schutzengel geschenkt. Sicher ist sicher.

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