Einbruch in leerstehendes Wohnhaus im Steinweg vor Gericht
Butterbrotvariante war was Neues

Nienborg/Ahaus -

Ein 35-jähriger Nienborger war jetzt wegen gleich drei Vergehen an zwei verschiedenen Tagen vor dem Schöffengericht am Ahauser Amtsgericht angeklagt. Bei einem Wohnungseinbruch soll er im November vergangenen Jahres in ein leerstehendes Wohnhaus im Steinweg in Nienborg eingebrochen sein und eine Kaminuhr mitgenommen haben.

Montag, 07.09.2020, 18:12 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 19:08 Uhr
Ein 35-jähriger Nienborger wurde jetzt vor dem Amtsgericht Ahaus zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt. Foto: dpa

Der Angeklagte gab zu, dass er im Haus gewesen sei. „Ich hatte ein paar Bier getrunken, wollte zur Toilette und habe nach einem Unterschrank für meinen Fernseher geguckt“, gab er zu Protokoll. Allerdings sei die Tür nicht mehr vorhanden gewesen, er habe auch keine Gegenstände entwendet. Auf einem Brecheisen, das am Tatort lag, wurden allerdings seine DNA-Spuren gefunden.

​Der Angeklagte ist für das Amtsgericht kein Unbekannter. Vor zwei Jahren war er wegen eines Wohnungseinbruchdiebstahls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Weil er weder seine Adresse mitgeteilt noch Sozialstunden geleistet oder sich bei einem Bewährungshelfer gemeldet hatte, suchten ihn im März dieses Jahres drei Polizeibeamte zur Haftvollstreckung auf.

400 Tütchen

Dabei wurden etwa fünf Gramm Amphetamine sichergestellt, zudem fanden die Polizisten etwa 400 leere Klettverschlusstütchen und 431 Euro Bargeld. Das Gericht vermutete, dass er mit den Drogen handeln wollte.

Auf der Fensterbank entdeckten die Polizisten die vermisste Kaminuhr, laut dem Angeklagten war diese bereits bei seinem Einzug in seinem Zimmer. Als sie dem Nienborger Handschellen anlegen wollten, widersetzte er sich. Daraufhin brachten ihn die Beamten zu Boden, auf dem Bauch liegend trat der Nienborger wild um sich. Bei der Rangelei erlitt ein Beamter eine Quetschung am Daumen und Abschürfungen am Schienbein, ein anderer blutete an zwei Zehen.

Der Angeklagte gab an, die Klettverschlusstütchen von seinem Arbeitgeber, einer Tischlerei, mitgenommen zu haben. „Die größeren Tütchen sind praktisch, um Butterbrote einzupacken“, erklärte er. In den kleineren könne man Schrauben und Einzelteile aufbewahren. „Brauchen Sie wirklich 400 Tüten?“, fragte der Richter zweifelnd, und der Staatsanwalt meinte etwas spöttisch: „Die Butterbrotvariante ist mal was ganz Neues.“

Der 35-Jährige erklärte, die Amphetamine selbst zu konsumieren. Außerdem habe er Alkoholprobleme. Das deckt sich mit einer Probe, bei der drei Stunden nach der Tat 1,22 Promille Alkohol und Amphetamine festgestellt wurden. Er gab zu, regelmäßig Drogen in den Niederlanden zu kaufen.

Keine Bewährung mehr

Auf den Widerstand bei seiner Festnahme angesprochen meinte der gebürtige Pole, wegen der Sprachbarriere nicht alles verstanden zu haben. „Ich habe das Wort Knast verstanden und wollte wissen, warum. Natürlich habe ich Widerstand geleistet“, antwortete er vor Gericht. ​Weil das Haus zum Tatzeitpunkt bereits seit acht Jahren leer stand, war die Tat kein Einbruch, sondern nur ein Diebstahl in schwerem Fall. „Wir sind der festen Überzeugung, dass die Kaminuhr die ist, die entwendet wurde. Alles andere wäre ein zu großer Zufall“, erklärte der Richter.

Der Handel mit Drogen schien dem Gericht angesichts der Beweislage unwahrscheinlich, dagegen wurde der Angeklagte wegen unrechtmäßigen Besitzes und Einfuhr von Drogen sowie fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die von der Verteidigung vorgeschlagene Bewährung sprach das Gericht wegen seines vorherigen Verhaltens nicht aus.

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