Hof in Ledde
Landwirt wegen Tierquälerei zu Geldstrafe verurteilt

Tecklenburg/Ledde -

Eine Geldstrafe muss ein Landwirt zahlen, der sich vor dem Amtsgericht Tecklenburg wegen Tierquälerei zu verantworten hatte. Konkret ging es um zehn zum Teil schwer erkrankte und verletzte Schweine.

Donnerstag, 01.10.2020, 14:26 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 15:39 Uhr
Auf einem Hof in Ledde herrschten im Schweinestall desaströse Zustände. Das Gericht hat nun eine Geldstrafe gegen den Bauern verhängt. (Symbolbild) Foto: Fredrik von Erichsen

Es waren wohl schlimme Zustände, die eine Tierärztin des Kreises bei einer unangemeldeten Kontrolle eines Schweinemastbetriebes in Ledde vorfand. Zehn kranke, verletzte und geschwächte Tiere lagen in einem dunklen Stall auf dem nackten Boden in ihren Exkrementen. Für diese Zustände musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Tecklenburg ein 57-jähriger Landwirt wegen Tierquälerei verantworten.

Dabei galt der Kontrollbesuch im August 2019 eigentlich der Überprüfung einer nicht korrekt geführten Antibiotika-Liste. Was die Tierärztin dann allerdings in den mit 700 Mastschweinen belegten Ställen vorfand, zwang sie zum sofortigen Handeln. In einem – vom Angeklagten als „Notstall“ bezeichneten Gebäude – befanden sich zehn zum Teil schwer erkrankte und verletzte Schweine. Noch während der in Augenscheinnahme durch die Veterinärin verstarb eines der Tiere. Zwei weitere mussten sofort eingeschläfert werden, um sie von ihren Leiden zu erlösen.

Das nach Sezierung vom Institut der Tiermedizin Münster erstellte Gutachten ergab, dass die Tiere einen Großteil der Schädigungen über einen längeren Zeitraum erlitten haben müssen. Eine Aufzählung der Befunde durch die Staatsanwältin dauerte fast zehn Minuten und erinnerte an den Auftritt eines Pathologen im Sonntagabendkrimi.

Angeklagter räumt Vernachlässigung ein

Der Angeklagte räumte zu Beginn der Verhandlung durch seinen Anwalt die Zustände auf dem Hof ein. Private Probleme hätten zur Vernachlässigung der Tiere geführt. Inzwischen seien alle beanstandeten Mängel beseitigt und bei einer zweiten Kontrolle im November 2019 habe es keine Beanstandungen gegeben. Dies wurde von der Veterinärin des Kreises Steinfurt, die als Zeugin auftrat, bestätigt.

Der Verteidiger betonte, sein Mandant sei bisher unbescholten und nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Auch zeige der Beklagte Reue und entschuldige sich für sein Verhalten. Inzwischen habe der Mann eine Weiterbildung durchlaufen und sei geläutert.

Differenzen zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft

Das ließ die Staatsanwältin so nicht gelten: „Hier handelt es sich nicht um eine Ordnungswidrigkeit. Wir verhandeln hier eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden kann.“ Sie warf dem Angeklagten seine Untätigkeit vor: „Abhilfe wäre vergleichsweise einfach zu schaffen gewesen. Sie hätten nur ihre Tierärztin anrufen müssen.“

Am Ende gab es noch Differenzen zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft, wie die Taten zu werten seien. Während der Anwalt die Vergehen als eine einzige Tat bewertet sehen wollte, ging die Staatsanwaltschaft von zehn Einzeltaten aus, die dementsprechend zu ahnden seien. Der Vorsitzende Richter fällte dann ein salomonisches Urteil. Der Landwirt wurde für vier Taten zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt. Für die restlichen sechs Fälle wurde er freigesprochen, da bei diesen länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden nicht nachgewiesen werden konnten.

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