Drogenhandel im Darknet
Zwei „Verpacker“ stehen vor Gericht

Gronau/Münster -

Ihre mutmaßlichen Verfehlungen liegen über fünf Jahre zurück. Trotzdem müssen sich seit Dienstag zwei Männer vor dem Landgericht verantworten, weil sie beim Drogenhandel über das sogenannte Darknet geholfen haben sollen. Gleich am ersten Verhandlungstag waren sie geständig.

Mittwoch, 02.09.2020, 07:56 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 17:24 Uhr
Justizia Foto: dpa

Fünf Jahre, nachdem die Polizei ein Drogenversandnetz in Gronau und Burgsteinfurt aufdeckte, hat ein Ermittlungserfolg zu einem weiteren Strafverfahren am Landgericht Münster geführt. Seit Dienstag wird die Beteiligung zweier Männer aus Almeloe (26 und 27 Jahre alt) an der Dealer-Gruppe verhandelt. Die hatte erst von einer Wohnung an der Zollstraße in Gronau, dann von einem Ferienhaus am Drilandsee und zuletzt von einem Wohnhaus am Rosenweg in Burgsteinfurt aus Drogen per Post an Empfänger in verschiedenen Teilen der Welt geschickt. Die Drogen wurden über das sogenannte Darknet angeboten.

Die beiden Angeklagten sollen ab April 2015 für mehrere Wochen bei der Portionierung angelieferter Drogen aus den Niederlanden, beim Verpacken und beim Versand der Bestellungen in Luftpolstertaschen über öffentliche Briefkästen geholfen haben. Beide befinden sich Untersuchungshaft.

In der ersten Aprilhälfte 2015 war eine ähnliche Tätergruppe in einer Wuppertaler Wohnung aufgeflogen – fünf Personen wurden verhaftet. Ihr niederländischer „Kopf“ heuerte daraufhin neue Helfer speziell im Münsterland sowie in grenznahen Orten der Niederlande an, darunter die Angeklagten. Sie haben ihre Beteiligung am Dienstag weitestgehend eingeräumt.

Der Jüngere hat ein Vakuumiergerät bedient, um Drogen einzuschweißen. Der Ältere machte die „Ware“ versandfertig. Die beiden hätten zur „Verpackungseinheit“ des Netzwerks gezählt, formulierte es der Staatsanwalt in der Anklage. Der niederländische Organisator des Netzwerks bot die illegalen Substanzen im Darknet auf sogenannten Marktplätzen („market places“) an. Er wurde am 30. April 2015 festgenommen.

Am 1. Juli 2015 war die Drogen-Station in Steinfurt aufgeflogen. Die heute 27-Jahre alte „Chefin“ der Verpacker wurde später wegen illegalen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, ein weiterer Mittäter der Gruppe zu elf Jahren. Sie erklärte am Dienstag als Zeugin, dass die beiden Angeklagten die Gruppe relativ früh verlassen hätten. Ermittler hatten anhand von sichergestellten Listen errechnet, dass das Netzwerk in den Wochen seines Drogen-Handels 3882 „Einzelbestellungen“ abgewickelt habe, sagte der Staatsanwalt, mit unter anderem 3,3 Kilogramm Kokain und 49 Kilogramm Ecstasy.

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