Rauminstallation in der Alten Post
Ein Schrein aus Chipstüten

Drensteinfurt -

Mit einfachsten Mitteln, nämlich mit Verpackungsmaterial, das zum Wegwerfen bestimmt ist, imitiert die Münsteraner Künstlerin Luzia-Maria Derks eine Welt voller Kostbarkeiten. Ihre Rauminstallation, die in erster Linie aus leeren Chipstüten besteht, ist ab Freitag, 9. Oktober, in der Alten Post zu sehen.

Freitag, 09.10.2020, 08:53 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 09:00 Uhr
Den Wegwerfartikel „Chipstüte“ präsentiert Künstlerin Luzia-Maria Derks in einem gänzlich anderen Kontext. Foto: Peter Schniederjürgen

Die Anmutung eines buddhistischen Tempels ist kein Produkt blühender Fantasie. Den Besucher der Ausstellung in der Alten Post erwarten Gebetstrommeln, an Stupas erinnernde Schreine und bunte, glitzernde Wandbehänge. Das Material irritiert allerdings: Es handelt sich um leere Chipstüten.

Eigentlich hatte der Kunst- und Kulturverein Luzia-Maria Derks bereits für das Frühjahr eingeladen, ihre Präsentation mit dem Titel „Stupa“ zu realisieren. Aber der Corona-Lockdown durchkreuzte die Pläne. „Ich bin froh, dass die Ausstellung noch in diesem Jahr stattfinden kann“, sagt die Münsteranerin, die seit Montag mit dem Aufbau beschäftigt ist. Bei der Frage nach der Anzahl der Chips-tüten zuckt sie mit den Schultern.

Chipstüten aus einem alten Kino

Gezählt hat sie sie nicht, zu einem großen Teil auch nicht selbst gesammelt. Das hat ein Bekannter für sie übernommen und auch der gastgebende Kunstverein, der seine Mitglieder im Vorfeld aufgerufen hatte, solche Tüten zu sammeln. Doch diese Unterstützung hätte nicht gereicht, wenn die Künstlerin nicht auch selbst aktiv geworden wäre und in einem alten Kino in Castrop-Rauxel unverbrauchte Chipstüten abgeholt hätte.

Wie ein Altar an der Stirnwand des Ratssaals wirkt die Leinwand, auf der in einer Endlosschleife der Kehlkopf eines Chips essenden Mannes gezeigt wird, begleitet von den dazugehörigen Kaugeräuschen. Mit einfachsten Mitteln, nämlich mit Verpackungsmaterial, das zum Wegwerfen bestimmt ist, imitiert Derks eine Welt voller Kostbarkeiten im Stil buddhistischer oder hinduistischer Tempel.

Ein Blick auf die Konsumgesellschaft

Mit ihrer Kunst beweist die Künstlerin nicht nur einen Blick für die Ästhetik von Dingen, die gewöhnlich achtlos entsorgt werden, sondern lenkt den Blick auch auf die Konsumgesellschaft, die ihre Produkte in Supermärkten tempelähnlich präsentiert und damit die Stätten, die Menschen als Heiligtum betrachten, entwertet.

Fahnen und Wimpel

Mit Hilfe der Vorsitzenden des Kunst- und Kulturvereins, Christa Heistermann, sollen auch noch Fahnen und Wimpel durch den Raum gespannt werden.

Besucht werden kann die Ausstellung bereits am heutigen Freitag von 16 bis 18 Uhr und am morgigen Samstag von 11 bis 18 Uhr. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 11. Oktober, um 11.30 Uhr mit einer Rede von Dr. Stephan Trescher aus Münster.

Die ungewöhnlichen Voraböffnung erklärte Christa Heistermann mit der kurzen Laufzeit der Ausstellung, die bereits am 18. Oktober endet. Was danach mit den Tüten geschehen soll, hat die Künstlerin noch nicht entschieden.

Nachrichten-Ticker