Wegen Corona
DLRG warnt vor Anstieg von Badeunfällen

Münsterland -

Wegen der Coronakrise werden in diesem Jahr wohl viele Badegäste auf Seen und Flüsse umsteigen. Das sei nicht immer ungefährlich, warnt die DLRG.

Mittwoch, 03.06.2020, 13:43 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 16:32 Uhr
Der Feldmarksee in Sassenberg ist sonst bei gutem Wetter ein Besuchermagnet und zum Baden freigegeben. Wegen der Coronakrise ist aktuell dort aber alles abgesperrt - die Menschen suchen deshalb nach Alternativen. Foto: Michele Waßmann

Die Coronakrise trifft auch die Schwimmer und Badegäste in diesem Sommer. Hallen- und Freibäder haben geschlossen oder nur unter strengen Auflagen geöffnet. Nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern wird in die offiziellen Bäder gelassen, eine Registrierung ist notwendig. Das schreckt viele Gäste ab.

"Menschen überschätzen sich"

Hinzu kommt, das in diesem Jahr viele Menschen aufgrund der Coronakrise auf ihren Sommerurlaub im Ausland verzichten (müssen) und sich deshalb in heimischen Gefilden abkühlen wollen. Beides sorgt dafür, dass immer mehr Menschen auf Alternativen wie Seen oder Flüsse ausweichen. Und das sei nicht ungefährlich, wie die DLRG warnt.

Gerüchte und Wahrheiten zum Thema Baden

1/8
  • FotoTeaserSchwimmbad

    Jedes Jahr kommen spätestens zu Beginn der Freibadsaison gefühlte Wahrheiten und viele Ratschläge zum Thema Baden auf. Aber was davon stimmt wirklich?

    Foto: colourbox.de
  • BEHAUPTUNG: Mit vollem Magen ins Wasser zu gehen ist gefährlich.

    BEWERTUNG: Stimmt teilweise

    FAKTEN: Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) rät in ihren Baderegeln, nicht mit vollem Magen baden zu gehen. Grund dafür ist, dass der Körper Energie zum Verdauen benötigt. Notfälle, die durch Baden mit vollem Magen entstanden sind, lassen sich jedoch nicht nachweisen. Als noch gefährlicher gilt allerdings ein ganz leerer Magen. Damit fehlt dem Körper erst recht die nötige Energie, die er braucht, um sich über Wasser zu halten. Laut DLRG führt Baden mit leerem Magen regelmäßig zu Notarzteinsätzen.

    Foto: colourbox.de
  • BEHAUPTUNG: Ertrinkende rudern wild mit den Armen und schreien.

    BEWERTUNG: Stimmt nicht.

    FAKTEN: «Das ist wirklich ein Mythos. Ein Ertrinken, wie man es aus Hollywoodfilmen kennt, gibt es nicht», sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese. Wer ertrinkt, wird in der Regel vorher bewusstlos. Dabei gerät häufig der Kopf unter Wasser und die Stimmbänder verkrampfen sich. Der Bewusstlose bekommt keine Luft mehr, so dass die eigentliche Todesursache Ersticken und nicht Ertrinken ist. Alternativ kann Wasser in die Lunge gelangen, was auch zum Tode führen kann. Aber: «Beides passiert leise», so der DLRG-Sprecher.

    Foto: colourbox.de
  • BEHAUPTUNG: Die meisten Todesfälle durch Ertrinken gibt es am Meer.

    BEWERTUNG: Stimmt nicht.

    FAKTEN: In Seen, Teichen oder Flüssen, kommen in Deutschland deutlich mehr Menschen ums Leben als im offenen Meer - im vergangenen Jahr waren es fast 16 mal so viele. Während 2018 laut der Ertrinkungsstatistik 233 Menschen in Seen und Teichen und 161 in Flüssen starben, waren es im Meer gerade einmal 25.

    Foto: colourbox.de
  • BEHAUPTUNG: Im Wasser kann man keinen Sonnenbrand bekommen.

    BEWERTUNG: Stimmt nicht.

    FAKTEN: Ein Teil der UV-Strahlen dringt in das Wasser ein. Zudem: Der Kopf etwa bleibe die meiste Zeit über der Wasseroberfläche, sagt DLRG-Sprecher Wiese. Auch medizinische Institute wie der britische National Health Service (NHS) warnen vor der gefährlichen Kombination von Sonne und Wasser: Durch die kühlende Wirkung des Wassers merke man oft gar nicht, wenn die Haut verbrenne. Außerdem reflektiere das Wasser auch UV-Strahlen, was sie für die Körperstellen außerhalb des Wassers noch gefährlicher mache.

    Foto: colourbox.de
  • BEHAUPTUNG: Viele Menschen in Deutschland können nicht schwimmen.

    BEWERTUNG: Stimmt teilweise.

    FAKTEN: Seit Jahren warnt die DLRG davor, dass sich durch die Schließung von Schwimmbädern Deutschland zum «Land der Nichtschwimmer» entwickeln könnte. Die letzten beiden Forsa-Umfragen im Auftrag der DLRG aus den Jahren 2010 und 2017 zeigen jedoch: Zumindest der Anteil der Nichtschwimmer hat sich nicht vergrößert.

    Foto: colourbox.de
  • Während sich 2010 rund zehn Prozent der Befragten ab 14 Jahren als Nichtschwimmer einstuften, waren es 2017 nur noch drei Prozent. Bei den Kindern sieht die Bilanz etwas negativer aus: Der Anteil an Kindern von sechs bis zehn Jahren, die von ihren Eltern als Nichtschwimmer eingestuft wurden, blieb konstant bei zehn Prozent. Der Anteil der unsicheren Schwimmer stieg bei den Kindern leicht an - von einem guten Viertel (26 Prozent) auf ein knappes Drittel (31 Prozent).

    Foto: colourbox.de
  • Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) warnt auf ihrer Internetseite: «Wenn ein Kind mit neun oder zehn Jahren noch nicht sicher schwimmen kann, müssen die Eltern aktiv werden. Das heißt: Selbst mit dem Kind üben oder es zum Schwimmkurs schicken.»

    Foto: colourbox.de

"Die Menschen überschätzen sich", erklärte Michael Grohe vom DLRG jüngst in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk. Gleich mehrere Aspekte würden Seen und Flüsse oft gefährlich machen. Zum einen seien die Strömungen nicht zu unterschätzen. Auch in flachen Gewässern könne diese die Schwimmer und Badenden mitreißen. Unübersichtliche Uferbeschaffenheiten oder Unterwasserpflanzen seien ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Traurige Statistik

In Baggerseen seien oft noch technische Anlagen versteckt. "Beim Kopfsprung ins Wasser wird es richtig gefährlich" warnt Michael Grohe von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). In Flüssen oder Kanälen käme oft der Schiffsverkehr als Gefahr hinzu.

Im Jahr 2019 sind - laut Statistik der DLRG - 417 Menschen in Deutschland ertrunken. Alleine 65 davon in Nordrhein-Westfalen. Die DLRG befürchtet für dieses Jahr einen Anstieg der Badeunfälle.

Nachrichten-Ticker