Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in Ahlen
Förderprogramme als Katalysator

Ahlen -

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, war am Donnerstag zu Gast in Ahlen. Bei dem Arbeitsgespräch im Rathaus ging es um das aktuelle Thema „Digitale Schule“ und weitere Fördermöglichkeiten.

Donnerstag, 27.08.2020, 14:40 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 12:27 Uhr
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung (2.v.r.), tauschte sich mit Bürgermeister Dr. Alexander Berger, dem CDU Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker und dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Peter Lehmann (v.r.) in lockerer Runde aus. Vertreter der Schulverwaltung saßen ebenso am Tisch. Foto: Christian Wolff

Noch am Montag wurde das Thema „Digitale Schule“ kontrovers im Fachausschuss diskutiert. Nur drei Tage später gibt die Bundesbildungsministerin dem lokalen Fortschritt persönlichen Anschub. Für einen Ortstermin im Ahlener Rathaus verzichtet Anja Karliczek sogar auf Termine im eigenen Steinfurter Wahlkreis.

„Mir ist der Schulterschluss zwischen Kommunen, Land und Bund wirklich wichtig“, begründet Karliczek ihren kurzfristigen Besuch. „Die Zusammenarbeit in der Krise läuft erstaunlich gut.“ Trotz aller Sorgen, die mit der Pandemie verbunden seien, habe die aktuelle Situation dafür gesorgt, im Sektor Digitalisierung Druck aufzubauen und Dinge zu beschleunigen. Förderpakete, über die sonst Jahre diskutiert wurden, seien mitunter innerhalb von 14 Tagen geschnürt worden.

Bürokratische Hürden überwinden

Und so ist das Arbeitsgespräch mit Bürgermeister Dr. Alexander Berger, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker und dem CDU-Stadtverbandschef Peter Lehmann sowie Vertretern von Schulverwaltung und Strukturförderung mit der guten Nachricht verbunden, dass die Wersestadt von einer Förderung über 323 180,98 Euro profitieren wird. Darüber hinaus erhalten St. Vinzenz (11 132 Euro) und St. Franziskus (13 162) ebenfalls zusätzliche Finanzmittel.

Das Gespräch dient nicht allein dem Austausch guter Nachrichten. Dinge, an denen es momentan noch hakt, werden ebenfalls angesprochen. Reinhold Sendker kritisiert unter anderem, dass es nach wie vor bürokratische Hürden gebe, die er unter anderem in Düsseldorf ausmache. Die Schulverwaltung gibt derweil einen Sachstand, warum die Anbindung der örtlichen Bildungseinrichtungen nicht im Eiltempo vonstatten geht und welchen Stellenwert bestimmte Schnittstellen haben. Die Bundesministerin hört gut zu und zeigt Verständnis.

„Schule wird sich radikal verändern. Bei aller Technik, die uns neue Möglichkeiten gibt, dürfen wir nicht vergessen, Kreativität und Empathie zu fördern“, sagt Karliczek. Es gebe viele Kinder, die weniger theoretisch, sondern durch Praxis lernen. „In Ahlen hat man genau das gemacht, was richtig ist. Man lässt die Schulen nicht allein und der Bürgermeister hat die Digitalisierung zur Chefsache erklärt.“ Seit 2017 laufe die Kompletterneuerung der Infrastruktur; moderne Endgeräte seien bestellt. Insofern, meint auch Dr. Alexander Berger, könne die Stadt durchaus als Blaupause für das dienen, was der Bund als technisch-pädagogisches Konzept fordere.

Lehrer und Schüler nicht mit IT-Problemen belasten

„Jeder soll das tun, was er kann. Lehrer sollen lehren, Schüler sollen lernen. Sie alle dürfen nicht auch noch mit IT-Fragen belastet werden“, so Berger. Insofern beruhige es ihn, dass Karliczek Flexibilität zugesagt habe, was die Mittelbeschaffung angeht. Bedeutet: Anträge können schon gestellt werden, bevor ein abschließendes Konzept vorgelegt ist. Auch Teilkonzepte seien förderfähig. „Solche Programme dürfen nicht zur Blockade werden, sondern müssen als Katalysator wirken.“ Das ermutige die Städte und Gemeinden, dieses Riesenthema ohne Sorgen anzugehen.

Peter Lehmann ist überzeugt, dass die Wersestadt in den vergangenen Monaten trotz der Krise viele Schritte nach vorne gemacht hat. Die Expertise der Bundespolitikerin bestätige dies. „Wir haben erst Anfang August auf die Probleme hingewiesen, die uns bei der Schuldigitalisierung umtreiben. Dass wir nicht nur Antworten bekommen, sondern so schnell persönlich an einem Tisch sitzen, finde ich großartig“, so der Stadtverbandschef.

Bund hat drei Säulen im Blick

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung lässt derweil durchblicken, dass sie wisse, welch schwierige Aufgabe im Moment bei den Kommunalpolitikern liegt. „Die Digitalisierung prescht in alle Lebensbereiche hinein, die Veränderungen sind massiv. Aber die föderale Struktur unseres Landes, die immer wieder kritisiert wird, sehe ich dabei durchaus als Mehrwert, um individuell reagieren zu können.“ Daher sei sie guten Mutes, dass auf diese Weise eine flächendeckende Umsetzung gelingen kann. Anja Karliczek erinnert dabei an die drei Säulen, die als Grundsystem für die Digitalisierung festgelegt worden sind: Pädagogischer Mehrwert, Lehrerweiterbildung und Geld für Infrastruktur.

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