Umfrage
Angst vor Ansteckung sitzt tief

Lengerich -

Die Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19, egal ob durch Mitpatienten oder Personal, sitzt bei Menschen tief, wenn sie an einem möglichen Krankenhausaufenthalt denken. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Helios-Konzerns zeigt auf, dass auch die Sorge, nicht von Angehörigen besucht werden zu dürfen, zu den Problemenfeldern gehört.

Dienstag, 07.07.2020, 06:19 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 06:54 Uhr
Trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen: Zahlreiche Patienten haben Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 im Krankenhaus. Foto: Michael Baar

Die Angst vor der Ansteckung mit dem Coronavirus hält immer noch Menschen davon ab, bei einem medizinischen Notfall das Krankenhaus aufzusuchen. Knapp jeder Fünfte würde überhaupt nicht oder nur bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung eine Notaufnahme aufsuchen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Helios-Konzern vom Marktforschungsinstitut Forsa hat durchführen lassen.

Zahlen, die auch auf die Helios-Klinik Lengerich zutreffen, wie Janine Koop bestätigt. Das gelte nicht nur für die Notaufnahme. Fast ein Drittel der Befragten mache sich heute mehr Sorgen als früher. Dabei gehe es um die Angst vor einer Ansteckung durch Mitpatienten oder das Klinikpersonal, ergänzt sie im Telefonat mit den Westfälischen Nachrichten. „Bei älteren Menschen kommt hinzu, dass sie befürchten, dass Angehörige möglicherweise nicht zu Besuch kommen dürfen“, so die Klinik-Mitarbeiterin.

Gerade bei älteren Menschen gibt es die Angst, dass Angehörige sie nicht besuchen dürfen.

Janine Koop, Helios-Klinik Lengerich

Strikte Regeln

Auch wenn die Kliniken in Deutschland schrittweise auf dem Weg zu einer neuen Normalität nach Corona sind: An der Martin-Luther-Straße gelten unverändert strikte Regeln für den Besuch von Patienten. „Ab dem dritten stationären Tag darf jeder Patient einen Besucher pro Tag empfangen und das für maximal 30 Minuten“, erläutert sie das Konzept in der Helios-Klinik Lengerich. Das so vorgegangen werde, haben einen einfachen Grund: „Wir sind ein Krankenhaus, in dem Kranke und Schwache untergebracht sind. Die müssen geschützt werden.“

Das fange schon bei der Aufnahme an. Jeder Patient werde vor der stationären Aufnahme getestet und bis zum Vorliegen eines Ergebnisses in einem Einzelzimmer untergebracht. So werde, unabhängig davon, ob jemand Symptome zeige oder nicht, vorgegangen.

Test vor stationärer Aufnahme 

Absagen von geplanten Operationen habe es in den vergangenen Monaten gegeben. Immer wieder sei als Begründung genannt worden, dass der Patient keinen Besuch empfangen dürfe oder Angst vor eines Ansteckung mit Covid-19 habe, ergänzt Janine Koop.

Herauszufinden, welche Sorgen und Ängste Patienten beschäftigen, wenn es um eine Behandlung im Krankenhaus geht, war einer der Gründe für die Befragung von deutschlandweit repräsentativ ausgewählten 400 Personen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Hat der Besuch in einer Klinik möglicherweise heute eine andere Bedeutung für sie als vor Covid-19? Auch das wollte Helios als nach eigenen Angaben Deutschlands größter Klinikbetreiber wissen..

„Es ist verständlich, dass Patientinnen und Patienten viele Ängste haben. Darauf haben wir uns bei Helios eingestellt. Wir haben heute ein umfangreiches Wissen, um unsere Kliniken sicher zu machen und eine Weiterverbreitung des Virus zu vermeiden. Sicherheit steht bei uns an erster Stelle, dafür haben wir ein komplexes Sicherheitskonzept ‚Sicherheit mit System – 10 Punkte für Ihre Gesundheit‘ eingeführt und informieren unsere Patienten transparent. Denn die Angst vor einem Klinikbesuch kann fatale Folgen haben, zum Beispiel, wenn ein leichter Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht schnell und sicher behandelt wird“, sagt Franzel Simon, Vorsitzender der Helios Geschäftsführung.

Die Angst vor einem Klinik-Besuch kann fatale Folgen haben, wenn Erkrankungen nicht schnell und sicher behandelt werden.

Franzel Simon, Vorsitzender Helios Geschäftsleitung

Konkrete Maßnahmen

Das Helios Sicherheitskonzept umfasst zehn konkrete Maßnahmen für alle 86 Kliniken des Unternehmens. „Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen unser Sicherheitskonzept deutlich. Wir haben vor der schrittweisen Wiederaufnahme der Elektiveingriffe (Anmerkung der Redaktion: ein nicht zwingend erforderlicher chirurgischer Eingriff) drei Farbbereiche in unseren Kliniken eingeführt – grün für Patienten ohne Corona-Risiko, gelb für Patienten mit ungeklärtem Corona-Risiko und rot für Patienten, bei denen eine Infektion mit dem Corona-Virus nachgewiesen wurde.

Wer in welchen Bereich kommt, klären wir bei einer Vorab-Anamnese durch unsere Ärzte per Telefon“, erklärt Professor Dr. Andreas Meier-Hellmann, Geschäftsführer Medizin bei Helios. Für noch mehr Gewissheit sorge, wie beschrieben, der Abstrich bei jedem stationären Patienten. Die Helios-Klinik Lengerich testet seit April bei Aufnahme alle stationären Patienten.

Häufiges Lüften sorgt für ein Sicherheitsgefühl

Für einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus fordern fast alle Teilnehmer der Forsa-Befragung (92 Prozent) eine klare räumliche Trennung von Corona-Patienten. Neun von Zehn (89 Prozent) sehen einem Krankenhausaufenthalt zudem angstfreier entgegen, wenn es ausreichend Desinfektionsmöglichkeiten gibt. Für 82 Prozent sorgt das häufige Lüften der Zimmer für ein sicheres Gefühl.

Die Umfrage wurde von Forsa im Auftrag von Helios im Juni 2020 unter 400 repräsentativ ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 40 bis 60 Jahren durchgeführt. Alle Fakten um Helios-Sicherheitskonzept und zur Forsa-Umfrage unter www.helios-gesundheit.de/sicherheitskonzept.

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