Gemeinschaftshauptschule entlässt letzten Jahrgang
Eine Ära geht zu Ende

LÜDINGHAUSEN -

Nach 52 Jahren geht die Ära der Gemeinschaftshauptschule in Lüdinghausen zu Ende. Am Freitag werden die Abschlusszeugnisse an den letzten Jahrgang der Zehntklässler verteilt.

Donnerstag, 11.06.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 06:30 Uhr
Nach mehr als fünf Jahrzehnten entlässt das Team der Gemeinschaftshauptschule Lüdinghausen am Freitag den letzten Jahrgang. Die Schule läuft nach 52 Jahren Bildungsarbeit aus. Foto: privat

Zum letzten Mal werden am Freitag (11. Juni) die Abschlusszeugnisse an der Gemeinschaftshauptschule verliehen, danach schließt die Schule endgültig ihre Pforten. Sie ist dann „ausgelaufen“ und überlässt ihren Standort der Sekundarschule.

52 Jahre vorher, zu Beginn des Schuljahres 1968/69, hatte die Gemeinschaftshauptschule nach zähem Ringen zwischen Stadt und Land und nach vergeblichem Bemühen von 181 antragsberechtigten Eltern auf Errichtung einer katholischen Hauptschule ihren Platz in der ursprünglichen Ludgerischule an der Tüllinghofer Straße gefunden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Gemeinschaftshauptschule startete mit 16 Klassen und platzte aus allen Nähten, weshalb zunächst zwei Klassen in den Räumlichkeiten der Paul-Gerhard-Schule untergebracht werden mussten. Notwendige Erweiterungsmaßnahmen mit einem Umfang von elf weiteren Klassen, einer Halle und Werkräumen wurden in den Jahren von 1970 bis 1972 umgesetzt und schlossen einen Umbau des vorhandenen Teils des Gebäudes mit ein, indem die Verwaltungsräume verlegt und naturwissenschaftliche Räume eingerichtet wurden.

Verbindungsbau zwischen der Real- und Gemeinschaftshauptschule

1977 wurden dann zusätzlich zwei Pavillons mit je zwei Klassenräumen errichtet. Als 2001 die Stadt Lüdinghausen für die Gemeinschaftshauptschule und die benachbarte Realschule ein Defizit von elf Räumen errechnete und die vier Pavillonklassen aufgrund ihres Alters als „abgängig“ eingestuft wurden, begannen die Planungen für einen zehn Klassenräume umfassenden Schulneubau als Verbindungsbau zwischen der Realschule und der Gemeinschaftshauptschule, der nach gut einjähriger Bauzeit Anfang 2004 bezugsfertig war.

Fünf Jahrzehnte lang leistete die Gemeinschaftshauptschule Lüdinghausen zunächst unter der Leitung von Hubert Erb, dann unter Heiner Weber, danach unter Judith Hüttmeier (Midboe), später unter Gertrud Derpmann und gegen Ende unter Bärbel Richter-Orlowski und Sandra Brüggemann erfolgreiche und anerkannte Bildungs- und Erziehungsarbeit. Nicht zu vergessen sei die ehemalige Konrektorin Monika Seidler, die in diesem Amt und zwischenzeitlich als kommissarische Leiterin ihren Beitrag zum erfolgreichen Schulleben leistete.

Vorreiterin für andere Schulformen

Oft war die Schule Vorreiterin für neue Wege, die heute auch für andere Schulformen selbstverständlich sind – so wie die Entscheidung, die Schüler der neunten und zehnten Klasse durch Praktika Einblicke in die Arbeitswelt gewinnen zu lassen und damit die eigene Berufswahl sicherer zu machen.

Zu Zeiten, in denen die Gemeinschaftshauptschule in allen Jahrgangsstufen vierzügig besetzt war, besuchten circa 600 Schüler die Schule. Klassentreffen zeigen, dass die Gemeinschaftshauptschule vielen Schülern das Rüstzeug für ein erfolgreiches Berufsleben mitgegeben hat. Mit Stolz blicken sie als Unternehmer, Meister, Ausbilder, Angestellte und gefragte Handwerker auf ihre Hauptschulzeit zurück.

Kein sang- und klangloses Ende

Nach der Entscheidung der Stadt Lüdinghausen für die Sekundarschule wurde ab Sommer 2015 die Gemeinschaftshauptschule auslaufend gestellt. Weil keine neuen Fünfer-Klassen mehr aufgenommen wurden, reduzierte sich die Anzahl der Jahrgänge in den folgenden fünf Jahren jeweils um einen Jahrgang. Im aktuellen Schuljahr wurden nur noch Zehntklässler unterrichtet, und diese werden am Freitag als letzte Schüler der Gemeinschaftshauptschule Lüdinghausen entlassen. Damit geht eine Ära zu Ende.

Ganz sang- und klanglos soll das Ende der Gemeinschaftshauptschule nicht besiegelt werden. Ein Vorbereitungsteam möchte das bevorstehende Auslaufen zum Anlass nehmen, alle Ehemaligen, die die Gemeinschaftshauptschule Lüdinghausen in den vergangenen fünf Jahrzehnten mitgeprägt haben, zusammenzubringen und das Ende in einem gebührenden Rahmen feierlich zu begehen.

Wegen der Corona-Pandemie wird der eigentlich für den letzten Schultag vor den Sommerferien geplante Termin auf den Herbst 2020 verschoben. Die Einladungen dazu werden noch in dieser Woche verschickt, teilen die Organisatoren mit und hoffen laut Pressebericht sehr darauf, dass dann wieder Treffen in größeren Gruppen möglich sind.

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