Mohammed Chebita ist Metallbauer
Integration ist ihm wichtig

Tecklenburg-Brochterbeck -

Seit sechs Jahren lebt Mohammed Chebita in Deutschland, seit 2010 in Europa. Über seine Flucht aus Algerien mag er nicht gerne reden. Lieber spricht er über seinen Alltag in der neuen Heimat: „Die Arbeit gibt mir enorm viel. Dafür, dass ich hier arbeiten darf, haben mir viele geholfen. Ich bin unfassbar dankbar“, sagt der Angestellte der Brochterbecker Firma Ventker Metallbau.

Donnerstag, 08.10.2020, 20:52 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 21:00 Uhr
Mohamed Chebita hat seine Foto: Luca Pals

Schweißen macht ihm am meisten Spaß. Denn nach seiner Ausbildung zum Metallbauer wurde er aufgrund seiner guten Leistungen, Zuverlässigkeit und Begeisterung zum Beruf mit einer Zusatzausbildung zum Schweißer qualifiziert. Hans-Otto Ventker unterstützte diese Aktion. Chefs in der Firma und Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe sind einer Meinung: Mohammed Chebita ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration.

Seit sechs Jahren lebt er in Deutschland, seit 2010 in Europa. Über seine Flucht aus Algerien mag er nicht gerne reden. Lieber spricht er über seinen Alltag in der neuen Heimat: „Die Arbeit gibt mir enorm viel. Dafür, dass ich hier arbeiten darf, haben mir viele geholfen. Ich bin unfassbar dankbar“, sagt der Angestellte der Brochterbecker Firma Ventker Metallbau.

Er habe zuvor zwar keinerlei Erfahrungen in der Branche gehabt, mit seinem Interesse wurde er aber schnell bei Werner Otte von der Brochterbecker Flüchtlingshilfe vorstellig. Dieser erinnert sich: „Wir haben dann Kontakt zur Firma aufgenommen. Mohammed konnte im September 2015 ein dreimonatiges Orientierungspraktikum machen.“

Die Arbeit gibt mir sehr viel. Ich bin sehr dankbar, hier tätig sein zu dürfen.

Mohammed Chebita

Zu diesem Zeitpunkt lebte Chebita mit weiteren Flüchtlingen in einem Container, eine mögliche Abschiebung stand im Raum. Weil er aus Algerien kommt, wurde ihm nie ein Sprachkursus zugeteilt. Otte erklärt: „Früher wurde eine Zwei-Klassen-Flüchtlingspolitik betrieben. Er hat nie einen Sprachkursus besuchen dürfen. Menschen aus Ländern wie Syrien bekommen direkt einen.“

Learning by doing – die Sprache brachte er sich selber bei, der Lehrer Tim Börgel aus Brochterbeck half ihm dabei tatkräftig. Den Willen, voran zu kommen, eine Ausbildung zu beginnen und sich weiter in Deutschland integrieren zu können, seien zu dieser Zeit in ihm gewachsen.

Sprache als größte Hürde

Die große Hürde: Für den Beginn einer Ausbildung ist der Abschluss der Sprachprüfung auf B1-Niveau notwendig. Otte lobt: „Ohne einen Sprachkursus hat er sich zur Prüfung angemeldet und diese bestanden.“ Gleichzeitig machte er am Arbeitsplatz eine gute Figur. Ventker sagt: „Mohammed ist ein sehr guter Arbeiter. Dass er die Ausbildung bei uns machen kann, war schnell klar. Die Übernahme in unseren Betrieb ist für uns ein Gewinn.“

Die Diskussion um den Mangel an Fachkräften kann er so im Keim ersticken: „Mohammed ist von uns ausgebildet, ein großer Gewinn für die Firma und Wegbereiter für ähnliche Lebenswege.“ Gemeint ist Noorullah Zamani aus Afghanistan.

Chebita erinnert sich heute noch lebendig an seine Anfänge zurück: „Was ist ein Akkuschrauber? Es waren viele neue Wörter für mich. Mein Deutsch war sehr schlecht, aber die Kollegen haben mich stets unterstützt.“

Alle drei Monate neue Arbeitserlaubnis

Ein scheinbar passabler Weg, den der Algerier gegangen ist. Noch immer aber fehlt etwas, erläutert Otte: „Wir haben Mohamed bereits 2016 mit 300 Unterschriften vor der Abschiebung bewahrt. Damals mussten wir einen Härtefall-Antrag stellen.“ Viele Brochterbecker stellten sich damals hinter ihn und damit gegen eine mögliche Abschiebung.

Das ist mittlerweile Vergangenheit. Mohammed Chebita wartet nun auf die Erteilung eines Aufenthaltstitels in Deutschland. Sein Pass und alle nötigen Unterlagen sind bereits bei den Behörden eingereicht. Gleichwohl muss Chebita alle drei Monate seine Duldung inklusive Arbeitserlaubnis verlängern lassen, was wiederum mit Kosten verbunden ist. Er hofft, dass ein Aufenthaltstitel zeitnah von der Ausländerbehörde erteilt wird.

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