Bars und Diskotheken müssen kämpfen
„Können nur Grundkosten decken“

Warendorf -

In der Bar nebenan vorglühen und dann weiter in die Disco, endlich mal wieder abzappeln. Eigentlich ein normaler Samstagabend, durch Corona so jedoch nicht mehr möglich. Gerade Betriebe, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, unterliegen starken Vorschriften. Gleichzeitig sinkt bei hohem Alkoholkonsum die Hemmschwelle der Menschen und die Schutzmaßnahmen werden nicht mehr so eng gesehen. Für das Personal eine echte Herausforderung.

Montag, 05.10.2020, 08:45 Uhr aktualisiert: 10.10.2020, 00:18 Uhr
Sitzen statt tanzen. Dort wo im Gleis64 einst die Tanzfläche gewesen ist, stehen jetzt gemütliche Sitzgelegenheiten. Foto: Rebecca Lek

„Die Disziplin bezüglich der Hygienemaßnahmen lässt auch allgemein immer mehr nach. Wir müssen ständig gegensteuern und ermahnen. Teilweise wollen die Gäste dann über die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen diskutieren und werden unverschämt uns gegenüber. Im Endeffekt müssen sie sich für die Maßnahmen entscheiden oder dafür, den Laden zu verlassen“, beschreibt Sascha Demant, Inhaber der Bar #one, die täglichen Strapazen. „Diese Momente schlauchen unendlich und sind für uns überhaupt nicht nachzuvollziehen“. Auf der anderen Seite merkt man, dass die Menschen auch wieder etwas unternehmen möchten. Durch fehlende Veranstaltungen und Konzerte weichen die Warendorfer auf eine gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie in Lokalen aus. „Wir sind in den Wochenenden derzeit regelmäßig ausgebucht und müssen leider oft Spontanbesuchern an der Tür sagen, dass wir keine Leute mehr reinlassen dürfen“, erklärt Demant weiter. Geschuldet sei das allerdings auch dem Hygienekonzept, denn aufgrund der vorgeschriebenen Mindestabstände können nur deutlich weniger Besucher ins #one als sonst.

Die Stammgäste lassen uns gerade so überleben.

Benedikt Großfeld

Auch im Gleis64 gibt es Abende, wo kein Platz mehr frei ist – derzeit aber leider noch die Ausnahme. Tanzen ist nämlich nicht erlaubt. Stattdessen findet sich auf der ehemaligen Tanzfläche nun eine gemütliche Sofa-Ecke aus Europaletten. Trotz zusätzlicher Maßnahmen gestaltete sich die Öffnung der Discothek schwierig. „Anfangs wollte die Stadt nicht, dass wir wieder öffnen. Wir mussten hart dafür kämpfen, damit wir am 22. Juli das erste Mal wieder die Türen öffnen durften“, erzählt Inhaber Benedikt Großfeld. Auch wenn im Sommer die Zahlen immer rückgängig seien, sind die Einnahmen derzeit sehr überschaubar. „Wir dürfen nur knapp ein Viertel an Gästen reinlassen. Der Konsum hält sich durch die fehlende Bewegung in Grenzen. Es ist einfach eine ganz andere Atmosphäre“, beschreibt der Discothekenbetreiber die Situation. Vor allem die fehlenden Veranstaltungen in der Innenstadt spüre er deutlich – danach versackten nämlich sonst viele bei ihm. „Die Stammgäste lassen uns gerade so überleben. Im Prinzip können wir nur die Grundkosten decken“, so Großfeld. Personal setzt er derzeit nicht ein, auch auf Djs verzichtet er, um die Kosten so klein wie möglich zu halten.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich das Nachtleben in Warendorf weiter entwickelt. „Am besten wäre es natürlich, wenn Corona endlich zu Ende wäre“, träumt der Inhaber vom Gleis und weiß selbst, dass das eine Utopie ist. „Im Endeffekt brauchen wir einfach Leute, die kommen und trotzdem Bock haben zu feiern. Eben unter den Umständen, die möglich sind.“ Gleichzeitig hofft er darauf, bei der nächsten Überbrückungshilfe der Regierung mit berücksichtigt zu werden. Denn durch die fehlenden Einnahmen kämpft die gesamte Gastronomie- und Eventbranche schlichtweg ums Überleben.

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