Schweinezüchter aus Senden
Bauer macht jetzt Bio: „Wir suchen noch den Haken“

Senden -

Die Landwirtschaft tut sich generell noch schwer mit dem Schwenk Richtung Öko: Sechs Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Nordrhein-Westfalen werden nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet. Viele Bauern scheuen offenbar die notwendigen Investitionen und zweifeln an einer erfolgreichen Vermarktung. Sorgen, die der Sendener Bio-Landwirt Jan Spliethofe nehmen kann. Ein Besuch.

Freitag, 25.09.2020, 07:30 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 07:39 Uhr
Erdgeschosswohnung mit Terrasse: Die Schweine von Jan Spliethofe haben mehr Platz als konventionell gehaltene Tiere und können nach draußen. Der Sendener befolgt die Bioland-Regularien. Foto: Gunnar A. Pier

Irgendwann hat es Jan Spliethofe ganz einfach gereicht. Ihm fehlten Sicherheit, ein reeller Markt und vor allem Respekt vor den Tieren. Heute produziert der Landwirt aus Senden Bio-Schweine – und strahlt: „Wir suchen noch immer den Haken – bisher haben wir keinen gefunden.“

Die Landwirtschaft tut sich generell noch schwer mit dem Schwenk Richtung Öko: Sechs Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Nordrhein-Westfalen werden nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet, hat NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser am Dienstag berichtet und das Ziel ausgerufen, den Anteil bis 2030 auf 20 Prozent zu steigern. Viele Bauern, so ihre Einschätzung, scheuten die notwendigen Investitionen und zweifelten an einer erfolgreichen Vermarktung.

Sorgen, die der Sendener Bio-Landwirt Jan Spliethofe nehmen kann.

Zunächst ein konventioneller Sauenbetrieb

Als er vor sieben Jahren den elterlichen Hof übernahm, lebte der von konventioneller Ferkelerzeugung. 350 Sauen lieferten alle drei Wochen 300 bis 400 Ferkel. Doch der Markt machte ihm zunehmend zu schaffen: Viehhändler, die skrupellos  Preise drückten, manchmal kurzfristig absagten. Dann stand Spliethofe da mit Hunderten Ferkeln, obwohl die nächsten schon auf die Welt kommen wollten. „Dem Händler war es im Prinzip egal, was mit den Tieren ist oder ob von dem Erlös eine Familie ernährt werden muss.“ Unsicherheit und mangelnde Wertschätzung sorgten für schlaflose Nächte beim Junglandwirt, der schon als Kind seine Freude hatte, wenn die Schweine mit Stroh spielten.

Eher durch Zufall kam er an den Hinweis, dass der Bioland-Verband stets auf der Suche nach Lieferanten sei. Ein Anruf, ein ausführliches Gespräch mit einem Berater des Verbands – und am Ende stand der Entschluss: Der Bauer stellt um auf Bio.

Teurer Umbau

Dafür musste er eine große sechsstellige Summe investieren. Die Ställe wurden entkernt, der Spaltenboden kam raus, der Zuschnitt der Buchten, in denen die Schweine leben, wurde neu konstruiert. Jetzt hat jedes Schwein 2,5 statt 0,75 Quadratmeter Platz und kann eigenständig nach draußen und frische Gras-Silage fressen. Die Tiere stehen im Stroh statt auf Betonboden. Sie können sich bewegen, haben Beschäftigung. Kastenstände gibt es nicht, Schwänze und Eckzähne bleiben dran, kas­triert wird unter Vollnarkose. Aus 350 Sauen wurden 75 – doch die Ferkel bleiben, der Sendener mästet sie selbst und vermarktet sie.

Große Nachfrage

„Die Nachfrage ist größer als das Angebot“, sagt Spliethofe. Ein Umstand, den Bioland-NRW-Geschäftsführer Jan Leifert bestätigt: „Bei Fleisch, Geflügel und Obst hatten wir im zweiten Quartal Wachstumsraten zwischen 30 und 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“ Der Verband suche derzeit keine Kunden, sondern Erzeuger, die bereit sind, ihre Produktion umzustellen.

Das Gros von Spliethofes Fleisch geht derweil über eine Erzeugergemeinschaft an Edeka. Die Verträge sind langfristig, die Preise fest und fair – anders als in der konventionellen Landwirtschaft, in der die Preise sehr schnell steigen und sinken. „Ich verdiene nicht mehr als vorher – aber sicherer.“

Ein gelassener Exot

Warum es ihm dennoch so wenige Landwirte gleichtun? „Die ältere Generation hat sich da nicht so viele Gedanken gemacht“, sagt der 36-Jährige. Mit Blick auf seine Generation aber ist er sicher, dass der Wandel begonnen hat. Wenngleich er bei seinen Berufskollegen häufig auf Skepsis gestoßen ist. Das Interesse an seinem neuen Konzept war zwar groß – doch viele konventionelle Landwirte haben es auch kritisiert. Jan Spliethofe bleibt dennoch gelassen.

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