Geld für soziale Projekte
LWL verabschiedet sich von RWE-Aktien

Münster -

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat ein Viertel seiner RWE-Aktien verkauft - und damit nach Informationen unserer Zeitung mehr als 53,2 Millionen Euro eingenommen. Von dem Geld sollen soziale Projekte und die Kulturförderung profitieren.

Donnerstag, 08.10.2020, 21:00 Uhr
Klimaschützer überreichten dem Vorsitzenden der Landschaftsversammlung, Dieter Gebhard, einen Kuchen, der zu drei Vierteln aus Kohle bestand. Foto: fossil free

Der Verkauf von 1 662 200 RWE-Aktien hat dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) über 53 Millionen Euro in die Kasse gespült. Das Geld soll in einem breit gestreuten Aktienportfolio angelegt werden. Das wurde am Donnerstag am Rande der letzten Sitzung des Westfalenparlamentes in dieser Legislaturperiode bekannt.

Der Chef des LWL, Matthias Löb, hatte eigentlich drei Viertel der RWE-Aktien verkaufen wollen, scheiterte damit jedoch am Widerstand von CDU und SPD. Die hatten das kleinere Paket durchgesetzt. Löb bezeichnete den Verkauf am Donnerstag trotzdem als eine „gute Nachricht“.Aus der Dividende jeder verbleibenden RWE-Aktie im Besitz des LWL würden etwa 80 Cent in die Kulturförderung und in Projekte für soziale Zwecke fließen.

Klimaschützer demonstrieren

Demonstrierende Klimaschützer der Initiative „Fossil Free Münster“ hatten dem Vorsitzenden der Landschaftsversammlung, Dieter Gebhard, SPD, zum Verkauf gratuliert. Sie überreichten ihm dazu einen Kuchen, der zu drei Vierteln aus Kohle bestand. Sie wollen damit ihre Unzufriedenheit darüber ausdrücken, dass der LWL nur ein Viertel der Aktien verkauft hat. Die Umweltschützer verlangen, „dass der LWL alle seine Aktien am Klimakiller RWE abstoßen muss“.

Löb hatte den Verkauf der RWE-Aktien selbst angestoßen. Er hatte schon immer dafür geworben, nicht so viel Geld in ein Unternehmen zu investieren, das sein Geld überwiegend außerhalb von Deutschland investiert. „Wir haben aus der WestLB gelernt, dass wir als Kommunalverband nicht beurteilen können, wie sich die Märkte in Kanada, Australien und den USA entwickeln“, sagte er am Rande der Versammlung. Außerdem wies er darauf hin, dass in Europa niemand so viel CO ausstößt wie RWE. Bis zum Verkauf des Aktienpakets hatte der Landschaftsverband rund 6,6 Millionen RWE-Aktien besessen.

Verkauf auf den letzten Drücker

Verkauft hat der LWL die Aktien offenbar auf den letzten Drücker. Das Westfalenparlament hatte entschieden, dass sie bis Anfang Oktober verkauft sein sollten. „Wir mussten in den Endspurt gehen, um das Ziel halten zu können“, meinte Löb. Das habe mit der unübersichtlichen Entwicklung der RWE-Aktie zu tun gehabt. Der Kurs schwankte im September zwischen 33,75 Euro (2. September) und 30,27 Euro (21. September).

Was mit den übrigen RWE-Aktien passiert, steht in den Sternen. Nach der Kommunalwahl werden sich auch im Westfalenparlament die Verhältnisse ändern. Löb geht davon aus, dass die RWE-Aktien dann erneut ein Diskussionsthema werden.

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