Karriere in New York
Sendener Bassist Andy Galore: Einmal „Heaven“ und zurück

Senden -

Am 21. August 2020 gibt Andy Galore ein Konzert im Sendener Cabriobad, und damit schließt sich gewissermaßen ein Kreis: „Die Bühne steht nur drei Meter entfernt von der Stelle, an der ich beschlossen habe, Bassist zu werden.“ Eine Entscheidung, die den Sendener weit hinaus in die Welt brachte. Und jetzt wieder zurück in die Heimat.

Sonntag, 09.08.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 09.08.2020, 16:28 Uhr
Da sitzt er nun im Sendener Eiscafé und erzählt von der großen, weiten Musiker-Welt: Andreas Wasielak, der als Bassist Andy Galore ein Star der New Yorker Musik-Szene wurde und unter anderem das Album „Out & about“ veröffentlichte. Foto: Gunnar A. Pier

Wenn Andy Galore, der vor seiner Hochzeit Andreas Wasielak hieß, ins Erzählen gerät, dann ist er Star und Fan zugleich. Er legte in New York eine steile Karriere hin und tourte mit Al Di Meola zwei Monate lang um die Welt. Ein Star. Aber er sieht sich selbst zugleich immer an der Seite von Musikern, die er bewundert. Mit denen er spielen durfte in den Kult-Clubs von New York City.

An diesem Sonntagvormittag sitzt er im Eiscafé „EisZeit“ schräg gegenüber der Volksbank in Senden und erzählt, wie all das begann. Aufgewachsen in Senden – „unglücklicherweise“, wie er gesteht. Nicht, weil es hier schlecht wäre, aber früh trieb ihn das Fernweh an. „Ich habe immer gewusst: Irgendwann komme ich hier raus!“

Als er elf Jahre alt war, lernte er seinen späteren besten Freund kennen. Der hatte zwei Brüder mit vielen Schallplatten. „Ich war vorher nicht so musikinteressiert“, sagt Galore. Aber als er Miles Davis, Carlos Santana und Mothers Finest kennenlernte, erwischte es ihn. Und als ihn jener beste Freund im Freibad fragte, ob er einen Bassisten für eine Band kennt, sagte der Elfjährige: „Nein – aber ich fange jetzt mit dem Bassspielen an!“

Karrierestart in Münster

Und das zog er dann durch. Regelmäßig trampte Andy nach Münster und klapperte die Musikläden ab. Bei „Schallwand“ sah er die Annonce eine Basslehrers, nahm im Kreuzviertel Unterricht und übte zu Hause mit dem Instrument, das seine Großmutter ihm spendiert hatte. „Ich saß nur noch auf dem Dachboden, mich hat keiner mehr gesehen.“

Mit Erfolg. Als er 18 wurde und endlich seine kleine Heimat verlassen konnte, bekam der Sendener eine Zusage vom American Institute of Music in Wien und begann dort ein Studium. „Das war das beste Jahr meines Lebens“, sagt der 47-Jährige. Er lernte Szene-Stars kennen – und die amerikanische Art der positiven Verstärkung. Ermutigen statt kritisieren – spätestens da war er mit Deutschland durch.

Amerika ruft

Und ging nach Amerika. Mit einem Bass und einem Koffer, mehr nicht, flog er nach New York. Über dem Atlantik flirtete er mit einer Stewardess und konnte bei ihr schlafen. Er bekam einen Platz an der New School University und studierte vier Jahre lang. „Für mich war das der absolute Heaven.“

In der Szene

In den folgenden Jahren geriet er immer mehr in die Szene. Er spielte in Hausbands verschiedener Clubs, tourte mit vielen Bands, lernte Jazz-Größen und Popstars kennen. „Ich habe den Ruf, dass ich mir ziemlich viele Sache ziemlich schnell drauf schaffen kann.“ Bei Al Di Meola spielte er kurz vor, das reichte für ein knappes „Willkommen in der Band“, vier Tage später begann die Welttournee. Ohne Proben, einfach los.

Parallel begann Andy Solo-Projekte, sicherte sich einen Plattenvertrag und erntete Kritikerlob für sein Album „Out & ­about“.

Konzert-Termine

Corona stoppte alles, doch so langsam kommen die ersten Konzerte zurück. Andy Galore hat Termine:

Senden: Am 21. August spielt er mit Freunden ein Open-Air im Ca­brio­bad und verspricht „eine interessante Mischung aus seinem internationalen Repertoire aus R’n’B, Blues, Jazz, Reggae & Pop“. 20 Uhr, 17 Euro, www.senden-westfalen.de

Summerevents: Im Rahmen der münsterischen Reihe tritt Galore am 22. August (17 Uhr) an der Hafenkäserei auf, www.summerevents.ms

...

Versuch in Berlin

2015 versuchte Ga­lore es noch einmal mit Deutschland. Aber die unfreundlichen Berliner, das trübe Wetter – nicht sein Ding. Er ging bald wieder nach New York, zog weiter nach Los Angeles, dann ins heiße Phoenix, Arizona. Vier Gigs pro Woche – „Ich habe noch nie so viel gespielt wie da.“

Doch dann kam das Coronavirus

Doch dann kam das Coronavirus. Alle Clubs dicht, kein Leben auf den Straßen. „Ich saß bei 45 Grad in meinem Appartement.“ Da kam der Entschluss zur Rückkehr. Vielleicht nur für einen Sommer, mal sehen, zurück zur Mutter in Senden. „Hier kann ich mich gut auf meine Musik konzentrieren“, sagt er. Erste Konzerte sind angesetzt, Galore plant eine Schulung-Website. „Es geht alles in Circles“, sagt er. Und dann überrascht er mit einem Satz, den der elfjährige Andreas Wasielak wohl nie über die Lippen gebracht hätte: „Das Münsterland ist wunderschön. Viele wissen das gar nicht zu schätzen.“ Stimmt, dann packt sie das Fernweh und sie ziehen in die weite Welt.

Nachrichten-Ticker