Missbrauchsprozess
Gutachterin: Anschuldigungen sind glaubwürdig - Staatsanwalt fordert sechs Jahre Haft

Ascheberg -

Ein 58-Jähriger soll seine Tochter zwischen 2007 und 2015 vielfach missbraucht haben. Eine speziell ausgebildete Psychologin hält die Aussage der heute 20-Jährigen für sehr glaubwürdig. Ihr Vater streitet die Vorwürfe ab.

Donnerstag, 08.10.2020, 17:40 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 17:53 Uhr
Das Landgericht in Münster. Foto: dpa

Sechs Jahre Gefängnis hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag am Landgericht Münster als Strafe für den 58 Jahre alten Mann beantragt, der über mehrere Jahre seine Tochter in Ascheberg und Drensteinfurt missbraucht haben soll (wir berichteten). Der Anwalt des Mannes hingegen beantragte einen Freispruch.

Zwischen 2007 und 2015 sollen eine Vielzahl derartiger Übergriffe geschehen sein – unter anderem im Elternhaus, wenn das Kind zum Sport gebracht wurde und im Familienurlaub. Der Mann bestreitet, dass er sich je an seiner Tochter, dem ältesten von drei Kindern der Familie, vergangen habe.

Vater kann sich Vorwürfe nicht erklären

Einbezogen in die Verhandlung war von Beginn an eine Aussagepsychologin, die speziell für die Überprüfung von Zeugenaussagen ausgebildet ist. Sie sollte die Glaubwürdigkeit des Mädchens hinsichtlich der Vorwürfe einschätzen. In ihrem Gutachten sprach sie von einer „sehr hohen Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Erlebnisbericht handelt“. Die Wahrscheinlichkeit liege „bei 98 oder 99 Prozent, dass die Zeugin diese Aussagen nicht gemacht hätte, wenn nicht etwas Erlebtes zugrunde liegen würde“, so die Gutachterin.

Die heute 20-Jährige hatte 2016 erstmalig gegenüber Nachbarn erklärt, dass sie ihren Vater immer wieder habe befriedigen müssen. Der Vater sprach bei Gericht hingegen von der Möglichkeit, dass das Mädchen nicht mehr zu Hause wohnen wollte und einen Grund erfunden haben könnte, um von dort weg zu kommen. Anders könne er sich die Vorwürfe nicht erklären.

Urteil wird noch im Oktober erwartet

Die Psychologin hatte die Tochter 2017 begutachtet - die frühesten möglichen Taten wären da schon rund zehn Jahre her gewesen. „Das war kein aggressives ,ich will hier raus`“, berichtete die Psychologin von ihren Eindrücken. Zwar habe das Mädchen zeitlich nur sehr unklar schildern können, wann welche Taten geschehen seien. Sie habe aber noch klare Bilder im Kopf gehabt, was passiert sei. Das gelte auch für Details der Alltagsumstände. Die Tochter habe ihren Vater „noch nicht einmal belasten“ wollen, so die Psychologin. Stattdessen habe sie ihn als Vater sehr gelobt und sich an den sexuellen Übergriffen „mitschuldig gefühlt“.

Angeklagt sind sexueller Missbrauch und schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes beziehungsweise Missbrauch einer Schutzbefohlenen für jene Fälle, in denen das Mädchen bereits 14 Jahre alt war.

Das Urteil wird voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag (20. Oktober) verkündet.

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