Beifahrer soll bei Kontrolle in Reckenfeld auffällig geworden sein
Betrunken die Polizei provoziert?

Reckenfeld -

„Der Angeklagte hat penetrant versucht, unseren Einsatz zu stören.“ erläuterte der Polizeibeamte aus Greven vor dem Amtsgericht in Steinfurt.

Freitag, 28.08.2020, 11:30 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 09:43 Uhr

Alkohol kann bei einigen Menschen enthemmend wirken und zu Provokationen animieren. Ein 22 Jahre alter Reckenfelder war am Dienstag vor dem Amtsgericht Steinfurt angeklagt, sich während einer Polizeikontrolle gegen die Ordnungshüter widersetzt zu haben.

Am 9. Februar gegen 5 Uhr morgens wurde in Reckenfeld ein mit drei Personen besetzter Pkw von drei Polizeibeamten angehalten. Anlass war ein Hinweis aus der Dienststelle Greven, dass der Wagen vermutlich von einem Betrunkenen gesteuert wurde. Allerdings saß nun nicht der alkoholisierte Fahrer auf der Anklagebank, sondern der Beifahrer. Dieser soll im Laufe der Überprüfung die Polizisten ständig provoziert und zu einem Schlag ausgeholt haben. Ein Alkohol-Atemtest ergab umgerechnet 1,56 Promille.

„Wir haben lange diskutiert. Es kann natürlich sein, dass ich provoziert habe. Mir gegenüber hat man dann drei Mal einen Platzverweis ausgesprochen. Anschließend bin ich von einem Polizisten mit ‚Verpiss Dich‘ beschimpft und von ihm drei oder vier Mal geschubst worden. Dabei habe ich mich aber nicht gewehrt“, bestritt der gebürtige Borghorster die Andeutung eines Schlages. Der Angeklagte gab vor, nur selten Alkohol zu trinken: „Als ich von der Kneipe in Reckenfeld ins Auto gestiegen war, fühlte ich mich ganz gut. Als ich aber von der Polizei zur Wache nach Rheine gebracht wurde, stieg der Pegel zusehends“.

Sein Verteidiger wies das Gericht darauf hin, dass sich sein Mandant mittlerweile schriftlich bei der Polizei entschuldigt habe.

„Der Angeklagte hat penetrant versucht, unseren Einsatz zu stören. Ich habe ihm gesagt, wenn er nicht aufhört, wird er in der Zelle übernachten“, erläuterte ein 25 Jahre alter Polizeibeamter aus Greven. Der Hauptbelastungszeuge, ein 24 Jahre alter Polizist aus Emsdetten, informierte das Gericht darüber, dass er und seine Kollegen vor der Trunkenheitsfahrt bei einem tödlichen Verkehrsunfall waren. „Wir waren emotional noch sehr angegriffen und wollten eigentlich Feierabend machen“, schilderte der Beamte und bestätigte, dass er den Angeklagten mit flachen Händen weggeschoben, jedoch nicht beschimpft habe. „Niemals!“

Ob der Beschuldigte zum Schlag ausgeholt habe, daran konnte sich der Emsdettener nicht mehr erinnern. „Auf der Fahrt nach Rheine hat er mich beschuldigt, dass ich sein Portemonnaie und sein Handy an mich genommen hätte“, erklärte der Polizist und ergänzte, dass der Reckenfelder in weiter provoziert habe. Die schriftliche Entschuldigung des Angeklagten mehrere Monate nach dem Vorfall befand er als fadenscheinig. Da der dritte als Zeuge geladene Polizist zur Verhandlung nicht erschienen war und so nicht für weitere Aufklärung sorgen konnte, einigten sich Richterin, Staatsanwalt, Verteidiger und sein Mandant auf einen Kompromiss: Das Verfahren wurde eingestellt. Allerdings muss der Angeklagte seine eigenen Kosten selbst zahlen.

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