IHK-Konjunkturbarometer
Jeder dritte Betrieb plant Personalabbau

Münster -

Die Stimmung bei den Unternehmen im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region ist auf dem Tiefpunkt. Umsatz-, Nachfrage- und Investitionsrückgänge bestimmen das Bild quer über alle Branchen hinweg. Nun droht in vielen Betrieben der Verlust von Arbeitsplätzen.

Mittwoch, 10.06.2020, 18:25 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 19:02 Uhr
Dr. Benedikt Hüffer, Präsident der IHK Nord Westfalen Foto: Roman Mensing

Die Folgen der Corona-Pandemie machen den Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region schwer zu schaffen. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbarometer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen hervor, das am Mittwoch in Münster vorgestellt wurde. Die wirtschaftlichen Aussichten beurteilen die Befragten darin branchenübergreifend so pessimistisch wie noch nie: Für das Jahr 2020 erwarten fast 80 Prozent der Unternehmen einen Umsatzrückgang, mehr als die Hälfte sogar im zweistelligen Prozentbereich.

Die Industrie geht zudem von einem Exporteinbruch um mehr als 50 Prozent aus. „Die wirtschaftliche Entwicklung befindet sich auf einem historischen Tiefpunkt nach dem Zweiten Weltkrieg“, ordnete IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer die Lage ein.

Kurzarbeit und Konjunkturpaket helfen

Zwar ist die Arbeitslosenquote zwischen Mai 2019 und März 2020 in der Region verhältnismäßig moderat von 6,2 auf 7,3 Prozent gestiegen, allerdings plant mehr als jedes dritte Unternehmen im IHK-Bezirk in nächster Zeit Personal abzubauen. Die Zahl der Kündigungen wäre bereits jetzt sehr viel höher, wenn es das Instrument der Kurzarbeit und das umfangreiche Konjunkturpaket der Bundesregierung nicht gäbe. Beides lobte Hüffer als „richtige Maßnahmen“. Den bis Ende des Jahres beschlossenen gesenkten Mehrwertsteuersatz bewertete er ebenfalls positiv. „Allerdings wäre ein Zeitraum von ein bis zwei Jahren aufgrund der schwierigen Umstellung sinnvoller.“

Das Außergewöhnliche im Vergleich zu früheren Krisen ist, dass Industrie, Handel und Dienstleistungssektor von den Folgen des Lockdowns in der Corona-Krise gleichermaßen betroffen sind. Lediglich im Baugewerbe bewerte die Mehrheit (fast 60 Prozent) der im IHK-Konjunkturbarometer befragten Betriebe die Geschäftslage als gut.

Jeder Fünfte in Kurzarbeit

Im Vergleich zur Finanzkrise 2008/2009 meldeten zuletzt hingegen zehnmal mehr Unternehmen Kurzarbeit an. In der Region sind rund 22 000 Betriebe mit 284 000 Mitarbeitern betroffen. Das ist etwas mehr als ein Drittel aller Beschäftigten. Wie viele davon tatsächlich in Kurzarbeit gehen, könne man zwar nicht sicher sagen, die IHK geht aber von etwa 15 bis 20 Prozent der Arbeitnehmer aus.

Trotz der eingetrübten Aussichten präsentierte Hüffer auch gute Nachrichten: Lediglich 22 Prozent der befragten Unternehmen klagen aufgrund der Umstände über Liquiditätsengpässe, nur zwei Prozent sind insolvenzgefährdet. „Dies spricht für die Krisenfestigkeit unseres heimischen Mittelstands“, betonte der IHK-Präsident.

Keine schnelle wirtschaftliche Erholung

Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft teilt Hüffer indes nicht. „Es ist nicht so, dass wir in eine V-Bewegung reinkommen, in der es schnell wieder aufwärts geht. Wir rechnen eher mit einem U, also einer Talsohle, von der man nicht weiß, wie lange diese anhält.“ Gestützt wird das durch die Pläne der Unternehmen, Investitionen zurückzustellen. Jeder zweite Betrieb verschiebt diese auf einen späteren Zeitpunkt.

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