Graffiti werden Besuchern präsentiert
Das Rathaus wird zum Kunsthaus

Nordwalde -

Das Rathaus ist zu einer einzigen „Ausstellung“ geworden: An zwei Tagen konnten Besucher einen Rundgang durch das verlassene Gebäude machen und sich einen Eindruck davon verschaffen, wie sich das Innere verändert hat. Denn in den vergangenen Wochen und Monaten waren dort Graffiti-Sprayer am Werk.

Montag, 06.07.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 19:30 Uhr
An zwei Tagen war das Rathaus für Besucher geöffnet. Rund 100 Personen schauten sich die zahlreichen Graffiti in dem alten Gebäude an. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Foto: Vera Szybalski

Von außen sieht das alte Rathaus aus wie immer. Wer das verlassene Gebäude aber betritt, dem scheint sich eine neue Welt zu eröffnen, die nichts mehr mit dem Alltag der Gemeindeverwaltung zu tun hat. Bürostühle, Schränke und Akten sind längst ausgeräumt, die Büros und Flure sind fast ausnahmslos leer. Stattdessen ziehen die Wände alle Blicke auf sich. Sie sind voll mit bunten Graffiti, Schriftzüge und Bilder in allen Farben bedecken die ehemals weißen Bürowände oder die Backsteine im Flur.

Jeweils für zwei Stunden am Freitag und Samstag konnten Interessierte noch mal einen (letzten) Blick in das Rathaus werfen und sich einen Eindruck von den Kunstwerken verschaffen. Geschaffen hat sie der Nordwalder Dorian Henrichmann in den vergangenen Wochen und Monaten mit Freunden und Bekannten sowie zuletzt auch dem Jugendparlament und Jugendlichen bei Workshops. Manche Graffiti wurden von Profis gestaltet, andere von Hobby-Sprayern, wieder andere von Anfängern. Das Rathaus-Innere ist zu einer „Ausstellung“ geworden. „Das sieht aus wie ein Kunsthaus“, sagte Bürgermeisterin Sonja Schemmann. „Ich finde es richtig toll.“

Positives Feedback von den Besuchern

Mit der Meinung war sie nicht alleine. Rund 100 Personen machten an den beiden Tagen einen Rundgang durch das Rathaus. „Ich habe nur positive Rückmeldungen gehört“, sagte Schemmann, die Freitag und Samstag vor Ort war. Um die Corona-Beschränkungen einzuhalten, mussten die Besucher im Rathaus einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Für den Ein- und Ausgang war eine Einbahnstraßenregelung aufgestellt worden. Die Tage der offenen Tür zog sämtliche Bevölkerungsschichten an, jüngere Nordwalder liefen ebenso durch das alte Gebäude wie ältere. „Die Resonanz war durchweg positiv“, sagte auch Henrichmann.

Graffiti-“Ausstellung“ im Rathaus

1/33
  • In den vergangenen Wochen und Monaten haben Profis, Hobby-Sprayer und das Jugendparlament das Nordwalder Rathaus umgestaltet: In fast allen Räumen und Fluren sind nun Graffiti zu sehen.

    In den vergangenen Wochen und Monaten haben Profis, Hobby-Sprayer und das Jugendparlament das Nordwalder Rathaus umgestaltet: In fast allen Räumen und Fluren sind nun Graffiti zu sehen.

    Foto: Vera Szybalski
  • Es sind vor allem Figuren und Schriftzüge entstanden - in diesem Fall sogar beides in einem Raum.

    Foto: Vera Szybalski
  • Auch die Treppe hat (ganz bewusst) Farbe abbekommen.

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Für die Graffiti im Rathaus wurden einige Spraydosen gebraucht.

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus: Im ehemaligen Büro der Bürgermeisterin haben Sven Hülskötter (l.), Sonja Schemmann und Dorian Henrichmann Platz genommen.

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski
  • Eindrücke von den Graffiti im Nordwalder Rathaus

    Foto: Vera Szybalski

Er hatte bei der Gemeinde angefragt, ob er das Rathaus für das Sprayen nutzen kann – und war auf offene Ohren gestoßen: „Wir haben das Rathaus dafür gerne zur Verfügung gestellt“, sagte Schemmann. „Es gab gar keine Diskussion im Verwaltungsvorstand. Wir wissen ja auch, dass Dorian das wirklich verantwortungsvoll macht.“

Ein stetiger Prozess

Egal, welchen Raum die Besucher am Wochenende betraten, überall warteten knallbunte Bilder oder Schriftzüge auf sie: Das Jugendparlament hatte in verschiedenen Zimmern Spuren hinterlassen. Eine Hommage an die Zeichentrickserie „Die Simpsons“ war ebenfalls im Rathaus zu finden und Totenköpfe waren gleich an mehreren Wänden zu sehen. Die vielen Schriftzüge waren nicht immer leicht zu entziffern. Deshalb hatten die Künstler bei einigen Graffiti kleine Schilder angebracht, auf denen zu lesen war, was an der Wand abgebildet ist.

Entstanden sind die Graffiti an vielen Tagen. „Das war ein stetiger Prozess“, sagte Dorian Henrichmann. „Wir waren immer mal wieder da, häufig nach dem Feierabend.“ Das Rathaus habe sich für das Sprayen einfach angeboten: „Man kann hier ja nichts mehr kaputt machen.“ Wie das alte Gebäude haben natürlich auch die Graffiti eine Art Haltbarkeitsdatum. Wenn das Rathaus abgerissen wird, verschwinden auch die bunten Bilder und Schriftzüge. Die Sprayer haben sich darauf vorbereitet: „Wir haben alles dokumentiert, mit vielen Fotos“, sagte Henrichmann. Dass die Graffiti nicht ewig bleiben, ist nichts Neues für die Sprayer: „Bei legalen Wänden sind die manchmal schon nach einem Tag weg.“ Im Rathaus konnten sich im Gegensatz dazu noch einige Nordwalder an den Graffiti erfreuen.

Nachrichten-Ticker