Nachhilfe-Projekt der Bezirksregierung Münster
So sollen Schüler trotz Corona den Anschluss nicht verlieren

Münsterland -

Die Corona-Pandemie stellt Schulen vor große Herausforderungen. Laut Grundschullehrerin Johanna Peter sind die Wissenslücken mancher Schüler groß. Um den Anschluss nicht zu verlieren, gibt es ein Projekt der Bezirksregierung, das 1000 Kindern Nachhilfe verspricht.

Montag, 07.09.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 20:21 Uhr
Johanna Peter ist eine von 125 Studentinnen und Studenten, die Kindern hilft, Corona-bedingte Lücken zu schließen. Foto: Wilfried Gerharz

1000 Kinder, die wegen Corona den Anschluss an ihren Lernstoff zu verlieren drohen, bekommen von der Bezirksregierung Münster Nachhilfe XXL. Das Projekt „Anschluss individuell schaffen“ (Ais), das Regierungspräsidentin Dorothee Feller am Montag Journalisten vorgestellt hat, soll helfen, Lücken zu schließen, die sich bei Kindern durch Corona aufgetan haben .

Dabei geht es nicht nur darum, das Kleine Einmaleins zu üben, sondern den Kindern auch besseres Werkzeug an die Hand zu geben, selbstständig zu lernen – etwa für den Fall, dass sie wegen eines Viren-Ausbruchs wieder zu Hause lernen müssen.

Weniger Schulen aus dem Münsterland

Das ist nicht leicht, wie die angehende Grundschullehrerin Johanna Peter schilderte. Sie ist eine von 125 Studentinnen und Studenten, die für Ais im Einsatz sind. Sie betreut seit Beginn des neuen Schuljahrs vier Tage pro Woche zwei Gruppen von jeweils vier Kindern an der Grundschule West in Münster-Kinderhaus. Deren Lücken sind nach ihren Worten groß. Bei den Drittklässlern, die sie betreut, sitzen verschiedene Inhalte aus der zweiten Klasse „noch nicht hundertprozentig“, wie sie sagt.

Überblick über die aktuellen Corona-Verordnungen in NRW

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  • Ordnungsamt Düsseldorf

    Die Landesregierung hat die Coronaverordnungen für Nordrhein-Westfalen erneuert. Sowohl mit Lockerungen als auch Verschärfungen soll die Corona-Pandemie weiterhin im Griff behalten werden. Bis vorerst zum 15. September gelten folgende Regeln:

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  • Bußgeld für Maskenverweigerer

    Das Bußgeld für Menschen, die in öffentlichen Bussen und Bahnen den Mund-Nasen-Schutz nicht tragen bleibt in NRW bei 150 Euro. Und damit über den bundesweiten Mindestsätzen. 

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  • Maskenpflicht im Unterricht wird ausgesetzt

    Lockerungen gibt es in den Schulen: Während die Maskenpflicht auf dem Schulgelände und außerhalb der Klassen bestehen bleibt, können Schüler den Mund-Nasen-Schutz im Unterricht absetzen. Diese Neuregelung gilt ab dem 1. September. Außerdem können Beschäftigte in Schulen und Kitas weiterhin kostenlose Tests machen. 

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  • Entscheidungen über Weihnachtsmärkte 

    Eine allgemeine Entscheidung über Weihnachts- und Wochenmärkte ist in NRW noch nicht gefallen. Während der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom bereits abgesagt wurde, haben die Verantwortlichen in Münster und Dortmund noch keine Entscheidung getroffen. 

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  • Test-Pflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten

    Einreisende aus Risikogebieten müssen sich grundsätzlich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Sie entfällt frühestens ab dem fünften Tag, falls dem Gesundheitsamt ein negatives Corona-Testergebnis vorgelegt werden kann, das nicht älter als 48 Stunden ist. Die Tests sind für Rückkehrer aus Ländern, die das Robert Koch-Institut als Corona-Risikogebiet einstuft, in jedem Fall Pflicht.

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  • 50 Euro Bußgeld bei Maskenverstößen

    Die drei Grundregeln Abstand halten, Mund-Nasenschutz tragen und Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten sicherstellen gelten unverändert weiter. Neu ist, dass bei Verstößen gegen die Maskenpflicht etwa in Supermärkten ein Bußgeld von 50 Euro fällig wird.

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  • Private Feiern

    Es bleibt dabei: Zu privaten Festen aus einem besonderen Anlass wie zum Beispiel Geburtstage, Taufen, Hochzeiten und Abschlussfeiern sind 150 Gäste erlaubt. Diese Regelung gilt seit dem 15. Juli. Bei privaten Feiern in den eigenen vier Wänden verzichtet die Landesregierung auf Begrenzungen, appelliert aber an die Verantwortung der Menschen. 

