Kreisverband äußert sich zum erneuten Lockdown
SPD kritisiert Tönnies, Behörden und Landesregierung

Kreis Warendorf -

Nach dem erneuten Lockdown wirft der SPD-Kreisverband den Verantwortlichen mangelnde Kompetenz vor.

Mittwoch, 24.06.2020, 18:22 Uhr
Üben nach dem erneuten Lockdown Kritik am Unternehmen, der Verwaltung und der Landesregierung (v.l.): Bernhard Daldrup, Dennis Kocker und Annette Watermann-Krass. Foto: SPD Kreisverband Warendorf

„Die Menschen im Kreis sind zurecht wütend und sauer auf die Firma Tönnies. Während wir alle uns an die Verhaltensregeln gehalten haben, führt das Versagen des Unternehmens zu einer erneuten, massiven Einschränkung der Lebensqualität in unserem Kreis“, so Landratskandidat Dennis Kocker, der laut einer Pressemitteilung wie die Landtagsabgeordnete Annette Watermann-Krass und der Bundestagsabgeordneter Bernhard Daldrup den Unmut der Bevölkerung sehr gut nachvollziehen könne.

Warum wurde hier nicht schon viel eher eingegriffen?

SPD-Landratskandidat Dennis Kocker

Kritisch sieht Kocker zudem die langsamen Reaktionen in den Schlachtbetrieben in der Umgebung: „Die Unterbringung in diesen Fabriken ist kein neues Problem und seit Langem bekannt. Warum wurde hier nicht schon viel eher eingegriffen? Spätestens nach dem Ausbruch in Coesfeld vor mehreren Wochen hätte etwas passieren müssen!“

Der SPD-Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup nimmt die Koordination zwischen den benachbarten Landkreisen ins Visier: „Wer öffentlich verkündet, ,CDU kann Pandemie’, muss sich die Frage nach der Kooperation gefallen lassen.“ In den betroffenen Landkreisen könne die Frage gestellt werden, ob die Signale nach den Befunden bei Westfleisch in Coesfeld wahrgenommen wurden, ob rechtswidrige Wohnverhältnisse geduldet wurden, kurzum: ob die Ordnung –, Gesundheits – und Bauverwaltung aufmerksam genug gegenüber der Firma Tönnies und ihren zahlreichen Subunternehmen waren.

Für viele Menschen offenbart sich jetzt erst das kranke System unserer Fleischindustrie.

Annette Watermann-Krass, SPD-Landtagsabgeordnete

„Für viele Menschen offenbart sich jetzt erst das kranke System unserer Fleischindustrie. Es ist erschütternd, dass es eine Pandemie braucht um die Missstände in diesem Bereich aufzuzeigen“, so Annette Watermann-Krass.

Kritik am Ministerpräsidenten

Erschütternd ist es für die drei SPD-Politiker auch, dass Ministerpräsident Armin Laschet sich zunächst aus der Verantwortung gezogen habe. „Der Lockdown wurde bis zuletzt hinausgezögert, weil man das Problem bei den Werkvertragsarbeitern von Tönnies sah, die in ihren derzeitigen Wohnorten nicht gemeldet sind“, heißt es in der Pressemitteilung. „Laschet hat die Augen verschlossen und sich seine Sündenböcke gesucht. Er hat uns gezeigt, dass er die Lage nicht im Griff hat.“ Auch die Bürgermeister seien allein gelassen worden, sie müssten sich den Herausforderungen vor Ort ohne die Hilfe von Bund und Land stellen. „Jetzt müssen es die unschuldigen Bürgerinnen und Bürger in den Kreisen Warendorf und Gütersloh ausbaden.“

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