Stadt zieht Reservierungen im „Kohkamp“ zurück
Schock für Bauwillige

Albersloh -

Die Post, die einige im „Kohkamp“ Bauwillige in der vergangenen Woche aus dem Briefkasten zogen, ließ ihnen den Schreck in die Glieder fahren. „Eine Woche vor dem Notartermin zum Grundstückskauf teilt uns die Stadt mit, dass sie die Reservierung des Grundstücks im Kohkamp zurücknehmen müsse“, erklärt ein Betroffener. Für ihn ein Desaster. Nun wird nach Lösungen gesucht.

Montag, 07.09.2020, 16:35 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 17:21 Uhr
In dieser Woche wollten einige der Betroffenen notarielle Kaufverträge abschließen. Doch daraus wird nach der Rücknahme der Reservierungsvereinbarung durch die Grundstücksgesellschaft erst einmal nichts. Nun soll der Rat erneut beraten. Foto: Annette Metz

Die Post, die einige im „Kohkamp“ Bauwillige in der vergangenen Woche aus dem Briefkasten zogen, ließ ihnen den Schreck in die Glieder fahren. „Eine Woche vor dem Notartermin zum Grundstückskauf teilt uns die Stadt mit, dass sie die Reservierung des Grundstücks im Kohkamp zurücknehmen müsse“, erklärt ein Betroffener. Das sei ein Desaster, so der Bauwillige. Man habe schon die Finanzierung mit der Bank geklärt, Architekten beauftragt, Hausverträge geschlossen. Als Grund seien „ausschließlich unternehmensinterne Gründe“ genannt worden, teilt der Betroffene in einem Telefonat mit dieser Zeitung mit.

Ja, bestätigt Klaus Neuhaus als Vertreter der Grundstücksgesellschaft Sendenhorst mbH. Die betroffenen Grundstücke, die im Bebauungsplan für Reihenhäuser vorgesehen seien, stünden für den Bau von Einfamilienhäusern nicht zur Verfügung. Mit diesem Thema habe sich der Stadtentwicklungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Dabei ging es darum, dass die Grundstücksgesellschaft dargelegt habe, dass es Probleme mit der Vermarktung der im „Kohkamp“ vorgesehen Reihenhaus-Bereiche gebe. Andererseits sei die Nachfrage nach Einfamilienhaus-Grundstücken groß. So habe die Grundstücksgesellschaft vorgeschlagen, aus dem Bereich für die Reihenhäuser ein Areal für Einfamilienhäuser zu machen. Dem allerdings sei der Ausschuss nicht gefolgt. Man habe daran festhalten wollen, dass über diese Reihenhäuser auch Bauwillige mit kleinen Budgets ein Eigenheim in Reihausform errichten können.

Darüber habe man die Interessenten im Anschluss informiert, erklärt Neuhaus. Er könne die Enttäuschung der Betroffenen verstehen, doch vor dem Notartermin könnten beide Seiten immer noch zurücktreten. Diese Möglichkeit sei anders herum von Bauwilligen auch schon wahrgenommen worden.

Während Neuhaus aber nun sagt, er habe in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses darauf hingewiesen, dass es schon konkrete Interessenten für die betroffenen Grundstücke gebe, die dort Einfamilienhäuser bauen möchten, zeigen sich nahezu alle Fraktionsvertreter von der Entwicklung überrascht.

Dies ist ein schlicht unfassbarer Sachverhalt, der in der Folge noch intern aufgearbeitet werden muss.

Hans Ulrich Menke

Auch sie wurden von betroffenen Kaufinteressenten über die Entwicklung informiert. Doch darüber, dass mit der Entscheidung für die Reihenhäuser Reservierungen platzen, sei man nicht informiert worden. Sowohl CDU, als auch SPD und BfA beantragten schon am Wochenende, das Thema auf die Tagesordnung der letzten Ratssitzung der Wahlperiode am kommenden Donnerstag zu setzen.

Im Namen der CDU beantragt beispielsweise Henning Rehbaum, den mehrheitlich gefassten Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt zum Bebauungsplans „Kohkamp“ erneut zu beraten. Klares Ziel der CDU sei es, den zehn betroffenen Bauherren, die im Vertrauen auf die bisherigen Aussagen der Grundstücksgesellschaft bereits Notartermine und Bankfinanzierungen organisiert hatten, durch eine kurzfristige Änderung des Bebauungsplans „Kohkamp“ den Bau ihres Hauses zuverlässig zu ermöglichen. Die an dieser Stelle ursprünglich vorgesehenen kostengünstigen Reihenhausgrundstücke sollten möglichst im weiteren Verlauf in einem anderen Bauabschnitt des „Kohkamps“ geplant werden.

Hans Ulrich Menke (BfA) sieht es genauso. Man habe sich im Ausschuss für die Beibehaltung der Reihenhäuser ausgesprochen, weil weder die Grundstücksgesellschaft noch die Verwaltung darauf hingewiesen hätten, dass sie bereits verbindliche Zusagen gemacht haben. „Dies ist ein schlicht unfassbarer Sachverhalt, der in der Folge noch intern aufgearbeitet werden muss.“

Christiane Seitz-Dahlkamp (SPD) erklärt: „Jetzt müssen wir Interessen abwägen – man kann die Bauwilligen nicht im Regen stehen lassen. Allerdings hatten wir ja eine Idee bei unseren Planungen: günstigeres und flächensparendes Bauen.“

Aus einem Telefonat mit Bürgermeister Berthold Streffing wusste Hans Ulrich Menke noch zu berichten, dass Streffing bestätigt habe, dass er das Thema für die Sitzung des Beirats in dieser Woche bereits vorgesehen habe. „Wir haben miteinander abgestimmt, dass ein gangbarer Weg wäre, im ersten Bauabschnitt die Einzelhausbebauung nun doch zuzulassen, und die Reihenhäuser für den zweiten Bauabschnitt vorzusehen.“ Sofern nicht auch dort bereits Zusagen gemacht wurden, ergänzt Menke.

KommentarHanebüchen!

Hanebüchen!
Hanebüchen! Was derzeit da über die Vermarktung der Grundstücke im „Kohkamp“ ans Licht kommt, wirft viele Fragen auf. Beispielsweise, wieso die Grundstücksgesellschaft Reservierungen für Grundstücke ausspricht, für die es zum Zeitpunkt der Absprache mit den möglichen Bauherren kein Baurecht gab – zumindest nicht für deren erklärte Vorhaben. Wie kann in einem Bereich, der für Reihenhausbebauung im Bebauungsplan ausgewiesen ist, eine Reservierung für ein Einfamilien- oder Doppelhaus erfolgen? Der Versuch, den B-Plan im Ausschuss noch im letzten Moment, kurz vor den Notarterminen, anzupassen, ist zunächst gescheitert. Warum? Wieder ein Problem der Kommunikation?
Den Schaden haben, sollte es bei der Entscheidung bleiben und der Rat zusammen mit der Verwaltung keinen Ausweg finden, die Häuslebauer, die sich auf die Reservierung verlassen haben. Denn ohne diese Reservierung ist kaum eine Finanzierung zu planen.
Wie schon gesagt: Hanebüchen! 

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