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  • Großveranstaltungen bleiben verboten

    Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. Dezember 2020 generell untersagt. Der Begriff „Großveranstaltung“ bezieht sich dabei nicht auf die Personenzahl, sondern „auf die Infektionsrelevanz der Veranstaltung“, wie es die Landesregierung formuliert. gemeint sind etwa Schützenfeste, Straßenfeste und Musikfestivals.

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  • Regeln für Veranstaltungen

    Das Genehmigungsverfahren für Veranstaltungen wird neu geregelt. Ab einer Teilnehmerzahl von 1000 Menschen sind die jeweiligen Kommunen zur individuellen Absprache mit dem Land verpflichtet.

    Neu ist zudem eine Regelung für Veranstaltungen mit mehr als 500 teilnehmenden Personen. Dort muss sichergestellt werden, dass auch An- und Abreise unter Einhaltung der Belange des Infektionsschutzes erfolgen können. Diese Regelungen gelten für alle Veranstaltungen, die ab dem 12. September 2020 stattfinden.

    Grundsätzlich gilt, dass es für Veranstaltungen ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept geben muss.

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  • Sport

    Beim Kontaktsport im Freien und in der Halle sind (seit dem 15. Juli) unverändert 30 Teilnehmer erlaubt. Bei Wettbewerben sind weiterhin 300 Zuschauer gestattet, bei sicher gestellter einfacher Rückverfolgung der Personendaten. Sportfeste und ähnliche Sportveranstaltungen sind bis mindestens zum 31. Oktober 2020 untersagt.

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  • Frühwarn-Ampel

    Um einen zweiten Lockdown zu verhindern gilt jetzt eine zweistufige „Corona-Bremse“.

    Stufe Gelb: Bei einer Überschreitung von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen müssen lokal Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Diese müssen mit dem Landeszentrum Gesundheit und der Bezirksregierung abgestimmt werden. 

    Stufe Rot: Überschreitet diese 7-Tage-Inzidenz den Wert von 50, kommen weitere - mit dem Landesgesundheitsministerium abzustimmende - Maßnahmen hinzu.

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Während einige ihrer Mitschüler schon multiplizieren, müssen sie noch üben, über einen Zehnerübergang zu addieren und subtrahieren. Sie stellt fest, dass den Kinder die Ruhe in der kleinen Gruppen gefällt: „Viele sagen: Ich kann nicht arbeiten, weil es in der normalen Klasse so laut ist. Die Kleingruppen dagegen bieten ein Umfeld, in dem das möglich ist und das die Kinder auch genießen.“

Um die Kinder auch für digitales Lernen fit zu machen, lässt sie sie selber entdecken, wo ihnen noch etwas fehlt. Dafür gibt sie ihnen Material, an dem sie selber merken, was sie noch üben müssen. Aber Johanna Peter macht keinen Hehl daraus: „Da gibt es große Hürden.“

Dorothee Feller ist optimistisch

Ausgewählt sind 65 Schulen, davon 45 Grundschulen und 20 weiterführende Schulen von der Hauptschule bis zum Gymnasium. Das Programm richtet sich nach den Worten von Projektleiter Wolfgang Lennartz von der Bezirksregierung an Kinder in den Klassen 3 bis 6. Alle beteiligten Schulen haben gemeinsam, dass in ihrem Zuständigkeitsbereich das, was als „soziale Brennpunkte“ bezeichnet wird, häufiger und größer sind. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sowie der Empfänger von Hartz IV ist überdurchschnittlich groß, das Einkommen ihrer Eltern unterdurchschnittlich klein, der Anteil der Ein- und Zweifamilienhäuser an den Haushalten niedrig. Feller begründet so auch, dass deutlich mehr Schulen aus dem nördlichen Ruhrgebiet (51) teilnehmen als aus dem Münsterland (14).

Das Angebot soll vor allen Kindern helfen, die zu Hause zu wenig Unterstützung bekommen und denen auch die technischen Voraussetzungen fehlen. Deswegen haben die Lehrerinnen und Lehrer der beteiligten Schulen die Kinder vorgeschlagen, die bei dem Projekt mitmachen dürfen. Nach Johanna Peters Worten hätten sich viele von ihnen die Aufnahme von noch mehr Kindern gewünscht.

Ob die, die jetzt nicht dabei sind, noch eine Chance bekommen, ist offen. Regierungspräsidentin Feller ist optimistisch. Von den 200.000 Euro, die für Ais bereitstehen, seien noch nicht alle ausgegeben. So könnte es sein, dass das Projekt nach den Herbstferien weitergeht. Studentin Johanna Peter fänd‘s gut. Sie hat den Eindruck, dass das bisherige Angebot nicht genügt: „Ob das reicht, glaube ich eher nicht“, sagte sie.

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