Schausteller unterstützen Hygienekonzept
Nichts ist schlimmer als Nichtstun

Ahlen -

Sie bangen und hoffen: Die Schausteller im Freizeitpark Ahlen möchten nichts lieber als arbeiten, Gäste begrüßen und endlich wieder Geld verdienen.

Sonntag, 04.10.2020, 20:19 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 09:34 Uhr
Der Niederländer Mathieu Martens (gr. Bild) ist erstmals auf der Ahlener Kirmes vertreten. Foto: Ralf Steinhorst

Noch enger als sonst arbeiten dieses Mal Schausteller und die Stadt Ahlen zusammen. Erstere bezahlen den Zaun ums Gelände – auch das ist neu – letztere besetzen die Kassenhäuschen am Eingang, um den Eintritt von einem Euro zu kassieren und Besucherströme zu leiten. Die Schausteller sind froh, dass der Freizeitpark stattfindet, und sie geben sich nach außen hin gut gelaunt.

„Im Moment haben wir aber panische Angst, dass es wirtschaftlich nicht weitergeht“, beschreibt Erni Fichna vom „Leo’s Treff“ ihre existenziellen Nöte, die wohl alle auf dem Platz teilen.

Abbruch schlägt aufs Gemüt

Deshalb stehen auch alle voll hinter dem Hygienekonzept, damit das Projekt auch ja nicht scheitert. Denn der Kirmesabbruch in Hamm wegen des entstandenen Hotspots hatte Folgen, die sich auf das Gemüt einiger Schausteller auswirken. „Wir haben uns ungerecht behandelt gefühlt. Der Maxipark und der Zoo blieben ja weiter geöffnet“, gibt Danny Joldrichsen Einblicke in sein Gefühlsleben, während Kollege Andreas Sperlich herausfiltert, alles habe auch eine soziale Komponente: „Wir Schausteller sind froh, wenn wir uns wiedersehen.“ Die Schausteller fühlen sich eben als große Familie.

Zumindest half die Stadt Ahlen in der Not, die betroffenen Schausteller durften schon freitags anstatt erst montags kommen. „Sie waren sehr dankbar“, hat der stellvertretende Marktleiter Sebastian Altena schnell festgestellt. Überhaupt habe es es schon immer eine gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Schaustellern gegeben. „Es gibt nichts Schlimmeres als Nichtstun“, mochte Schausteller Andreas Sperlich gar nicht an die vergangenen Monate zurückdenken.

Niederlande mit Einbahnregelung

Den Niederländer Mathieu Martens hat es erstmals nach Ahlen verschlagen: „Ich bin speziell angereist, um hier etwas zu verdienen.“ Denn in Holland gebe es auch keine Kirmes, die temporären Freizeitparks habe man aber ebenfalls schon entdeckt. Allerdings gebe es dort in den Gängen nur Einbahnverkehr und sogenannte „Timeslots“ für Besucher, also Höchstaufenthaltsgrenzen.

Für die kommenden Tage bangen und hoffen die Schausteller also, dass die Kirmes in Ahlen auch volle zehn Tage läuft und nicht abgebrochen wird. Deshalb werden an der Kasse auch Mund-Nasen-Schutzmasken für einen Euro für die bereitgehalten, die noch eine brauchen.

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