Unsere Leser berichten
So läuft das Homeschooling im Münsterland

Münsterland -

Beim Oberverwaltungsgericht NRW in Münster sind mehrere Klagen von Eltern eingegangen, die auf durchgängigen Präsenzunterricht in den Schulen pochen. Doch wie klappt es eigentlich mit dem Lernen zuhause? Wir haben unsere Leserinnen und Leser gefragt.

Freitag, 05.06.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 16:58 Uhr
Symbolbild: Homeschooling ist umstritten. Bei vielen klappt es gut, bei anderen nicht. Foto: Colourbox.de

Die Coronakrise sorgte dafür, dass wochenlang die Schulen geschlossen blieben. Vereinzelt dürfen die Schüler inzwischen - an einzelnen Tagen - wieder in den Unterricht, Grundschüler in den letzten beiden Wochen vor den Sommerferien sogar komplett. Doch noch ist für Schüler jeden Alters Lernen von zuhause angesagt. Dass reines Homeschooling keine Dauerlösung ist, da sind sich alle einig. Und doch gehen die Meinungen hierzu weit auseinander. Bei einigen klappt es ganz gut, bei anderen ist das Gegenteil der Fall, wie Leser unserer Zeitung berichten.

"Die Ansprechbarkeit der Lehrer ist katastrophal"

Sandra Wilfling hat große Probleme mit dem Homeschooling. Ihre drei Kinder im Alter von zehn, zwölf und 15 Jahren könnten nicht betreut werden, da sie und der Vater berufstätig sind, schreibt die Münsteranerin auf Facebook. "Wir können nicht einfach frei machen", berichtet Wilfling. Ihre Kinder würden die Aufgabenpläne nicht wirklich strukturiert bearbeiten können, da ein Ansprechpartner bei aufkommenden Fragen fehlen würde. "Sie sollen eigenständig Dateien zu den Schulen versenden, was den Jüngeren nicht gelingt. Desweiteren fehlt es an der Disziplin, sich an den Schreibtisch zu setzen und strukturiert die Pläne zu bearbeiten. Die Ansprechbarkeit der Lehrer ist katastrophal, außer bei dem Grundschüler, dessen Lehrerin sich telefonisch mehrfach gemeldet hat. Von den Lehrern der weiterführenden Schulen ist nichts zu hören und zu sehen", kritisiert die Mutter und zieht das Fazit: "Eltern können keine Lehrer ersetzen, schon gar nicht, wenn sie beide täglich arbeiten."

"Auch nicht die Ursache dieser Pandemie"

Corinne Chavand-Rottmann hingegen berichtet von überwiegend engagierten Lehrern: "Die meisten Lehrer haben E-Mails beantwortet und die Schüler sehr gut betreut (...) und waren von früh Morgens bis spät Abends erreichbar. Die Lehrer sind auch nicht die Ursache dieser Pandemie, sondern versuchen, so gut es geht, ihre Arbeit zu erledigen."

Auch Miriam Reiche ist zufrieden mit dem Homeschooling. Die Lehrer hätten strukturiert Aufgaben in angemessenem Umfang über unterschiedlichste Programme verschickt und kontrolliert. Auch Videokonferenzen seien mit ihrem Kind abgehalten worden und es gäbe immer das Angebot, Fragen und Probleme zu besprechen. "Unser Kind genießt es, sich zu Hause in Ruhe mit den Themen zu beschäftigen, ohne Streit mit Schulkameraden etc.", sagt die Lüdinghausenerin, die aber relativiert und einwirft, dass sie - anders als andere Eltern - den großen Luxus besitze, sich im Homeoffice auch um das Kind kümmern zu können. Klar sei, dass aber auch die Eltern die Schule nicht komplett ersetzen könnten. Es sei aber halt eine besondere Situation, "aus der wir das Beste machen müssen".

"Schule als Hochsicherheitstrakt"

Der Situation ist sich auch Frank Volk bewusst und auch er habe viel Verständnis. Und doch ist der Duisburger überhaupt nicht zufrieden mit der Situation. "Mein Sohn darf auf den Spielplatz, ins Schwimmbad, in den Freizeitpark, zum Sportverein, in den Zoo, zum Wasserski oder zum Klettern. Er darf sich mit bis zu neun anderen Kindern treffen und zum Beispiel Kontaktsport betreiben", schreibt er. Schulen hingegen seien zu Hochsicherheitstrakten ausgebaut worden und ein "letztes Feigenblatt". Das sei absurd und grotesk. "Ich wette, dass ich mit meinem Sohn ein Fußballstadion mit mindestens 10.000 Zuschauern besuchen werde, bevor in der Schule ansatzweise Normalbetrieb herrscht."

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