Ambulanter Kinderhospizdienst braucht Unterstützung
„Elefantenpost“ als Trostpflaster

Kreis Warendorf -

Corona bringt vieles zum Stillstand – insbesondere in der Begleitung schwerkranker Kinder. Dabei braucht der Ambulante Kinderhospizdienst dringend Hilfe.

Mittwoch, 01.07.2020, 06:18 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 08:36 Uhr
Den gesunden Geschwisterkindern Zeit widmen – das ist eine Aufgabe, die der Kinderhospizdienst übernimmt. Foto: Beate Kopmann

Es ist immer noch Ausnahmezustand. „Einige Familien wollen wegen Corona nicht von uns betreut werden“, sagt Martina Abel vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Hamm. Nachvollziehen kann sie diese Entscheidung. „Wir begleiten Kinder und Jugendliche, die das Virus nicht überstehen würden“, sagt die Koordinatorin des Hospizdienstes, der Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen und ihre Familien betreut.

Wir begleiten Kinder und Jugendliche, die das Virus nicht überstehen würden.

Landrat Dr. Olaf Gericke

Von Mitte März bis Mitte Mai sei der Kontakt ausschließlich über Telefon gelaufen. „Außerdem haben wir unsere Elefantenpost verschickt. Die ist bei den Kindern sehr gut angekommen und war für viele ein echter Trost“, erzählt Abel. Der Elefant, so erläutert sie, sei das Wahrzeichen der Stadt Hamm.

Mütter oft in einem Dilemma

Nach einem strengen Hygienekonzept habe man inzwischen wieder mit der Arbeit in den Familien begonnen. Viele Mütter hätten von Konflikten erzählt. „Um das kranke Kind zu schützen, war Isolation das beste. Gesunde Geschwister haben aber umso mehr unter dem Stubenkoller gelitten. Die Mütter waren in dem Dilemma, sich für oder gegen ein Kind entscheiden zu müssen.“

Auch zögerten viele Familien, ihr Kind wieder zur Förderschule zu bringen – aus Angst vor Ansteckung bei größeren Menschenmassen. Dass in der Corona-Krise viele Bürger über Isolation klagten, habe eine Mutter so kommentiert: „Willkommen in unserer Welt. Bei uns ist das seit Jahren schon so. Wer hält unsere Kinder denn aus?“

Aber es gibt sie: Ehrenamtliche, die Zeit mit den Familien verbringen. Ein im Februar gestarteter Kursus zur Qualifizierung soll im August fortgesetzt werden. Neue Teilnehmer könnten noch dazustoßen. Gebraucht wird außerdem ein neues Quartier (möglichst ohne Mietkosten), weil das zuletzt genutzte Seniorenheim in der Corona-Krise nicht mehr genutzt werden darf.

Kinderhospiz sucht Quartier für Schulung der Ehrenamtlichen

Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Hamm begleitet Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen und ihre Familien. Ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen die Familien – in der Regel einmal wöchentlich für zwei bis drei Stunden. Die Ehrenamtlichen werden regelmäßig fortgebildet und haben einmal monatlich ein Treffen. Fachkenntnisse werden für diese Aufgabe nicht benötigt, wohl aber Offenheit Menschen gegenüber. Ende Februar begann ein Vorbereitungskursus (90 Stunden), der wegen der Corona-Krise unterbrochen wurde. Der Kursus soll ab August fortgesetzt werden. Allerdings kann er wegen der Corona-Regeln nicht mehr im Seniorenheim Kloster zum Heiligen Kreuz in Freckenhorst stattfinden. Der Kinderhos­pizdienst sucht daher ein neues Quartier – am besten ohne Miete zahlen zu müssen. Wer Räume zur Verfügung stellen oder sich vorstellen kann, für den Kinderhospizdienst zu arbeiten, erhält Informationen unter hamm@deutscher-kinderhospizverein.de. sowie ' 01 70 / 2 19 69 17.

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