Fehlende Lehrer, fehlende Räume
Verbände zweifeln am „Regelbetrieb“

Düsseldorf -

Mehr Vorfreude war vielleicht nie bei Schülerinnen, Schülern und Eltern: Endlich wieder Schule. Endlich wieder Alltag. Alltag? Diese Erwartung treibt Maike Finnern Sorgenfalten auf die Stirn, weil immer noch von „Regelbetrieb“ gesprochen werde. Doch genau der werde in einigen Regionen nicht möglich sein.

Freitag, 07.08.2020, 20:50 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 20:52 Uhr
(Symbolbild) Foto: dpa

Die Voraussetzungen für den geforderten „Regelbetrieb“ stimmen nicht, meint Maike Finnern, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. „Es wird eine Menge Schulen geben, die es nicht schaffen werden, einen Regelbetrieb zu erreichen“, sagt Finnern. Örtlich seien kaum mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte einsetzbar. Und oft fehlten Räume, weil in alten Schulgebäuden die Fenster nicht geöffnet werden könnten.

Überhaupt: die Luft. Mit Masken im Unterricht kann sich die GEW-Chefin genauso wenig anfreunden wie viele Elternverbände. „100 Prozent Regelbetrieb bei null Prozent Konzentrationsfähigkeit“, meint die Landeselternschaft an Gymnasien bissig. Doch das Lüften in den Klassenräumen ist ohnehin alles andere als trivial: Forscher der TU Berlin empfehlen kurze Intervalle und häufigere Pausen, damit die Luft im Klassenzimmer ausgetauscht wird. Finnern unterstützt ihren Vorschlag, in jedem Raum eine CO-Ampel zu installieren. Die zeige sofort an, wenn Frischluft fehlt.

Allerdings kostet ein Gerät 30 Euro. Das immerhin wäre billiger, als große Gruppen von Schülern auf Corona zu testen, wie es die Landeselternschaft der integrierten Schulen fordert.

Viele Maßnahmen nicht umsetzbar

Aus denselben Gründen wie Finnern blickt auch ihr Kollege vom Verband Bildung und Erziehung, Stefan Behlau, „mit gemischten Gefühlen“ dem Schulstart entgegen. „Corona ist wie eine Lupe: Personalmangel, Raumnot und fehlende Ausstattung sind so deutlich wie nie zuvor“, sagt er. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) müsse darum deutlicher erklären, dass viel Wünschenswertes einfach nicht machbar sei unter Corona.

Die GEW-Vorsitzende wendet das auch auf die Frage des im Lockdown verpassten Lernstoffs an: Alles aufzuholen, indem das Tempo erhöht werde, könnten die Schüler in dieser Situation nicht leisten. „Man muss die Lehrpläne entschlacken.“ Die Anforderungen an die Schüler senke das nicht.

Nachrichten-Ticker