Freiwillige mussten ihren Dienst abbrechen
Plötzliche Abreise ohne richtigen Abschied

Havixbeck/Iringa -

Vier Freiwillige des Bistum Münsters - unter ihnen Leonie Höltmann aus Havixbeck - waren in Iringa in Tansania im Einsatz, als die Corona-Pandemie auch das afrikanische Land erreichte. Hals über Kopf mussten sie das Land verlassen.

Dienstag, 02.06.2020, 17:17 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 21:24 Uhr
Foto: Sammlung Dammer und andere

Auf ihren Einsatz in Tansania hatten sich die Havixbeckerin Leonie Höltmann, Lennart Dammer aus Haltern am See, Femke Koers aus Ochtrup und Felix Kemmer aus Ahaus riesig gefreut. Für ein Jahr sollte Iringa das neue Zuhause der vier weltwärts-Freiwilligen des Bistums Münster werden. Doch für sie und weitere Freiwillige in Afrika kam es durch die Corona-Pandemie anders, wie das Bistum in einer Pressemitteilung berichtet.

„Eigentlich war bei uns alles normal. Dann kam die Mail mit der Entscheidung, dass wir das Land kurzfristig verlassen müssen“, berichtet Felix Kemmer. „Wir konnten uns nicht vorstellen, von jetzt auf gleich wieder nach Deutschland zurückzukehren. Es war so irreal“, fügt Lennart Dammer hinzu.

Dieses Gefühl hielt auch bei der Ankunft in der Heimat an. „Wir kamen aus einem Land, in dem der Alltag noch ganz normal stattfand. Plötzlich waren wir in einem Land, in dem man zunächst ‚eingesperrt‘ war. Aber im Nachhinein macht das natürlich alles Sinn“, berichtet Dammer.

Sebastian Aperdannier, Franziska Barthelt und Judith Wüllhorst aus dem Referat Freiwilligendienste im Ausland des Bistums Münster hatten sich um die Rückreise der jungen Erwachsenen gekümmert. Was nicht so einfach war, weil der internationale Flugverkehr zunehmend eingeschränkt wurde. Für die Bemühungen des Bistumsteams sind die Freiwilligen dankbar: „Wir haben uns sehr gut betreut und begleitet gefühlt, wir standen in ständigem Kontakt mit Münster.“

Seit Mitte August vergangenen Jahres engagierten sich Lennart Dammer, Felix Kemmer, Femke Koerst und Leonie Höltmann in den Schulen und dem Internat von St. Dominic Savio. „Mein Schulleiter war sehr betroffen, als ich ihm von unserer kurzfristigen Abreise erzählt habe. Aber er war auch sehr dankbar, dass wir uns an der Schule engagiert haben“, erzählt Lennart Dammer, der gemeinsam mit Leonie Höltmann den Computer- und den Sportlehrer an der Schule unterstützt hat. Leider konnten sie sich nicht von den Schülerinnen und Schülern verabschieden, denn von einem Tag auf den anderen wurden auch in Iringa die Schulen geschlossen. „Nachdem wir wussten, dass wir gehen müssen, habe ich die Kinder nicht wiedergesehen“, bedauert der 19-Jährige. Lediglich von den Lehrerinnen und Lehrern habe man sich noch verabschieden können.

Etwas anders erging es Felix Kemmer, der im Waisenhaus der Einrichtung dem Schulsozialarbeiter bei seiner Arbeit geholfen hatte: „Ich hatte Glück im Unglück, denn ich konnte den Kindern, die im Internat lebten und die ich in mein Herz geschlossen hatte, noch Tschüss sagen.“

Auch wenn sie statt der geplanten zwölf Monate nun lediglich sieben Monate in Tansania verbringen konnten, bereuen die Freiwilligen keine Minute. „Die Menschen sind so herzlich und haben eine tolle Willkommenskultur. Wir sind so freundlich empfangen worden.“ Die Freiwilligen sind dankbar dafür, dass sie die Möglichkeit hatten, ein neues Land, eine neue Kultur und neue Menschen kennenzulernen, heißt es in der Pressemitteilung des Bistums. Und für sie ist klar, dass sie nach Tansania, das ihnen zu einer zweiten Heimat geworden ist, zurückkehren werden: „Das ist fest geplant.“

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