Elena Bashkirova und ihr Ensemble im Bagno
Mit sonniger Musik in den grauen Herbst

Steinfurt -

Das Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble und die Weltklasse-Pianistin und Ensemble-Gründerin Elena Bashkirova konzertierten im Bagno. Ein zauberhafter Nachklang des Sommers im frühen, grauen Herbst des Münsterlandes.

Montag, 05.10.2020, 15:54 Uhr
Das Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble und die Weltklasse-Pianistin und Ensemble-Gründerin Elena Bashkirova konzertierten im Bagno. Foto: Hans Lüttmann

Gestern noch segelten die Schwalben unter dem hitzeflirrenden Himmel, der heute, leergefegt und grau, mit bleiernen Wolken den Herbstregen herbeibläst. Was für ein schöner Abgesang auf die weggewehte Sommerseligkeit war dagegen dieses Konzert im Burgsteinfurter Bagnosaal! Wie ein Nachhall der glücklichen Sonnenmonate sprudelte Schuberts „Forellenquintett“ dahin, diese jugendlich-frische, entspannende Unterhaltung auf hohem musikalischem Niveau. Schon bei den ersten Tönen fühlt man sich wohlig geborgen – das ist wahrhaft sonnig Musik, besonders der heitere, feinsinnige Dialog zwischen Klavier und Streichern, in den sich ein leicht sehnsüchtiger Unterton mischt und nach Erfüllung sucht.

Oft und immer wieder gerne gehört? Das sicherlich, aber sicherlich noch nicht so spritzig herzerwärmend wie im jüngsten Bagno-Konzert, als mit dem Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble die Weltklasse-Pianistin und Ensemble-Gründerin Elena Bashkirova, Ehefrau des Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim, und deren Sohn Michael die kleine Bühne betraten. Aber auch die Mitspieler der beiden, Amihai Grosz an der Bratsche, Timp Park am Cello und Kontrabassist Nabil Shehata, überzeugten durch mitreißende Spielfreude und derart akzentuiertes Zusammenspiel, dass der Funke schon beim noch sehr mozartlastigen „Adagio e Rondo“ (das Schubert als 19-Jähriger schrieb) sofort übersprang.

Überschwänglich und überwältigend dann aber das „Forellenquintett“, in dessen titelgebendem Andantino die gischtigen Sturmschnellen derart sprühten, dass man den Schirm hätte aufspannen wollen. Im Saal blieb’s aber trocken.

Die vier bestens aufgelegten Herren in Schwarz und die sie alle überragende Dame im spätsommerlichen Grün zeigten sich als kluge, jede Tonwendung mit Sprache und Leben erfüllende Musiker, die mit ihrer Mischung aus musikalischer Begeisterungsfähigkeit und pragmatischem Erfindungsreichtum die neckischen Scherze in Schuberts fantasiereichen Einfällen so unwiderstehlich umspielten, dass es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen hielt. Im Theater würde man die anschließenden Ovationen als „sechs Vorhänge“ rühmen, so war es ein ungemein charmanter, selig seufzender Nachruf auf den Sommer und wieder mal ein ausverkaufter Bagno-Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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